• losttorrent
  • richtorrent
  • pushtorrent
  • Titel-Magazin
    TITEL kulturmagazin
    Samstag, 27. Mai 2017 | 11:53

     

    Doris Dörrie: Und was wird aus mir?

    18.03.2007


    Der Rigoletto von Hollywood

    Johanna unterläuft bei einer Rigoletto-Aufführung ein böser Schnitzer. Die Aufführung endet im Chaos, Johanna ist der „Sündenbock“, und schon nach wenigen Seiten stellt sie sich zum ersten Mal die Frage: „Und was wird aus mir?“

     

    Es ist kein Zufall, dass in Doris Dörries neuem Roman alles ein wenig an die Verdi-Oper erinnert, denn die erfolgreiche Filmregisseurin (Männer) hat den Rigoletto vor zwei Jahren an der Bayerischen Staatsoper inszeniert.

    Nachdem Johanna ihren Job am Theater verloren hat, erinnert sie sich an längst vergangene Zeiten, in denen sie vor 20 Jahren als Schauspielerin arbeitete und fast den einstigen Erfolgsregisseur Rainer geheiratet hätte, der in Hollywood lebt.
    Da ihr Leben in Deutschland „zerstört“ ist, ergreift sie die Flucht und fliegt Richtung Los Angeles. Was Johanna dort vorfindet, entpuppt sich aber als weitaus chaotischer als ihr eigenes Leben. Doris Dörrie hat mit spürbarer Begeisterung die Glamour-Welt von Hollywood als gigantisches Lügenlabyrinth inszeniert. Hinter der heilen Erfolgswelt lauern gefährliche Abstürze, tiefe Depressionen und handfeste existenzielle Nöte.

    Bei Doris Dörrie verkörpert der Regisseur Rainer die Rolle des Hofnarren „Rigoletto“ – allerdings mit stark hollywoodscher Prägung. Er übernimmt einen tragikomischen Part, denn er spielt sich so, wie er sich selbst gerne sehen würde, nämlich als den deutschen Erfolgsregisseur, der im Dunstkreis von Beverly Hills eine große Nummer ist. Doch nach seinem ersten großen Erfolg, ging es kontinuierlich bergab.

    Zwischen Komödie und Tragödie

    Und wie in Verdis Rigoletto spielt auch bei Doris Dörrie die Tochter eine zentrale Rolle. Sie heißt nicht Gilda, sondern Allegra, und speziell für ihren Besuch arrangiert Rainer ein prunkvolles Leben. In einem Jaguar Cabrio, das „wie eine goldene Pistolenkugel über den Highway schießt“, chauffiert er sie zu Luxusboutiquen. Während sich Allegras Herz mit Hilfe der Kreditkarte öffnet, erkennt die einstige Weggefährtin Johanna nach ihrer Ankunft schnell den Schwindel. Schamlos präsentiert Rainer eine Luxusvilla mit Pool, auf die er während der Abwesenheit des Besitzers lediglich ein wachsames Auge werfen sollte. Doris Dörrie zeigt keine erzählerische Gnade und lässt den selbst ernannten Erfolgsregisseur in die Katastrophe stürzen. Der Besitzer kommt erheblich früher zurück als geplant, und das geliebte Töchterchen Allegra entpuppt sich als geldgieriger Teenager, der den Vater nur „abzocken“ will. Johanna weckt noch einmal ihr schauspielerisches Potenzial, übernimmt Rainer zuliebe Allegras „Betreuung“ und versucht nach Kräften seine Lebenslüge gegenüber der Tochter aufrechtzuerhalten.

    Doris Dörrie changiert temperamentvoll zwischen Komödie und Tragödie. Herrlich komischen Sequenzen (z. B. Rainers und Allegras Besuch eines riesigen Outletstores) lässt sie abrupt grüblerische Selbstbefragungen ihrer Figuren folgen. Am Ende dieses filmtauglichen Romans über geplatzte Lebensträume erlaubt es Dörrie Johanna, über ihren eigenen Schatten zu springen. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland besucht sie ihren Vater, zu dem sie viele Jahre keinen Kontakt hatte, am Sterbebett. Mit diesem aufwühlenden Schlussbild hat die Autorin noch einmal ein emotionales Ausrufezeichen gesetzt.

    Peter Mohr


    Doris Dörrie: Und was wird aus mir? Roman. Diogenes Verlag 2007. 421 Seiten. 22,90 Euro.

    Tage, Tage, Jahre

    Staunen, entdecken, querlesen, umblättern, abreißen – Literaturkalender begleiten uns verlässlich durchs Jahr, versorgen uns häppchenweise und gut dosiert mit ungeahnten ...

    Seitenhiebe

    Auf ihrem nächtlichen Heimweg werden Anne und René Winkler (Natascha Paulick, Stefan Kurt) von drei jungen Männern attackiert und brutal zusammengeschlagen. Die Polizisten Phillip ...

    Gerd Sonntag und ein Hühnerglucksen zum Abschluss

    Giovanni Santi malt eine Fliege – Lyrik von Ger Sonntag.

    Von STEFAN HEUER

    Mr. Charms ist nicht zu fassen!

    Der verführerischen Absurdität von Charms' gesammelten Werken, die dankenswerterweise vom Galiani Verlag nun vollständig herausgegeben wurden, kann man sich nur schwer ...

    Die Jugend endet auf dem Campingplatz

    Wie wird man erwachsen, in einer Zeit, der die großen Ideen fehlen? Wo sich das Leben gleichförmig von einem Tag zum anderen zieht und das Entwerfen ...

    Die böse Schlange
    und das weiße Kaninchen

    In diesem Land stimmt etwas nicht. Der Feminismus nämlich. Schwach steht er da, der Wind pfeift durch die Löcher seines theoretischen Unterbaus. Ähnlich steht es mit den Frauen. ...

    Vom großen Lama aus der Regent`s Park Road

    Tristram Hunt widmet dem Schatten von Karl Marx, der selbst ernannten »zweiten Violine« des Marxismus, dem Industriellenerben Friedrich Engels eine ...

    Wer will fleißige Handwerker sehn

    Der Künstler und ehemalige Hartz IV-Empfänger Van Bo Le-Mentzel hat zusammen mit seiner Crowd ein DIY-Forum geschaffen und mittels Schwarmfinanzierung auch gleich ein Buch drucken lassen. ...

    Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

    Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

    NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter