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    TITEL kulturmagazin
    Samstag, 27. Mai 2017 | 11:50

     

    Ursula K. Le Guin: Die Geißel des Himmels

    03.12.2006


    Vom Traum zum Trauma


    Phantasie hat die Macht die Welt zu verändern. In Ursula K. Le Guins psychologischem Thriller vermischen sich Traum und Realität zu einem unbeherrschbaren Projekt. Die Wissenschaften handeln niemals wertfrei, und die Welt verändert sich nicht nur zum Guten.

     

    Die Geißel des Himmels beginnt mit der Verhaftung des dreißigjährigen George Orr wegen Medikamentenmissbrauchs. Während der anschließenden freiwilligen therapeutischen Behandlung behauptet Orr, dass er Angst vor dem Träumen hat. Seine Träume würden sich als Realität manifestieren. Darum unterdrückt er jeglichen Schlaf, um die Welt nicht zu verändern. Für Dr. William Haber ist Orr ein ungewöhnlicher Fall, den es um jeden Preis zu behandeln gilt, schließlich ist Haber an anwendungsorientierter Forschung interessiert. Umso erstaunlicher ist, dass Orrs Träume tatsächlich die Wirklichkeit verändern. Bei den Sitzungen benutzt fortan Haber sein neues Behandlungssubjekt und induziert ihm künstliche Träume. Auf diese Weise verschafft sich Haber ein schöneres Büro, eine angesehenere Position und er fängt an die Welt zu verbessern. Nur Haber und Orr, die im Zentrum der Veränderungen stehen, wissen von den unzähligen Eingriffen in die Menschheitsgeschichte.

    Kreative Geschichte um Träume, deren Deutung und Einflüsse

    Ursula K. Le Guin entwirft eine niveauvolle und kreative Geschichte um Träume, deren Deutung und Einflüsse. Während aus dem verwirrten Orr ein selbstbewusster und analytisch denkender Mensch wird, zeigt sein Arzt zunehmend den Hang zum gottgleichen Handeln. Geradezu widersprüchlich ist die Verwendung des Unbewussten, um rationale und logische Ziele zu verwirklichen. Dementsprechend hoch ist der Preis für eine „humane“ Welt: Die Überbevölkerung wird durch Epidemien beseitigt, der Weltfrieden durch die Invasion Außerirdischer erreicht. Als alle Menschen grau werden, verschwinden die Rassenkonflikte. Entstanden ist aber eine freudlose und beliebige Welt, in der die Menschen nicht mehr unterscheidbar sind. Le Guin zeigt auf, dass Wissenschaftler nicht vorurteilsfrei handeln können, ohne das betrachtete Subjekt oder Objekt zu beeinflussen.

    Letztlich hat sich die Autorin für eine phantastische Erzählung entschieden, in der philosophische Außerirdische auftreten, die den ganzen Wust aus Geschichtsverdrehungen zu durchschauen scheinen. Eine subtilere Vorgehensweise, beispielsweise eine ausschließliche Betrachtung der Veränderungen des Lebensalltags in einer gegenwartsbezogenen Stadt, wäre für Die Geißel des Himmels sicherlich auch reizvoll gewesen.

    1972 wurde Le Guin für ihren unterhaltsamen und nachdenklich angehauchten Roman mit dem Locus Poll Award ausgezeichnet, einem der wichtigsten US-amerikanischen Preise für phantastische Literatur. Auch wurde der Roman mehrmals verfilmt, so 1980 und 2002.
    Übersetzt von Joachim Körber für die Edition Phantasia liegt Die Geißel des Himmels nun erstmals vollständig auf Deutsch vor.

    Ulrich Blode


    Ursula K. Le Guin: Die Geißel des Himmels. Deutsch von Joachim Körber. Edition Phantasia 2006. Paperback. 223 Seiten. ISBN 3-937897-16-X

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