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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 28. April 2017 | 00:41

     

    Steven Carroll: Die Kunst des Lokomotivführens

    17.12.2006


    Ein Augenblick, der alles verändert


    Es sind die „Dinge des Lebens“, die diesen Roman ausmachen, Liebe und Vergänglichkeit, das Abschiednehmen und Erkennen eigener Unzulänglichkeiten. Alles zusammen gibt dem Roman ein überaus sympathisches menschliches Gesicht.

     

    Eine kleine Familie, bestehend aus Vic, Rita und Sohn Michael, ist an einem friedvollen und lauen Sommerabend unterwegs zu einem Nachbarn, der ein großes Fest gibt: die Verlobung seiner Tochter Patsy.
    Vic ist Lokomotivführer und sein großes Vorbild ist Paddy Ryan, sein Lehrmeister. Vic liebt seinen Beruf, sieht ihn als Berufung an, und hört er irgendwo einen Zug, „kann er vielleicht sogar sagen, wer der Lokomotivführer ist. Er kennt ihre Eigenheiten, ihre Handschrift, ... die Signatur, die sie auf den Gleisen hinterlassen, ... so klar wie die Signatur eines Malers auf der Leinwand.“ Er bewundert Paddy, träumt vom „Big Wheel“, denn, wer zu der Truppe gehört, der gehört zu den Besten, zur „Elite“.
    An diesem Abend wird Paddy, der den Job hat, „für den er geboren wurde“, jedoch zwei Haltesignale überfahren und nichts wird mehr so sein wie vorher. Irgendwo wird es passieren auf der Strecke nach Sydney, während Vic weit weg in einem kleinen Vorort von Melbourne eine Party feiert

    Geschichten von Liebe und Vergänglichkeit

    Weit weg, so scheint sich alles zuzutragen, was in Steven Carrolls Roman passiert. Eine großartige Handlung gibt es nicht, lange Zeit gehen Menschen einfach nur in Richtung des Hauses der Gastgeber. Begegnen sich, gehen ein Stück gemeinsamen Weges. Menschen werden beschrieben, Rückblicke werden eingefügt oder eine lakonische Zukunft prognostiziert: zum Beispiel der Maschinist Doug: „ Er ist der glücklichste Ehemann in der Straße; in der kommenden Woche wird er bei einem Autounfall ums Leben kommen.“
    Da sind viele Passagen, die wie Regieanweisungen anmuten: jemand kommt aus dem Haus, geht die Straße entlang. Aussehen, Gesten, Gesichter werden beschrieben, die Dialoge sind kurz. Aber es geht um weitaus mehr als um Beschreibungen. Hier erwacht ein ganzes Milieu, die Geschichte eines kleinen Ortes wird lebendig, die Menschen der Straße sind statt lebloser Statisten bald konturreiche Wesen mit einem Vorher und Nachher, mit einer Geschichte, Hoffnungen und einer Zukunft. Der Abend, an dem sich alles um das große Fest dreht, wird vieles durcheinander wirbeln, wird klar machen, wie schnell sich Lebenssituationen ändern können.
    Voller Zärtlichkeit, Feingefühl und Warmherzigkeit schildert Carroll Vics große Liebe zu „700 Tonnen Eisen und Stahl“, die auf die Bewegung von „Fingerspitzen“ reagieren. Hingabe und Leidenschaft kennt auch die Tochter des Gastgebers, die vor ihrer Verlobung noch einmal ihren heimlichen Geliebten Jimmy empfängt.
    Es sind die „Dinge des Lebens“, die diesen Roman ausmachen, es ist die Geschichte von Liebe und Vergänglichkeit, vom Abschiednehmen und Erkennen eigener Unzulänglichkeiten. Und alles zusammen gibt dem Roman ein überaus sympathisches menschliches Gesicht.

    Barbara Wegmann


    Steven Carroll: Die Kunst des Lokomotivführens. Verlag Liebeskind 2006. 270 Seiten. 19,80 Euro.

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