Verrückt wie das ganze Land
Schattenstill wirft einen Blick hinter die Kulissen der Krise, die das irische Wirtschaftswunder 2008 mit einem Schlag beendete, dorthin, wo das Schicksal des Einzelnen auf dem Spiel steht. Die Zeit des Aufschwungs hatte die Menschen unvorsichtig werden lassen. Billige Kredite waren leicht zu haben. Und es schien, als würde das funktionieren bis in alle Ewigkeit. Doch dann gingen sie plötzlich pleite, die Baufirmen, die die Fertig-Paradiese für den prosperierenden Mittelstand innerhalb kürzester Zeit hingeklotzt hatten. Zurück blieben Ruinensiedlungen, von Menschen bewohnt, die ihre Arbeit verloren hatten und die Raten nicht mehr zahlen konnten. Und die Gläubigerbanken versuchten, selbst daraus noch ein lukratives Geschäft zu machen, indem man die immensen Verluste trickreich auf andere abwälzte.
Die Spains sind so ein Paar, das nach und nach die Bodenhaftung verliert. Mit ihrem Umzug wollten sie sich den Traum vom großen Glück erfüllen. Doch sie landeten mitten im Herzen einer Finsternis ohne Ausweg. Einmal hineingeraten in den fatalen Abwärtstrend, der ein ganzes Land ergriffen hatte, schlitterten sie unaufhaltsam auf die Katastrophe zu.
Mit seiner großartigen Kombination der Verzweiflung einer aus allem Glück herausfallenden Familie mit der Natur eines langsam verfallenden Ortes und den Seelennöten zweier Polizisten, die viel zu dicht an den Fall herangeraten, um noch objektiv und kaltherzig ermitteln zu können, ist Schattenstill bereits heute für mich der Thriller des Jahres.