TITEL kulturmagazin
Montag, 27. März 2017 | 20:30

Rudolf Lorenzen: die hustenmary

23.04.2012

Rudi und die Hustenmary

Lorenzens randbemerkungen zum und aus dem berliner milljöh – Rudi und die Hustenmary.

Von CRAUSS

 

Walter Kempowski und Jörg Fauser bezeichneten Rudolf Lorenzen als vorbild – ich bin einfach froh, seine berliner momente entdeckt zu haben. die hustenmary besteht aus vierzehn feuilleton-artikeln, die meisten von ihnen in den 1960er und 70er jahren im magazin berliner leben erschienen und eindeutig in einer sprache verfasst, die man heutzutage vergeblich in den tages-, wochen- und monatsblättern sucht: eloquent, dabei gelassen, beinahe gemächlich, manchmal aber durchaus im report-stil eines Max H. Rehbein. aber den kennt ja heute leider auch niemand mehr…


der verbrecher verlag leistet sich und uns seit 2006 eine wiederauflage der werke des 1922 geborenen filmers, funkers und schriftstellers Rudolf Lorenzen: romane, erzählungen, reportagen. die bücher haben eine schön übersichtliche vita, manchmal bilder, vor allem aber zeugen sie von der liebe Lorenzens zu randständigen figuren. die hustenmary beispielsweise hustet längst nicht mehr: sie hat das rauchen aufgegeben, das klimpern mit den wimpern aber noch nicht. im o-ton dokumentiert Lorenzen zu ihrem siebzigsten geburtstag, was die wilmersdorfer prostituierte erzählt.


das buch mit seinen gebrauchstexten über berliner postämter und die eisbahn im europa-center ist vielleicht nicht die entdeckung des jahres, manche der aufsätze sind auf eine gute, nämlich: kaum angestaubte art nostalgisch (»ging man mal harmlos spazieren, gleich schon war man unfreiwillig statist in irgend einem film«); die personen, über die sich der autor unterhält, sind oft nur noch eingeweihten bekannt, nichtsdestotrotz dienen sie hervorrragend als schablone für typen, die es auch heute unverändert gibt.


vor allem aber – und nochmals: hustenmary ist in einem einfachen, gerade deshalb so guten deutsch geschrieben. jeder der allzu zahlreichen zeitungs- und lokalteil-langweiler – nicht nur die hilflos sich im satzbausteinkasten vergreifenden praktikantinnen, sondern durchaus auch langjährige redakteure – sollten sich Lorenzens buch als erst- und weiterbildung selbst verschreiben.

 

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