• losttorrent
  • richtorrent
  • pushtorrent
  • Titel-Magazin
    TITEL kulturmagazin
    Montag, 26. Juni 2017 | 19:27

     

    Martín Caparrós: Valfierno

    25.09.2006

     
    Modern gepuzzelt

    Es wird gespielt, erfunden, vergessen und vor allem wird gestohlen, und zwar die Mona Lisa aus dem Louvre. In seinem Roman
    Valfierno baut der argentinische Schriftsteller Martín Caparrós ein Puzzle um den Raub des berühmten Gemäldes im Jahr 1911.

     

    Er heißt Bollino Juan María Perrone Bonaglia Marqués de Valfierno, er hat keine eindeutige Vergangenheit, dafür aber eine gesicherte Zukunft: Der Protagonist aus Martín Caparrós' Roman Valfierno hat die Mona Lisa aus dem Louvre stehlen lassen und sechs als Originale ausgegebene Fälschungen an verschwiegene Kunstsammler in den Vereinigten Staaten verkauft. Die Romanidee von Caparrós beruht auf einer wahren Begebenheit: Tatsächlich wurde im Jahr 1911 die Mona Lisa aus dem Louvre entwendet, die Diebe konnten Jahre später ausfindig gemacht werden, der eigentliche Drahtzieher des spektakulären Kunstraubs jedoch nicht.

    Um die literarische Vorstellung eben dieses Drahtziehers dreht sich Valfierno. Kunstvoll legt Caparrós ein Puzzle aus Interviews, Erinnerungen, Perspektivwechseln an, um den historischen Tatsachen eine scheinbar wahre Geschichte hinzuzufügen. Zu diesem Zweck erfindet Caparrós nicht nur den möglichen Marqués de Valfierno, sondern auch den Journalisten Becker, der die in den Kunstraub verwickelten Personen interviewt und sich sicher ist, der Geschichte seines Lebens auf der Spur zu sein. Dieser literarische Trick der scheinbaren Authentizität ist eine der faszinierenden Seiten des Romans.

    Eine weitere faszinierende Facette sind die literarischen Überlegungen um Original und Fälschung. Valfierno lässt nicht nur Gemälde fälschen, auch seine eigene Identität ist eine Fälschung. Aufgewachsen als Sohn einer einfachen Hausangestellten beschließt er eines Tages, seine Identität zu wechseln und sich unauffällig in die hohe Gesellschaft einzuschleichen, um seinen genialen Coup durchzuführen. Caparrós hebt das Spiel mit Original und Kopie aber auf eine noch höhere Ebene, indem er einen seiner Protagonisten sagen lässt: „Die Kopie ist die Basis der Zivilisation […]. Ich meine damit, daß die Welt ohne Kopie nicht existieren würde. Alles würde ständig verschwinden. Wir sind vergänglich. Und auch ein Original ist nicht von Dauer, man muß es kopieren, damit es weiterhin präsent ist.“

    Solche Überlegungen machen Valfierno zu einem modernen Roman mit leichtfüßig philosophischen Zügen. Auch der Aufbau, das Puzzleartige, ist modern, jedoch nicht künstlich oder zu verschlungen, als dass man ihm nicht mehr folgen könnte. Genau wie Valfierno mit seiner Identität spielt, sie ständig neu erfindet, spielt auch Caparrós mit den Erwartungen des Lesers und gibt nach und nach immer wieder einen Mosaikstein zur Auflösung dazu.

    Katharina Bendixen


    Martín Caparrós: Valfierno. Roman. Aus dem Spanischen von Hans-Joachim Hartstein. Eichborn 2006. Hardcover. 339 Seiten. 19,90 Euro.

    Tage, Tage, Jahre

    Staunen, entdecken, querlesen, umblättern, abreißen – Literaturkalender begleiten uns verlässlich durchs Jahr, versorgen uns häppchenweise und gut dosiert mit ungeahnten ...

    Seitenhiebe

    Auf ihrem nächtlichen Heimweg werden Anne und René Winkler (Natascha Paulick, Stefan Kurt) von drei jungen Männern attackiert und brutal zusammengeschlagen. Die Polizisten Phillip ...

    Gerd Sonntag und ein Hühnerglucksen zum Abschluss

    Giovanni Santi malt eine Fliege – Lyrik von Ger Sonntag.

    Von STEFAN HEUER

    Mr. Charms ist nicht zu fassen!

    Der verführerischen Absurdität von Charms' gesammelten Werken, die dankenswerterweise vom Galiani Verlag nun vollständig herausgegeben wurden, kann man sich nur schwer ...

    Die Jugend endet auf dem Campingplatz

    Wie wird man erwachsen, in einer Zeit, der die großen Ideen fehlen? Wo sich das Leben gleichförmig von einem Tag zum anderen zieht und das Entwerfen ...

    Die böse Schlange
    und das weiße Kaninchen

    In diesem Land stimmt etwas nicht. Der Feminismus nämlich. Schwach steht er da, der Wind pfeift durch die Löcher seines theoretischen Unterbaus. Ähnlich steht es mit den Frauen. ...

    Vom großen Lama aus der Regent`s Park Road

    Tristram Hunt widmet dem Schatten von Karl Marx, der selbst ernannten »zweiten Violine« des Marxismus, dem Industriellenerben Friedrich Engels eine ...

    Wer will fleißige Handwerker sehn

    Der Künstler und ehemalige Hartz IV-Empfänger Van Bo Le-Mentzel hat zusammen mit seiner Crowd ein DIY-Forum geschaffen und mittels Schwarmfinanzierung auch gleich ein Buch drucken lassen. ...

    Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

    Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

    NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter