• losttorrent
  • richtorrent
  • pushtorrent
  • Titel-Magazin
    TITEL kulturmagazin
    Montag, 24. Juli 2017 | 08:51

    Javier Marías: Die sterblich Verliebten

    28.05.2012

    Wieso? Weshalb? Warum? - Ein philosophischer Krimi

    In den 90ern war Mein Herz so weiß ein Weltbestseller, Kritiker und Leser liebten Marías Buch und verschlangen es förmlich. Doch kurze Zeit später wurde es still um den spanischen Autor. Nun versucht er mit Die sterblich Verliebten an seinen damaligen Erfolg anzuknüpfen. Mit Erfolg?

    Von TANJA LINDAUER

     

    Luisa und Miguel scheinen ein glückliches Paar zu sein. Jeden Morgen frühstücken sie ein einem Madrider Café, bevor sie ihr Tagewerk verrichten gehen. Für María, die Erzählerin der Geschichte, sind sie das perfekte Paar. Er ist deutlich älter als sie, ein wahrer Gentleman und sehr kultiviert. Sie ist eher lebhaft und hat ihren jugendlichen Charme behalten. Nur zu gerne beobachtet die Erzählerin das Paar beim Frühstücken und malt sich aus, wie ihr Leben aussieht. Sie müssen wirklich glücklich und verliebt sein, ganz anders als María.

     

    Die Arbeit in ihrem Verlag macht auch nicht wirklich Spaß und die eingebildeten Autoren verlangen manchmal viel von ihr ab. Ihr einziger Lichtblick ist das morgendliche Frühstücksritual der beiden Liebenden, dem sie als heimliche Voyeurin beiwohnt. Doch eines Tages wird das Glück des perfekten Paares jäh beendet: Miguel wird auf brutalste Weise ermordet. An seinem 50. Geburtstag wird er von einem Obdachlosen überwältig und erliegt noch vor Ort den 16 Stichverletzungen.

     

    Wie konnte das bloß geschehen? Wie kann das Glück so perfide zerstört werden? Immerhin hatte sich doch auch María in diesen wenigen Minuten des Glückes gesuhlt? Als die Witwe erneut in das Café kommt, fasst sich María ein Herz und spricht Luisa zum ersten Mal an.

     

    Die Zeit ist dehnbar

    Javier Marías versteht es, die Erzählung raffiniert und spannend aufzubauen. So wird María zu einem Spielball in einer Geschichte aus tiefen Abgründen und Intrigen, in die sie sich immer weiter verstrickt. María lernt den besten Freund des Ermordeten, Javier, bei einem Besuch bei Luisa kennen und verliebt sich in ihn. Natürlich landen sie auch bald schon im Bett und sie beginnt eine Affäre mit ihm. Sie lässt sich auf ihn ein, obwohl sie weiß, dass sie niemals sein Herz erobern wird, denn er liebt eine andere: keine Geringere als die Witwe Luisa. Und so langsam schleichen sich Zweifel in María ein. Als sie auch noch ein Gespräch zwischen Javier und einem Freund belauscht, ahnt sie, was es mit dem Mord wirklich auf sich haben könnte.

     

    Zugegeben, Javier Marías' Schreibstil kann mitunter etwas ermüdend sein und die seitenlangen Monologe quälen den Leser ebenso, wie die Gedanken die Figuren selbst quälen. Doch auch hier liegt wiederum der Reiz: Der Leser bleibt ebenso im Ungewissen wie María über ihren Liebhaber. Die Zweifel werden immer stärker, sie wägt ab und der Abgrund vor ihr klafft immer weiter auseinander. Auf was hat sie sich bloß eingelassen? Und so sät auch der Autor gezielt Zweifel und lässt den Leser wie seine Erzählerin im Dunklen tappen. Der Leser wird förmlich gezwungen, sich mit den Möglichkeiten auseinanderzusetzen. Nichts ist, wie es scheint und aus einer vermeintlichen Liebesgeschichte wird zum Schluss ein spannendes Verwirrspiel. Ein philosophischer Krimi, der viel von seinen Lesern abverlangt. Keine leichte Kost, aber dennoch äußerst schmackhaft, wenngleich mit einem etwas bitteren Nachgeschmack, von der manchmal etwas zu geschwätzigen Erzählerin María.

     

    | kommentar schreiben

    Name:
    Kommentar:

    Tage, Tage, Jahre

    Staunen, entdecken, querlesen, umblättern, abreißen – Literaturkalender begleiten uns verlässlich durchs Jahr, versorgen uns häppchenweise und gut dosiert mit ungeahnten ...

    Seitenhiebe

    Auf ihrem nächtlichen Heimweg werden Anne und René Winkler (Natascha Paulick, Stefan Kurt) von drei jungen Männern attackiert und brutal zusammengeschlagen. Die Polizisten Phillip ...

    Gerd Sonntag und ein Hühnerglucksen zum Abschluss

    Giovanni Santi malt eine Fliege – Lyrik von Ger Sonntag.

    Von STEFAN HEUER

    Mr. Charms ist nicht zu fassen!

    Der verführerischen Absurdität von Charms' gesammelten Werken, die dankenswerterweise vom Galiani Verlag nun vollständig herausgegeben wurden, kann man sich nur schwer ...

    Die Jugend endet auf dem Campingplatz

    Wie wird man erwachsen, in einer Zeit, der die großen Ideen fehlen? Wo sich das Leben gleichförmig von einem Tag zum anderen zieht und das Entwerfen ...

    Die böse Schlange
    und das weiße Kaninchen

    In diesem Land stimmt etwas nicht. Der Feminismus nämlich. Schwach steht er da, der Wind pfeift durch die Löcher seines theoretischen Unterbaus. Ähnlich steht es mit den Frauen. ...

    Vom großen Lama aus der Regent`s Park Road

    Tristram Hunt widmet dem Schatten von Karl Marx, der selbst ernannten »zweiten Violine« des Marxismus, dem Industriellenerben Friedrich Engels eine ...

    Wer will fleißige Handwerker sehn

    Der Künstler und ehemalige Hartz IV-Empfänger Van Bo Le-Mentzel hat zusammen mit seiner Crowd ein DIY-Forum geschaffen und mittels Schwarmfinanzierung auch gleich ein Buch drucken lassen. ...

    Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

    Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

    NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter