TITEL kulturmagazin
Sonntag, 26. März 2017 | 00:29

Gedanken zum Literaturnobelpreis 2012

12.10.2012

Rückenwind für Minderheiten

In der Vergangenheit gab es schon reichliche Überraschungen durch die Stockholmer Akademie. Und die ein oder andere fragwürdige Entscheidung war ganz sicher auch dabei. Preisträger wie JMG Le Clézio, Harold Pinter oder Dario Fo waren in jüngerer Vergangenheit Sensationen, auch die Ehrungen der letzten deutschsprachigen Preisträgerinnen Herta Müller und Elfriede Jelinek hatte im Vorfeld niemand »auf der Rechnung«. Nun also der Chinese Mo Yan.

 

Ein Kommentar von PETER MOHR

 

Er gehörte nicht zum hoch gehandelten Kreis der Favoriten, und ich gestehe, dass ich von diesem Autor noch keine Zeile gelesen habe und mir sein Name bis gestern kurz nach 13 Uhr völlig unbekannt war. Insofern ist sich die Jury gegenüber 2011 also treu geblieben. Auch der letztjährige Preisträger, der schwedische Lokalmatador Tomas Tranströmer, war nur absoluten Insidern ein Begriff.

 

In diesem Zusammenhang wirft sich tatsächlich die Frage über die Kriterien zur Vergabe der bedeutendsten  Auszeichnung der literarischen Welt auf. Soll nicht ein Autor(in) von Weltrang für sein herausragendes Lebenswerk geehrt werden? Oder hat sich die betagte Stockholmer Juroren-Gilde neuerdings auf die Fahnen geschrieben, vernachlässigte Autoren auf der Weltbühne zu installieren und Rückenwind für Minderheiten zu entfachen?

 

Auf jeden Fall hat das Komitee hartnäckig dem internationalen Erwartungsdruck widerstanden und keinen amerikanischen Autor ausgezeichnet. Vor 19 Jahren ist dies zum letzten Mal geschehen, als Toni Morrison die Ehre zuteil wurde. Zwölf Jahre nach Gao Xingjian geht der Preis stattdessen wieder nach China – offensichtlich befindet sich das Reich der Mitte auch in der Literatur auf dem Weg zur Weltmacht. Aber ob jemand aus der Jury Mo Yan im Original gelesen hat? Vielleicht doch kein literarisches Votum? Sondern ein politischer Fingerzeig nach Peking. Man wüsste wirklich gern, was in den Köpfen der Juroren vorgeht.

 

Werden die wieder einmal unberücksichtigten und immer älter werdenden Amerikaner Philip Roth, Don DeLillo und Thomas Pynchon überhaupt noch einmal Berücksichtigung finden? Was ist 2013 mit den großen europäischen Romanciers Antonio Lobo Antunes, Péter Nádas, Javier Marías oder Milan Kundera? In zwölf Monaten darf zunächst wieder spekuliert und wahrscheinlich nach der Bekanntgabe ebenso kräftig lamentiert werden. Wetten dass?

 

 

 

Foto: Johannes Kolfhaus, Gymn. Marienthal

Tage, Tage, Jahre

Staunen, entdecken, querlesen, umblättern, abreißen – Literaturkalender begleiten uns verlässlich durchs Jahr, versorgen uns häppchenweise und gut dosiert mit ungeahnten ...

Seitenhiebe

Auf ihrem nächtlichen Heimweg werden Anne und René Winkler (Natascha Paulick, Stefan Kurt) von drei jungen Männern attackiert und brutal zusammengeschlagen. Die Polizisten Phillip ...

Gerd Sonntag und ein Hühnerglucksen zum Abschluss

Giovanni Santi malt eine Fliege – Lyrik von Ger Sonntag.

Von STEFAN HEUER

Mr. Charms ist nicht zu fassen!

Der verführerischen Absurdität von Charms' gesammelten Werken, die dankenswerterweise vom Galiani Verlag nun vollständig herausgegeben wurden, kann man sich nur schwer ...

Die Jugend endet auf dem Campingplatz

Wie wird man erwachsen, in einer Zeit, der die großen Ideen fehlen? Wo sich das Leben gleichförmig von einem Tag zum anderen zieht und das Entwerfen ...

Die böse Schlange
und das weiße Kaninchen

In diesem Land stimmt etwas nicht. Der Feminismus nämlich. Schwach steht er da, der Wind pfeift durch die Löcher seines theoretischen Unterbaus. Ähnlich steht es mit den Frauen. ...

Vom großen Lama aus der Regent`s Park Road

Tristram Hunt widmet dem Schatten von Karl Marx, der selbst ernannten »zweiten Violine« des Marxismus, dem Industriellenerben Friedrich Engels eine ...

Wer will fleißige Handwerker sehn

Der Künstler und ehemalige Hartz IV-Empfänger Van Bo Le-Mentzel hat zusammen mit seiner Crowd ein DIY-Forum geschaffen und mittels Schwarmfinanzierung auch gleich ein Buch drucken lassen. ...

Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter