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Freitag, 24. März 2017 | 18:51

 

Ryu Murakami: In der Misosuppe

02.01.2007


Japanischer Horror


Im Tokioer Rotlichtviertel beschwört Ryu Murakami eine dunkle Welt herauf von Verbrechern, Prostituierten und sich erfüllenden grausamen Vorahnungen.

 

Um es vorwegzunehmen: Ryu Murakami ist mit Haruki Murakami nicht verwandt, und sein Roman hat mit den verschlungenen, in Übernatürlichkeit schwelgenden Fantasiewelten seines Namensvetters keinerlei Gemeinsamkeiten. Ganz im Gegenteil, der Roman In der Misosuppe steht eher in der Tradition amerikanischer Thriller und Horrorromane, und das in der japanischen Literatur übliche Verlegen der Handlung in eine Zwischenwelt von irrationaler Rationalität findet bei Ryu Murakami nicht statt.

Stattdessen ist In der Misosuppe ein Sex-and-Crime-Thriller im besten Sinne: Der zwanzigjährige Kenji verdient sein Geld, indem er amerikanische Touristen durch das Tokioer Rotlichtviertel führt und ihnen Tipps gibt, wo die besten Strip-Shows oder Prostituierten zu finden sind. Sein Kunde in den drei Tagen vor Silvester ist der Amerikaner Frank. Von Anfang an hat Kenji das Gefühl, dass Frank ihn belügt und etwas mit der ermordeten Prostituieren zu tun hat, die vor kurzer Zeit geschändet und zerstückelt unweit des Rotlichtviertels gefunden wurde. Immer tiefer verstrickt sich Kenji in seine dunklen Vorahnungen und gleichzeitig in Franks Psyche, bis Kenjis schlimmste Erwartungen Realität werden.

Dramaturgisch perfekt spielt Murakami mit Kenjis Vorahnungen und den Erwartungen des Lesers. Franks geheimnisvolle, bedrohliche Seite und Kenjis Ängste springen förmlich aus den Seiten des Buches und zwingen zum Weiterlesen. Die düstere Seite des Tokioer Rotlichtviertels verbindet sich mit unaufgeklärten Verbrechen und Kenjis schlimmsten Befürchtungen. Wer allerdings lieber nichts von abgeschnittenen Ohren oder Vergewaltigungen von halberwürgten Prostituierten lesen möchte, sollte die Finger von dem Roman lassen.

Katharina Bendixen


Ryu Murakami: In der Misosuppe. Aus dem Japanischen ins Deutsche übersetzt von Ursula Gräfe. KiWi Paperback 2006. Taschenbuch. 207 Seiten. 8,95 Euro.

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