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    TITEL kulturmagazin
    Mittwoch, 26. April 2017 | 23:36

     

    Louis Auchincloss: Die Manhattan-Monologe

    10.07.2006

    Gier ist gut

    Louis Auchincloss (*1917) brillierte nach einer mustergültigen Ostküsten-Schullaufbahn als Star-Anwalt und außerordentlich produktiver Autor. Zahlreichen Romanen, Biographien und Literaturkommentaren folgte 2002 sein Roman über die Geschicke des New Yorker Geldadels, der nun in einer deutschen Übersetzung vorliegt.

     

    Wie Gordon Gekko, der Anti-Held in Oliver Stones brilliantem 80er-Jahre-Filmepos „Wall Street“ kurz anmerken würde – „Gier ist gut“. Es ist die Welt von Gekko, in die Auchincloss seine Leser hier versetzen will – die Welt des Geldadels der amerikanischen Ostküste, wo Leistungen im Wirtschaftsleben so viel zählen wie alte, ruhmreiche Familiennamen. Hier werden Heiraten nach Zweckdienlichkeit arrangiert, um Vermögenswerte einzuheiraten, und die Frauen der Familie operieren im Hintergrund als Strippenzieherinnen, um die Anwalts- oder Brokerkarrieren ihrer Männer geschickt zu manipulieren. Man bleibt unter sich und baut sich mit Privatschulen, Country Clubs und Wohltätigkeitsorganisationen ein aristokratisches kleines Universum, dass Außenstehende elegant abfedert. Und man ist gerne reich und redet auch gerne darüber: das ist der Ausgangspunkt für die neun Geschichten – Monologe – die Auchincloss in seinem Roman aneinander reiht, chronologisch gruppiert und über das gesamte 20. Jahrhundert verteilt.

    Perfide Selbstbestätigungsrituale
    Das Spektrum, das so entsteht, wird fest zusammen gehalten von einem selbstverständlich gelebten Zugehörigkeitsgefühl – viele der ErzählerInnen rechtfertigen sich für ihr Leben, aber niemals für ihre Herkunft und die perfiden, kleinen Selbstbestätigungsrituale, die sie manisch pflegen. Da sie sich selbst aber mit ihren Schwächen und Macken immer wieder von den Idealen ihres Standes distanzieren, dienen sie als erstaunlich griffige Bezugspunkte, öffnen dem Leser einen lakonischen Spalt in ihre Welt und werden zwischen all ihren Ehebrüchen, Finanzskandalen und Lobby-Mauscheleien zu echten Protagonisten. Natürlich ist Auchincloss bemüht, sie von der ganz großen politischen Bühne fern zu halten, deren Fundament sie mit ihrem Geld und ihrem Lobby-Einfluss stellen. Sozial-politisch handeln dürfen sie doch, und sei es nur aus einer obskuren Philanthropie für die Mitglieder der „Unterschicht“ – „Was ließe sich mit solchen Leuten schon anfangen? [...] Nur ein kapitalistischer Staat konnte mit ihnen umgehen: Sie würden alle zur Arbeit gehen und gesagt bekommen, was sie tun sollten.“ Der Glaube an die Wohltaten eines freien Kapitalismus, den viele, wenn nicht alle, der neun Erzähler hegen, wird freilich dort am deutlichsten, wo er sich gegen die politische Façon der Zeit konturiert, gegen den „Krüppel“ im Weißen Haus - Franklin D. Roosevelt - und seinen „New Deal“ etwa, der gerade den witschaftsmächtigen Lobbyisten das Heft aus der Hand schlug.


    Monologe zu zweit
    Sie haben, das steht schnell fest, Spaß an ihren Geschichten und werfen verspielt pikante, kleine Details in die Runde, um die Aufmerksamkeit hoch zu halten. Und natürlich halten sie keine Monologe, auch wenn manche der Geschichten den oberflächlichen Anstrich eines Rechenschaftsberichtes erhalten, den man sich am Ende eines Lebensabschnittes geben kann. Nicht immer ist die erzählerische Suche nach Zuhörern dabei Ausdruck einer Arroganz – eher schon Ausdruck einer latenten Unzufriedenheit. Gerade durch ihr aggressives Selbstverständnis legen sie die Eitel- und Oberflächlichkeiten des eigenen Standes nachhaltig offen – das ultimative Beharren auf der Institution der bürgerlichen Aristokratie, die von all ihren Mitgliedern für ihr Funktionieren eine Hingabe an ihr System einfordert, dessen Werte nur den ohnehin schon Eingeweihten bekannt sind – so dass etwa „Neureiche“ kaum jemals aufgenommen werden. In all ihren Geschichten von Geld, Sex und Macht sind sie typisch (und wollen auch nichts anderes sein), nicht aber stereotypisch: dafür sind sie in all ihrer Mittelmäßigkeit dann doch zu lebendig und in ihren Fehlern einfach zu menschlich. Gerade deshalb funktioniert Auchincloss’ Roman als interessantes Standesportrait.

    Daniel J. Gall


    Louis Auchincloss: Die Manhattan-Monologe. Übersetzt von Angela Praesent. Köln: DuMont, 2006, Gebunden, 230 Seiten, 19,90 EUR. ISBN 3832178651,




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