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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 24. April 2017 | 22:59

    Anne Goldmann: Triangel

    23.07.2012

    Alles Schreckliche kommt aus dem Nichts

    Mit ihrem Krimidebüt Das Leben ist schmutzig hat Anne Goldmann 2011 nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht. Man durfte gespannt sein, wie die Autorin mit all den Vorschusslorbeeren umgehen würde, die sie für dieses intensive Drama um die Bewohner eines Wiener Vorstadthauses einheimste. Nun ist Triangel erschienen, Goldmanns neues Buch – eine Art Kammerspiel und packend von der ersten Seite an. Von DIETMAR JACOBSEN

     

    Sie alle suchen nur ihr Glück. Regina Aigner, die Justizbeamtin, ihr Kollege Paul Marek und Hassler, der Frauenmörder, der nach 18 Jahren aus dem Gefängnis freikommt. Für Regina ist es ein Häuschen mit Garten vor der Stadt, das sie zu ihrem ganz privaten Paradies machen möchte. Paul glaubt, aus seiner letzten Beziehung gelernt und sich nun völlig im Griff zu haben, wenn er um die Kollegin zu werben beginnt. Und der Doppelmörder Hassler hat sich noch im Gefängnis eine bürgerliche Existenz zugelegt, indem er eine Ehe eingegangen ist mit einer fremden Frau, die ihm als Wall dienen soll gegen das Unbeherrschbare in seinem Wesen.

     

    Drei Menschen – drei verzweifelte Anläufe, das Leben in den Griff zu bekommen und ihm einen Sinn abzuringen. Drei Geschichten, die zusammen eine vierte ergeben, die Anne Goldmanns neuer Roman erzählt.

     

    Glückssucher auf der Baustelle »Leben«

    Es ist, wenn das nach nur zwei Büchern schon erlaubt ist zu sagen, ein typisches Anne-Goldmann-Szenarium, welches Triangel entwickelt. Vom Leben gebeutelte Menschen auf der Suche nach sich selbst und jenem kleinen Stückchen Zufriedenheit, auf das sie Anspruch zu haben glauben. Vielfach Enttäuschte, die sich an jeden Hoffnungsschimmer klammern und prompt die nächste Falle übersehen. Figuren, die aus ihren Rollen nicht herausfinden, so eifrig sie sich darum bemühen.

     

    Deshalb ist es nur folgerichtig, wenn das Verhängnis auch diesmal seinen Lauf nimmt. Denn natürlich kommt Paul Marek in seiner neuen Beziehung wieder an den Punkt, wo das, was er für fürsorgliche Liebe hält, in Eifersucht umschlägt und sich langsam mit Hass auflädt. Und dass die Ehe zwischen dem Gewaltverbrecher Hassler und der Frau, die er im Internet kennengelernt und schnell geheiratet hat, auf keinem wirklich menschlichen Fundament ruht, ist schon nach wenigen Tagen des Zusammenseins der beiden miteinander klar. Bleibt noch Regina und mit ihr die sympathischste aller drei Figuren, jene auch, der die Autorin, die selbst in einer Justizanstalt gearbeitet hat und aktuell Straffällige nach der Haft betreut, wohl das meiste von sich selbst mitgab. Aber auch sie übersieht die Hände, die sich ihr helfend entgegenstrecken und macht Fehler, die sie fast die Existenz kosten.

     

    Eine Sprache mit Sog

    Triangel entwickelt den Sog, den es auf seine Leser ausübt, nicht zuletzt dank der Sprachkunst seiner Autorin. Mit ihr nimmt Anne Goldmann uns mit ins Innere ihrer Figuren, macht uns aus drei Perspektiven zu Teilnehmern an kleinen Freuden, großen Ängsten und verzweifelten Irrtümern. Vor allem aber taucht der Leser ein in eine fast unerträgliche Einsamkeit – an einer Stelle verdeutlicht durch eine Christoph-Hein-Hommage, die sich in dieses Buch einfügt, als wäre sie speziell dafür geschrieben.

     

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