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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 21. August 2017 | 17:47

     

    Bernhard Keller: Spiel im Dunkeln

    12.09.2005

     
    Tappen im Dunkeln

    In seinem Roman "Spiel im Dunkeln" lässt Bernhard Keller das psychologische Potenzial seines Plots weitgehend ungenutzt und bietet einen nur mäßigen Spannungsbogen.

     

    München: Ein ca. 40-jähriger Mann hat vor einigen Monaten unbemerkt eine Stripteasetänzerin entführt und seitdem in einem Verließ unter der Münchner Radrennbahn im Olympiapark gefangen gehalten. Die Frau hat anscheinend keinerlei Fluchtversuche unternommen und offenbar in ein sexuelles Verhältnis eingewilligt. Wie jetzt bekannt wurde, hat der Mann kurze Zeit nach der Entführung auch Kontakt zur Mutter des Entführungsopfers aufgenommen und mit ihr ein Verhältnis begonnen. Die Polizei wurde nicht eingeschaltet. Über die Motive aller Beteiligten tappt man im Dunkeln.

    So könnte die zum geschilderten Geschehen zugehörige Zeitungsmeldung unter der Rubrik "Aus dem Polizeibericht" lauten. Wenn die Polizei in dieser sehr speziellen "Liebesgeschichte" eine Rolle gespielt hätte. Erstaunlicher Weise ist von ihr aber nicht die Rede. Niemand außer der Mutter Rosa scheint das Opfer Nora, immerhin eine beliebte Nachtclubtänzerin, zu vermissen. Sie hat allerdings just am Tag der Entführung ihre 'Karriere' beendet und insofern wird sie an ihrem Arbeitsplatz nicht fehlen. Und auch die Mutter ist schneller über den Verlust der Tochter hinweggetröstet, als der Entführer Lennart gedacht hätte.

    Oberflächliche Motive

    Den Motiven der Hauptfiguren für ihr Handeln und für ihre Reaktionen auf das Geschehen zu folgen, fällt nicht leicht. Das Erleben bleibt an der Oberfläche, Verweise auf die Schönheit der Frauen und Lennarts Wunsch, gerade die lange verehrte Tänzerin besitzen zu wollen, sind kaum ausreichend. Wie und warum aus dem Verehrer der Tänzerin ein Entführer geworden ist, ist nicht wirklich nachvollziehbar. Gelegentliche Andeutungen Lennarts, schon als Kind den Wunsch gehabt zu haben, ein Mädchen zu entführen und einzusperren, und sich nun quasi einen Kindheitswunsch zu erfüllen, bleiben zusammenhangslos, isoliert, reichen nicht aus - es sei denn, man ist der Ansicht, in jedem normalen Menschen stecke ein potentieller Entführer. Der Roman hätte mit seiner Dreiecksgeschichte in dieser Konstellation hier durchaus mehr Potential.

    Darüber hinaus erweist sich auch der erzählerische Kunstgriff nicht als Stärke: Der Roman versucht sich in einer die erzählten Zeiten verschachtelnden Erzählweise, doch auch das macht ihn nicht wirklich dramatischer. Eher im Gegenteil: Die erwartete Entführung und die damit verbundene Dramatisierung verschiebt sich so bis ins letzte Drittel des Romans. Zu lange dauert die Erzählung hin auf die Entführung, die Spannung flaut ab, und am Ende bleibt dem Kernmotiv der Geschichte ihr nicht mehr genügend Raum, sich zu entfalten.

    Olaf Selg


    Bernhard Keller: Spiel im Dunkeln.
    Roman.
    Collection S. Fischer. 2005.
    Geb. 286 S. 15,00 ¤.
    ISBN 3-10-049515-2

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