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Christine Hoba: Die Abwesenheit

12.06.2006

Vergangenheitsbewältigung durch Forschergeist

Christine Hoba erzählt in ihrem Debütroman "Die Abwesenheit. Eine Nachforschung" sprachlich präzise und inhaltlich dicht die komplexe Geschichte eines Physikers und eines Selbstmords.

 

Burkhard, ein vergeistigter Physiker, kehrt zurück nach J. in Tanners Haus. Er möchte endlich herausfinden, warum Elisabeth, seine frühere Geliebte und Tanners ehemalige Frau, sich vor zehn Jahren das Leben genommen hat und was mit Tanner passiert ist, der vor drei Wochen nach einem heftigen Streit mit Burkhard plötzlich verschwunden ist. Die Nacht in Tanners Haus wird für Burkhard zu einer realistisch-verträumten Reise zu vergangenen Ängsten und verlorenen Hoffnungen.
"Die Abwesenheit", Christine Hobas Romandebüt, bewegt sich auf unzähligen Zeitebenen der Erinnerung Burkhards an Tanner und Elisabeth. "Eine Nachforschung" lautet der Untertitel des Romans: Durch die Erforschung der Vergangenheit möchte Burkhard mit seinem kühlen, von den Naturwissenschaften geprägten Geist die Gegenwart – Elisabeths Tod bzw. Tanners Schuld daran – verstehen. Dies gelingt ihm am Ende des Romans, jedoch nur durch fremde Hilfe und auch das nur in geringem Maße. Neben den Erinnerungen an Tanner und Elisabeth stehen zahlreiche Passagen, in denen Burkhard seine Kindheit und Jugend, seine Studentenzeit und erste Liebe, seine Karriere als Wissenschaftler und die möglichen Wendungen in seinem Leben, die er vermieden hat, reflektiert.

Bemerkenswerter sprachlicher Ausdruck
Diese zum Teil etwas verworrenen und nicht immer entschlüsselbaren Rückblenden gereichen dem Roman sowohl zum Vorteil als auch zum Nachteil: Einerseits bekommen die Charaktere – vor allem der Burkhards – eine große Tiefe und Nachvollziehbarkeit und das Buch durch die in Tanners Jugend und Studentenzeit auftauchende DDR-Problematik eine zusätzliche, geschichtliche Dimension. Andererseits verlaufen viele Andeutungen ins Leere und verlieren ihre Motivation, da sie nicht weiter ausgeführt werden.
Bemerkenswert an Hobas Roman ist weniger der Inhalt, als vielmehr die Sprache. Mit einem genauen Gespür für Rhythmus und sprachliche Hervorhebungen beschreibt sie Burkhards sich überschlagende Gedankengänge und die sich im Unklaren verlierende Erinnerungen. Dieses rhythmische Erzählen entschädigt für einige Verwirrungen während der Lektüre und vor allem für die letztendlich nicht überraschende, sondern eher dürftige Auflösung des Romans.


Katharina Bendixen


Christine Hoba: Die Abwesenheit. Eine Nachforschung. Mitteldeutscher Verlag, 2006.
Hardcover, gebunden mit Schutzumschlag, 152 Seiten, 18,00 Euro. ISBN 3-89812-345-6

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