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    TITEL kulturmagazin
    Mittwoch, 26. April 2017 | 23:29

     

    Éric Laurrent: Clara

    15.10.2006

     
    Liebe auf den ersten Blick

    Eigentlich könnte das Buch eher von einer Frau geschrieben worden sein; welcher Mann entwirft schließlich schon ein nicht nur für Frauen so hinreißend unterhaltsames und köstlich entlarvendes Bild des eigenen Geschlechts? Freiwillig?

     

    33 ist der junge Mann, gutaussehend, eigenen Angaben nach unwiderstehlich, stets auf amourösen Beutezügen und mit einem nie ermüdenden erotischen Jagdfieber gesegnet. Er gefällt sich in der Rolle des „Gelegenheitsliebhabers“ und „idealen Liebhabers“, „in sicherer Entfernung, aber für die Frauen stets verfügbar und leidenschaftlich. Dann, eines Tages lernt er diese „ganz in Schwarz gekleidete“ Frau, die Gambistin Clara Stern, kennen. „Ich erkenne Venus und ihre Furcht erregenden Feuer“, sagt sein Freund und tatsächlich, den jungen Mann hat die „Liebe auf den ersten Blick“ getroffen wie ein Blitzschlag. „Flegel“, „Lümmel“, „Grobian“, „armes Schwein“ oder „Scheißidiot“, seine natürlich sofort abservierten Freundinnen und sexuell bisher stets „verfügbaren“ Wegbegleiterinnen sehen ein lieb gewonnenes emotionales Gespinst empfindlich gestört. Aber es gibt fortan nur noch Clara. Das Dumme: Die verheiratete Frau scheint keineswegs dem sinnlichen Don-Juan-Ruf so willig folgen zu wollen wie ihre Geschlechtsgenossinnen, und dieser macht ihr unmissverständlich klar: sie ist nur „eine von vielen“, ein „erotisches Objekt“ und „nur zweite Wahl“. Wie kann Mann seiner Traumfrau das Gegenteil beweisen?

    Unerreichbare Schöne

    Es hat etwas sehr Sympathisches, diese Art und Weise, in der die alte Macho-Eiche gefällt wird. Der Mann ist völlig fixiert auf Clara, im „Delirium der Leidenschaft“, und je stärker er spürt, wie aussichtslos es ist, bei ihr zu landen, umso besessener wird er von ihr: Tagträume in allen Variationen, nächtliche Fantasien in allen Stellungen, Selbstgespräche, nervöses Warten, als er zu ihrem Konzert geht: „… mit der gleichen fiebrigen Ungeduld, die mich als Kind in der Weihnachtszeit aufgerieben hatte, als ich jeden Morgen ein weiteres Türchen des Adventskalenders öffnete ...“ Clara spielt mit ihm wie die Katze mit der Maus, offeriert dem ‚zynischen Aufreißer’ sogar Gespielinnen: „... vollkommen dumm und fürchterlich vulgär, aber allein und willig, also was für dich.“ Der junge Mann gerät in eine Krise, zieht sich von allem zurück, erzählt Claras Mann von seinen Liebeswehen, ohne die Kleinigkeit zu erwähnen, dass es sich dabei um die Frau des Freundes handelt. Was soll er tun, wenn Clara ihm so unerreichbar sagt: „Du liebst mich nicht genug, dass ich dich lieben könnte.“

    Super-Macho im Liebeswahn

    Klare Sache: dass große Gefühle zwischen Mann und Frau immer wieder ein Buch wert sind, dafür liefert Laurrent einen wunderbaren Beweis. An seinen Stil jedoch muss man sich erst gewöhnen: ellenlange Sätze, nicht selten Einschübe in Klammern und sogar innerhalb der Klammern nochmals Einfügungen. Da muss man am Ende des Satzes manchmal noch mal umblättern und schauen, wie denn der Anfang aussah. Aber irgendwie passt das auch: Verworren sind eben die Gedanken eines Verliebten, dessen Hirn und Herz nicht mehr im üblichen Einklang stehen. Sprudelnd kommen Gedanken, Fragen, Ängste hervor, unsicher ist sich der Held, da seines männlichen Stolzes komplett beraubt. Fast sich selbst tröstend, ist er sich Mutter, Freund und Analytiker gleichzeitig. Und was liegt näher als bei Liebesleid psychosomatisch zu reagieren?

    Bezaubernd und voller charmantem Humor schildert Laurrent die schwinden Kräfte des potenten Frauenhelden. Mit liebenswerter Ironie stellt Laurrent seinen Helden vor dessen so heftig ausbrechenden Gefühlsvulkan, lässt den einstigen Super-Macho in seinem Liebeswahn zappeln und sich winden. „Eingedenk des Umstandes, dass mein Mund und keine andere Partie meines Körpers betroffen war – eine Beeinträchtigung , die mir bald jeden Zungenkuss zu einer schmerzhaften Angelegenheit machen sollte –, ist es tatsächlich nicht ausgeschlossen, dass ich mich mehr oder weniger bewusst darum bemühte, meinem seit Jahren etwas aufreibenden Liebesleben ein Ende zu bereiten.“ Alles für Clara ... ob es ihn ans Ziel bringt?

    Barbara Wegmann


    Éric Laurrent: Clara. Übersetzt von Frank Wegner. Rowohlt Verlag 2006. 190 Seiten. 16,90 Euro.

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