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    Neuer Roman zum 70. Geburtstag der Schriftstellerin Isabel Allende am 2. August

    02.08.2012

    Rettung auf der kleinen Insel

    »Ich wollte den Roman als Detektivgeschichte anlegen«, erklärte Isabel Allende über ihren neuen Roman Mayas Tagebuch und fügte ergänzend an: »Vielleicht habe ich dabei an meinen Ehemann William Gordon gedacht, der Detektivromane schreibt.« Von PETER MOHR

     

    Um es gleich vorwegzunehmen: Mayas Tagebuch ist alles andere als eine Detektivgeschichte, und dennoch unterscheidet es sich gewaltig von den letzten Allende-Büchern, die zumeist um historische Figuren kreisten. Im Zentrum steht diesmal die 19-jährige Maya Vidal, die nach einer wohlbehüteten Kindheit und Jugend bei ihren Großeltern durch den Tod des Großvaters auf die schiefe Bahn gerät. Alkohol, Drogen und Prostitution führen sie ins kriminelle Milieu von Las Vegas, und irgendwann wird das Mädchen sowohl von der Polizei als auch von kriminellen Gangs gejagt.

     

    Ihre chilenische Großmutter kommt dann wie ein rettender Engel daher. Mit deren Hilfe gelingt es Maya, auf einer kleinen chilenischen Insel unterzutauchen. Nicht nur einige Tausend Kilometer von ihrer Heimat, sondern auch Lichtjahre von der modernen Zivilisation entfernt. Maya führt auf dem kleinen Archipel ein beinahe archaisches Leben, abseits von Internet und Mobiltelefonen. Ihre Flucht aus der lasterhaften Sphäre der grell-bunten, ständig pulsierenden Metropole Las Vegas in die Einöde der Insel wirkt wie eine symbolische Arreststrafe, eine Zwangsberuhigung und radikale Entschleunigung des Lebens im Jahr 2009. Das ist spannend erzählt und mit großem dramaturgischen Geschick konstruiert, doch Isabel Allendes erhobener, moralisierender Zeigefinger thront allzu dominant über der gesamten Geschichte.

     

    Manchmal ist es mehr Fluch als Segen, wenn einem Schriftsteller mit dem Debütwerk gleich ein ganz großer Wurf gelingt. Günter Grass machte diese Erfahrung, weil er über lange Zeit stets an der Blechtrommel gemessen wurde. Nicht anders erging es Isabel Allende, die mit ihrem Erstling Das Geisterhaus (1982) auch gleich einen Weltbestseller landete. Die über einen Zeitraum von rund 50 Jahren angesiedelte, mit autobiografischen Elementen versehene chilenische Familiensaga um den Protagonisten Esteban Trueba reicht bis in die politisch turbulenten 70er Jahre, als die Militärs unter Pinochets Führung putschten und Staatspräsident Salvador Allende (ein Onkel der Autorin) unter nie restlos geklärten Umständen ums Leben kam.

     

    Allendes Erfolgsroman Das Geisterhaus war aus einem selbstreflexiven Brief entstanden, den die Autorin 1981 nach dem Tod ihres Großvaters verfasst hatte. Als Bille August 1993 den Roman mit Starbesetzung (Jeremy Irons, Meryl Streep, Winona Ryder, Glenn Close, Antonio Banderas, Vanessa Redgrave und Armin Müller-Stahl) kongenial verfilmte, schnellten die Verkaufszahlen des Buches noch einmal in die Höhe. Weltweit sind knapp 40 Millionen Exemplare von Isabel Allendes Büchern verkauft worden – allein 7 Millionen im deutschsprachigen Raum.

     

    Isabel Allende, die am 2. August 1942 in Peru als Tochter eines chilenischen Diplomaten geboren wurde, verbrachte Kindheit und Jugend an wechselnden Orten Lateinamerikas, nachdem sich ihre Eltern 1946 getrennt hatten. Von ihrem 18. Lebensjahr an arbeitete sie als Journalistin für verschiedene Zeitungen, später moderierte sie eine wöchentliche Fernsehsendung und avancierte  Mitte der 1960er Jahre zu einer der Leitfiguren der lateinamerikanischen Frauenbewegung. Erst in den frühen 1970er Jahren folgten zaghafte literarische Gehversuche mit wenig erfolgreichen Theaterstücken.

     

    Nach Erscheinen des Geisterhauses hat sich Isabel Allendes Leben schlagartig verändert. Sie machte ausgedehnte Lesereisen, genoss den frisch gewonnenen Ruhm und die finanzielle Unabhängigkeit in vollen Zügen. Und die Geschichtenjägerin (wie sie sich einmal selbst nannte) schrieb - angespornt durch den Erfolg ihres Debütwerks - wie besessen weiter. Ihre Nachfolgeromane Von Liebe und Schatten, Eva Luna, und Der unendliche Plan wurden zwar auch zu Bestsellern, aber von der Literaturkritik eher zurückhaltend aufgenommen.

     

    Isabel Allendes dichterische Phantasie scheint nie zu versiegen, doch stilistisch - vor allem was die Zeichnung der Figuren angeht - hat sie nicht mehr an die Brillanz ihres Erstlings anknüpfen können. Mit der für sie typischen Mischung aus schicksalhaften Lebenswegen, starken Frauenfiguren und einer gehörigen Portion erzählerischer Exotik hat Allende auch mit ihren späteren Romanen (Fortunas Tochter, Portrait in Sepia, Die Stadt der wilden Götter, Im Reich des Goldenen Drachen, Im Bann der Masken und Ines meines Herzens) weltweit ein großes Publikum erreicht.

     

    Mit einem völlig andersgearteten Buch kam die Erfolgsautorin noch einmal nahe an die literarische Meisterschaft des Geisterhauses heran – mit dem autobiografischen Bekenntnisbuch Paula (1995), in dem Allende auf beklemmende Art und Weise das Schicksal ihrer gleichnamigen Tochter aufarbeitet, die 1992 an der unheilbaren Stoffwechselkrankheit der Porphyrie gestorben war.

     

    Manchmal wirkt Isabel Allende bei ihren öffentlichen Auftritten selbst wie eine exotische Figur aus ihren Romanen. Und man darf gespannt sein, ob am 8. Januar des nächsten Jahres etwas Außergewöhnliches passiert. Am Todestag ihres Großvaters pflegt sie stets, ihre neuen Romane zu beginnen.

     

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