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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 29. Juni 2017 | 04:15

     

    Véronique Ovaldé: Alles glitzert

    25.09.2006


    Literarisches Leuchten

    Das Leben in einem arktischen Dorf, die Kindheit und Jugend eines gebrandmarkten Mädchens und eine Umweltkatastrophe spielen die Hauptrollen in dem leichten, gelassenen Roman
    Alles glitzert der französischen Autorin Véronique Olvadé.

     

    Kalt und weiß ist es in der arktischen Welt, und seitdem eine Fabrik ihren Giftmüll neben einem kleinen Dorf entsorgt, schwimmen Fische bäuchlings im Wasser und Möwen greifen sogar Rentiere und Menschen an. Kikko ist das einzige Kind, das einen katastrophalen Geburtenjahrgang überlebt hat, alle anderen Kinder sind aufgrund der radioaktiven Verstrahlung verstorben. Deswegen fühlt Kikko sich anders, sie merkt, dass Spielgefährten und Dorfbewohner sie meiden, und selbst ihr alkoholkranker Vater schlägt nur die Schwester, nicht sie. Nach und nach versucht Kikko herauszufinden, was das Geheimnis der Fabrik ist und was jenseits des Dorfes auf sie warten könnte. Nachdem sie erfahren hat, was im Jahr ihrer Geburt geschehen ist, schlägt Kikko sehr zum Unmut der Dorfbewohner einen besonderen Lebensweg ein.

    Alles glitzert heißt der zweite auf Deutsch vorliegende Roman der französischen Autorin Véronique Olvadé, der die Identitätssuche eines gebrandmarkten Mädchens beschreibt, ohne diese Suche tatsächlich beim Namen zu nennen. Kikko schaut sich an, wie die Schwester verprügelt wird; sie beobachtet den Vater bei seiner Arbeit als Verantwortlicher für die Eisstraßen; geduldig hört sie zu, wie Dorfbewohnerinnen davon erzählen, wie sie ihr Kind in dem Jahr verloren, in dem sie selbst als einzige überlebt hat. Sie sagt wenig und denkt dabei viel, und diesen kindlichen Denkstrom fängt Olvadé so überzeugend und dicht ein, dass die kalte und weiße arktische Welt durch die Kinderaugen zum Leben erwacht. Gelassen und ungekünstelt beschreibt Olvadé Kikkos Entwicklung von einem kleinen Mädchen zu einer jungen Frau unter außergewöhnlichen Bedingungen.

    Gleichzeitig berichtet Olvadé von einer Naturkatastrophe in einem fernen Gebiet, die durch Leichtsinn und Ignoranz ausgelöst wurde. Es sterben nicht nur die Kinder und Fische, auch die Fabrikarbeiter werden durch den Kontakt mit dem radioaktiven Gift nach und nach zugrunde gehen. In dem Roman sind sie jedoch nur Saisonarbeiter, die schnell durch neue Arbeitskräfte ersetzt werden. Olvadé bearbeitet damit ein ungewöhnliches Thema für einen Roman, der in einer ebenso ungewöhnlichen, wie faszinierenden Landschaft spielt. Dort glitzert tatsächlich alles, und der Roman selbst sendet auch ein kleines Leuchten aus: ein dünnes Buch, das nicht unbeachtet bleiben sollte.

    Katharina Bendixen


    Véronique Ovaldé: Alles glitzert. Roman. Aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt von Claudia Kalscheuer. Antje Kunstmann 2006. Hardcover. 192 Seiten. 16,90 Euro.

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