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    TITEL kulturmagazin
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    Haruki Murakami: Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt

    21.01.2007


    Eine düstere Reise ins Ich

    Haruki Murakami ist ein musikalischer Autor, lakonisch, witzig, unterkühlt oder charmant. Sein Hard-boiled Wonderland und das Ende Welt ist phantastisch, komplex und mitten aus dem Leben gegriffen.

     

    In einem Tokyo der nahen Zukunft stehen sich das „System“, ein Konglomerat aus Unternehmen, und die Datenmafia der „Fabrik“ gegenüber. Der Ich-Erzähler arbeitet als Kalkulator für das „System“. Er versteht es, große Zahlen zu waschen, eine Art Datenaufbereitung durch ein geschicktes Zusammenspiel der linken und rechten Hirnhälfte. Bei seinem neuesten Auftrag muss der Kalkulator aber das nicht genehmigte Shuffling-Verfahren anwenden, als er in einem geheimen Labor unter der Tokyoter Metropole einen seltsamen Professor kennen lernt, der mit Tönen experimentiert. Bei Auftragende erhält der Kalkulator als Dank einen Einhornschädel und gerät alsbald in Konflikt mit den Semioten der „Fabrik“. In einer Parallelhandlung werden in einer abgeschotteten Stadt die Träume von Menschen aus Einhornschädeln gelesen. Der „zweite“ Protagonist verliert dabei zusehends seinen „Schatten“ und sucht nach seiner und anderen Seelen. Er will sich mit einem bedürfnislosen Leben nicht abfinden.

    Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt ist ein düsterer Krimi und eine Reise ins Ich. Rätsel geben die vom Professor implantierten Daten auf, die seltsame Veränderungen im (Unter-)Bewusstsein des Kalkulators bewirken und das ziellose Leben des Singles offenbaren. Alsbald erkennt der Leser, dass die zwei Romanhandlungen „Hard-boiled Wonderland“ und „Das Ende der Welt“ in direktem Zusammenhang stehen.

    Wechselwirkungen mit einer vielschichtigen Metropole

    Es ist nicht falsch, von einem Großstadtroman zu sprechen, zumindest annäherungsweise. Der von Murakami beschriebene Protagonist tritt in Wechselwirkung mit einer vielschichtigen, bunten und tiefgründigen Metropole. Er ist Teil dieser lebendigen Stadt und ihrer Bewohner, ein gewöhnlicher Mittdreißiger, der arbeitet um Geld zu verdienen, Frauenbekanntschaften eingeht und unglücklicherweise auf Schurken trifft. Zu dunkler Phantastik kommt es, als die Leser erfahren, dass unter Tokyo die Schwärzlinge hausen, die ab und zu einen U-Bahn-Mitarbeiter oder einen verirrten Menschen entführen.

    Murakami ist ein großartiger Erzähler, und er spannt eine abstrakte Geschichte um das tägliche Leben, die er ergänzt mit seinen Vorlieben für populäre Filme, Literatur, Krimis und Musik. Überraschende, bravouröse Winkelzüge sind die Qualität des Romans, der durch seine klare und verständliche Sprache überzeugt.

    Ulrich Blode


    Haruki Murakami: Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt. Aus dem Japanischen von Annelie Ortmanns. Neuausgabe. Dumont Literatur und Kunst Verlag 2006. 506 Seiten. 24,90 Euro.

    Bei der Neuausgabe im Dumont Literatur und Kunst Verlag verzichtet der Übersetzer der „Hard Boiled Wonderland“-Kapitel übrigens auf die Nennung seines Namens, weil er nicht mit der Anpassung an die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung einverstanden ist.

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