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    Montag, 24. April 2017 | 23:05

    Zum 100. Geburtstag des Schriftstellers Jorge Amado am 10. August

    10.08.2012

    Brasilianischer Balzac

     »Wer Jorge Amado nicht kennt, der kennt Brasilien nicht«, hatte ein einfacher Taxifahrer Amados deutschem Übersetzer Curt Meyer-Clason in den 1990er Jahren erklärt. Amados Popularität auch in den unteren sozialen Schichten hat einen triftigen Grund: In seinen über 30 Büchern (zumeist Romane, Novellen und Erzählungen) trat der Autor immer als vehementer Anwalt der Schwachen auf. Anna Seghers bezeichnete ihn als »brasilianischen Balzac«. Von PETER MOHR

     

    Jorge Amado, der am 10. August 1912 als Sohn eines Kakaoplantagenbesitzers im brasilianischen Bundesstaat Bahia im Nordosten des Landes geboren wurde, war als Jugendlicher aus einem Jesuitenkloster ausgerissen und verdiente später seinen Lebensunterhalt und das nötige Geld für ein Studium der Rechtswissenschaften als Journalist.

     

    Als Sympathisant und späteres Mitglied der kommunistischen Partei wurde er mehrfach inhaftiert. Insgesamt acht Jahre verbrachte Amado an verschiedenen Exilorten: In Buenos Aires, Prag und Paris, wo er außer mit Anna Seghers auch mit Jean Paul Sartre und Bertolt Brecht Freundschaft schloss. Erst 1956, als die Verbrechen Stalins einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht wurden, sagte sich Amado vom Kommunismus sowjetischer Prägung los. Geblieben ist sein literarisches Engagement für die sozial Benachteiligten. Auch durch das große Geld, das er etwa durch die Verfilmung von Gabriela wie Zimt und Nelken (1962) verdiente, vergaß er nie seine Herkunft.

    Nach eigenem Bekenntnis gehörte der brasilianische Autor in seiner literarischen Anfangszeit zu den Schnellschreibern. Gewonnene Eindrücke mussten stets rasch zu Papier gebracht werden. Den Toten See hat Amado 1936 binnen vierzehn Tagen niedergeschrieben. »Nachts schrieb ich bis zum Morgengrauen, ich schrieb rasch, überarbeitete wenig, anders als heute«, bekannte Amado 1989 in einem Interview.

     

    Thematisch wiederholen sich die Motive in seinen Werken: Ein großer Teil befasst sich mit dem beschwerlichen Alltag der Arbeiter auf den riesigen Kakaoplantagen; das zweite große Sujet ist seine Heimatstadt Salvador de Bahia. Seinen letzten großen Erfolg feierte Jorge Amado mit dem 1988 erschienenen Roman Das Verschwinden der Heiligen, von dem in den ersten beiden Wochen nach Erscheinen  bereits über 100 000 Exemplare verkauft wurden.

     

    »Ich habe in meinem ganzen Leben, das ganz dem Kampf gegen Vorurteile, vor allem gegen Rassenvorurteile, dem schlimmsten von allen, gewidmet war, gelernt, dass es nur ein Mittel gibt, mit dem Rassismus Schluss zu machen: die Vermischung der Rassen«, erklärte Amado, der als seine literarischen Vorbilder Charles Dickens, Leo Tolstoj und Emile Zola bezeichnet hat.

     

    Pünktlich zum 100. Geburtstag des bedeutendsten brasilianischen Schriftstellers hat der S. Fischer Verlag den Roman Die Werkstatt der Wunder in neuer Übersetzung vorgelegt. Eines der ganz typischen Amado-Bücher, denn es ist einerseits eine wahre Hymne auf seine Heimatstadt Salvador de Bahia, und andererseits kann die Figur des Protagonisten Archanjo, jenes leicht exotischen Ethnologen, auch als stilisiertes Selbstbildnis des Autors interpretiert werden.

     

    Man kann (vor allem bei vielen Frühwerken) gegen Amados übertrieben politisch-pädagogischen Eifer berechtigte Einwände erheben, doch die Brillanz seiner Sprache entschädigt: die Farbenfreude, die Lust an der Metaphorik, der schmale Grat zwischen knallhartem Realismus und beinahe lyrischer Detailverliebtheit.

    Am 6. August 2001 ist Amado, dessen Bücher in mehr als 40 Sprachen übersetzt wurden und der immer wieder auch als Kandidat für den Literaturnobelpreis gehandelt worden war, in seiner Heimatstadt Salvador de Bahia vier Tage vor seinem 89. Geburtstag an einem Herzinfarkt gestorben.

     

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