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    TITEL kulturmagazin
    Mittwoch, 26. April 2017 | 23:29

     

    Helge Schneider: Die Memoiren des Rodriguez Faszanatas

    07.01.2007

    Barcelona, deine Menschen

    Goldene Bonanza-Schrift, darunter ein Panorama-Grinsen mit Hut, mit Panama-Hut, um genau zu sein. So wie ihn unsere Großväter trugen. Auf geflammtem Papier, aus einem grau-braunen Weichzeichnernebel sich erhebend steht er da - ein Lackaffe wie er im Buche steht, mit Baguette, Rosen und Piccolo. So kriegt man die Weiber rum. Aber ordentlich!

     

    Dieser Dandy namens Rodriguez Faszanatas ist übrigens siebzig Jahre alt und hat eigentlich Bademeister gelernt. Doch zum Beweis seiner Verführungskunst und seiner ewigen Lendenfrische wird uns als Referenz gleich ein Zettel - kaum geräumig genug, um damit einkaufen zu gehen - entgegengestreckt:

    Sehr geehrter Herr Faszanatas!
    Danke!
    Renate aus Leipzig


    Eine wilde Liebesgeschichte voll krimineller Energien und potenter Anmache wird vor des braven Bürgers Leseauge entspannt: Rodriguez Faszanatas, ein Heiratsschwindler von Weltniveau, berichtet aus dem Nähkästchen seines trubligen Lebens, von Enthaltsamkeit und Hundebiss, von der Macht gelber Lamborghinis und der Ohnmacht gegenüber dem Schicksal, dem er sich als Eiermann ein letztes Mal verzweifelt entgegenzustemmen versucht. Am Ende ist er tot, und wir haben nur noch diese wenigen Blätter von ihm, der Mutter aller Männer.
    Doch vergessen wir nicht das zweite Testament, das er uns hinterlassen hat: die liebevollen Kohlezeichnungen, die Zeugnis ablegen von der wahren Größe dieses Menschen, der es nicht verdient hat, nur „Betrüger“ genannt zu werden. Er malt Hochhäuser, Sportwägen, Frauen, Sonnenuntergänge, Golfspieler, Kirchen, Friedhöfe, Hunde, Stierkämpfe, Eiscafés – das pralle Lebenskünstlerleben! Auch sich selbst zeichnet er, nachdenklich auf einem Schemel sitzend. Ja, und da wird es sonnenklar: Das ganze Buch ist eigentlich nichts anderes als ein großer Gewissensbiss, eine Selbstanklage, -verteidigung und -verurteilung in einem Aufwasch, echte Memoiren eben.

    Wie schaffst du das nur immer, guter Helge, dein Salz so sicher in unsere kleinsten Wunden zu reiben? So pralle Zitrusfrüchte aus der menschlichen Tragik zu pellen? Sicher empfinden manche langjährigen Freunde gewisse Abnutzungserscheinungen in deiner Antidramaturgie, im o­nkeligen Pipi-Kaka-Untenrum, im grandios-unterorchestrierten Durcheinander. Aber dennoch: diese etwas mehr als einhundert Seiten sind ein waschechter Helge-Schneider-Roman, wenn auch einer deiner schwächsten. Denn die Sandförmchen, mit denen du am Strand der Sehnsucht spielst, und uns deine Literatur backst sind uns hier oftmals zu klein. Entlohnen tust du die Dürstenden unter uns trotz allem – wenn auch mit lauwarmer Sangria aus dem Pappbecher.

    Christoph Pollmann


    Helge Schneider: Die Memoiren des Rodriguez Faszanatas. Bekenntnisse eines Heiratsschwindlers. Taschenbuch. KiWi 2006. 128 Seiten. 6,95 Euro.

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