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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 21. August 2017 | 17:32

     

    Gisa Klönne: Unter dem Eis

    26.11.2006


    Ein Vogel mit magischen Kräften


    Vielschichtigkeit in höchster Perfektion! Ein exzellentes Beispiel, dass ein Kriminalroman auch ohne mörderische Details hochgradig spannend sein kann, und dies bis zur letzten Seite!

     

    „Die Maschinerie ist angelaufen, der Polizeiapparat tut seine Pflicht und fischt ein weiteres Mal mit voller Kraft im Trüben, der ewige Kampf gegen die Zeit.“ Der 14 jährige Jonny ist verschwunden und sein Rauhaardackel Dr. D. mit ihm. Kurze Zeit später macht die Kripo Köln einen gruseligen Fund: dem Dackel wurde offenbar ein Ohr abgeschnitten, aber wo sind Hund und der Junge?

    Lähmende Hitze herrscht in diesem Sommer und genauso wie die Schwüle jeden Elan raubt, scheint auch die Spurensuche der Gluthitze zu erliegen. Dann verschwindet auf mysteriöse Weise die frühere Freundin von Kriminalhauptkommissarin Judith Krieger, die Wissenschaftlerin Charlotte. Die Spuren führen nach Kanada, dorthin lockten sie die Liebe und die Eistaucher, jene Vögel, die „zwischen der Welt der Lebenden und der der Toten hin- und hertauchen.“

    „Es gibt unzählige Sagen, in denen Eistaucher den Menschen mit magischen Kräften zu Hilfe kommen.“ So sagt es ein indianischer Glaube. Und Judith fliegt nach Kanada, denn das Auffinden der früheren Freundin bedeutet auch Klärung eines eigenen Stücks Vergangenheit. Währenddessen läuft Kollege Manni zunächst lange Zeit gegen eine Mauer aus Schweigen im elterlichen und schulischen Umfeld des verschwundenen Jungen. Dann verschwindet ein zweiter Junge. „Nichts ist jemals in Ordnung, es gibt keine heile Kinderwelt, so wenig wie eine heile Erwachsenenwelt. Ein Mord markiert immer nur die Spitze des Eisbergs.“

    Ein Thriller voller Psychologie und Atmosphäre


    Von Mord und Totschlag gibt es nicht viel in diesem Buch, keine brutalen Szenen, kein Horror, oder vielleicht doch? Es ist der leise Horror, der, den man nicht auf den ersten Blick wahrnimmt, der versteckt ist, im Hintergrund lauert. „Irgendjemand quält immer jemanden. So war es früher. So ist es heute.“ Und das beschreibt Gisa Klönne absolut fantastisch. Voller Atmosphäre der Einstieg, die Hitze, die Schwüle, die lähmende Angst, wo ist der Junge, lebt er? Die ermüdenden und zermürbenden Recherchen, die fehlenden Fortschritte, die Verzweiflung der Eltern, die plötzlich aufkeimenden Verdächtigungen und Beschuldigungen. Die knebelnde Spannung. Grandios geschrieben, einfühlsam, so individuell, so überzeugend aus so vielen Perspektiven. Dann die Komposition, ein Buch, das sich aus mehreren Handlungssträngen zusammensetzt, die parallel verlaufen, manchmal verwoben werden, schließlich zusammenlaufen. Der Eisvogel, der als Sagen umwobenes Tier zwischen der Welt der Lebenden und Toten zum Symbol des ganzen Romans wird, dessen Titel ja schon klar macht, wo es brodelt... Vielschichtigkeit in höchster Perfektion! Ein exzellentes Beispiel, dass ein Kriminalroman auch ohne mörderische Details hochgradig spannend sein kann, und dies bis zur letzten Seite!

    Barbara Wegmann


    Gisa Klönne: Unter dem Eis. Kriminalroman. Verlag Ullstein 2006. 400 Seiten. 18,00 Euro.

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