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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 27. April 2017 | 18:55

     

    Ulrich C. Schreiber: Die Flucht der Ameisen

    29.05.2006

    Geokalyptische Vision

    Ein promovierter Geologe schreibt über seine Heimat und entwirft eine ungewöhnliche Naturkatastrophe in Deutschland, die sich zur europaweiten Geokalypse ausweitet: Ein Vulkanausbruch in Deutschland.

     

    Die ersten Ideen zu einem Roman entwickelte Ulrich C. Schreiber während seiner Assistenzzeit in Bonn: die Vorstellung eines möglichen Vulkanausbruchs in Deutschland. Unmöglich würden manche meinen, aber mit der Hohen Buche gibt es einen relativ jungen Vulkan in Deutschland. „Erst“ zwölftausend Jahre liegt der letzte Ausbruch zurück.

    In „Die Flucht der Ameisen“ entdeckt der Geologe Gerhard Böhm, dass hügelbauende Waldameisen bevorzugt auf Störungen in der Erdkruste siedeln. Denkbar ist, dass die Gase aus dem Untergrund eine Art Geo-Informationssystem für die Ameisen darstellen. Bei wiederholten Beobachtungen entdeckt Böhm Veränderungen im Verhalten der Ameisen. Es mehren sich die Hinweise auf vulkanische Aktivität, wie zunehmende Entgasung im Laacher-See, kleinere Beben und Schwefelablagerungen in der Nähe der Ameisennester. Überaus plötzlich bricht nach mehr als 10.000 Jahren wieder ein Vulkan aus. Der Lavastrom ergießt sich in den Rhein und errichtet eine natürliche Sperre. Bald darauf werden Mainz, Frankfurt sowie viele andere Städte oder Industriegebiete überflutet. Geologen und Ingenieure suchen fieberhaft nach Möglichkeiten das gestaute Wasser kontrolliert abfließen zu lassen.

    Originelles literarisches Szenario
    Ulrich C. Schreiber ist ein originelles literarisches Szenario gelungen, das zumindest für deutsche Verhältnisse Neuigkeitswert hat. Zunächst geht Schreiber dabei von wissenschaftlichen Erkenntnissen aus. Genau beschreibt er den Vulkanismus in der Eifel, vermittelt anschaulich die geologischen Verhältnisse und erklärt, welcher Forschungsbedarf noch besteht. Zu letzterem gehört die ungewöhnliche Häufung der Ameisenstandorte über Bruchzonen, die vermutlich bis in große Tiefen reichen und offen für Gase sein können. Die genauen Zusammenhänge sind wissenschaftlich noch nicht geklärt und hier fängt Schreiber an zu spekulieren. Er denkt alles zum Vulkanausbruch weiter. Langfristig mag das sogar wahrscheinlich sein. Doch angesiedelt im heutigen Deutschland entsteht die spannende Situation einer menschlichen und wirtschaftlichen Katastrophe. Die Zusammenhänge schildert der Autor nüchtern und sachlich. Dabei berücksichtigt er auch die Neigung der Menschen, Warnungen zu ignorieren. Was aber für die Wissenschaft gilt, nämlich Verständlichkeit und Objektivität, funktioniert nicht beim Umgang der Personen untereinander. Die Dialoge wirken hölzern. Dieser Fehler ist dem Autor nachzusehen, denn „Die Flucht der Ameisen“ ist ein kurzweiliger Wissenschaftsthriller und ein gelungenes Romandebüt.

    Ulrich Blode


    Ulrich C. Schreiber: Die Flucht der Ameisen. Eine geokalyptische Vision. Berlin: Shayol Verlag, 2006. Leinen mit Schutzumschlag. 360 Seiten. 24,90 Euro. ISBN 3-926126-54-X.

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