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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 24. April 2017 | 23:03

    Daniel Glattauer: Ewig Dein

    16.04.2012

    Licht und Schatten verstehen

    Seine E-Mail-Romane erreichten Millionenumsätze und wurden in 37 Sprachen übersetzt. Lange haben die Leser auf den nachfolgenden Coup gewartet. Doch statt einer erneuten Liebesromanze – wie sie Ewig Dein vorgaukeln könnte – wartet Daniel Glattauer mit einem Psychodrama auf. Von INGEBORG JAISER

     

    Entscheidende Szenen dieses neuen Romans spielen sich zwischen Licht und Schatten ab: in schummrig beleuchteten Lokalen, im Schein von Partykerzen, unter Jugendstillustern, im »warmen Blitzlichtgewitter« männlicher Augen, im matten Schimmer von Bürolampen. Kein Wunder, dass die Protagonistin Judith – Mitte 30, Single, attraktiv, mit naturblondem Haar und einem Faible für farbenfrohe Klamotten – ausgerechnet ein Lampengeschäft im Wiener 15. Bezirk führt, ein von den Eltern übernommenes, die sich »einvernehmlich« getrennt haben. Nur der schwermütige Bruder Ali flüchtet vor allzu viel Licht in die Dunkelkammern seines brotlosen Fotografenjobs.

     

    Kollision vor der Käsetheke

    Locker plätschert Judiths Leben dahin, mit Essenseinladungen im Freundeskreis (bei leichten Desserts nach Jamie Oliver verschwört man sich gegen die globale Erwärmung und die Armut in Afrika) und täglichen Plaudereien mit der herrlich dumpfbackigen Auszubildenden Bianca (»Frau Cheeeefin, das ist ja volle geil«). Da kommt es im vorösterlichen Einkaufsstress vor der Käsetheke im Merkur zu einer folgenschweren Kollision mit Hannes Bergtaler: ein Bär von einem Mann, 42, Architekt, alleinstehend, gutaussehend und so was von lieb, dass erst Judiths Herz schmilzt – und dann in schneller Folge Freundeskreis und Familie okkupiert werden.

     

    Hannes brilliert als aufmerksamer Zuhörer und warmherziger Freund, tendiert zu großzügigen Geschenken und umfassender Vernetzung. Doch hinter Judiths ungläubigem Erstaunen, endlich das große Los gezogen zu haben, lauern wachsende Zweifel. Verläuft diese Annäherung nicht etwas zu schnell, zu heftig, zu übergriffig? Judiths Mutter wittert bereits einen gepflegten Schwiegersohn in spe, Bruder Ali einen generösen Auftraggeber und die Freunde einen sportiven Tennispartner. Nur Judith fühlt sich überfordert angesichts so viel demonstrativ vorgeführter einnehmender Liebe, die erst ein geschenkter Ring, dann eine gemeinsame Venedig-Reise festzurren soll.

     

    Wie viel Liebe lässt sich ertragen?

    Dem frühlingshaften Aufschwung folgt ein glutheißer Wiener Sommer und ein dunstiger Herbst. Judiths verzweifelte Versuche, etwas auf Abstand zu gehen, erhöhen Hannes´ vehementen Druck. Längst ist die klebrige Anhänglichkeit lästig geworden, wenn nicht sogar beängstigend. Judith leidet unter Schlaf- und Appetitlosigkeit, hört Stimmen, halluziniert, fühlt sich verfolgt. Kurz vor Allerheiligen landet sie in der Psychiatrie. Diagnose: akute schizophrene Psychose. Als sich Hannes als verständnisvoller Freund einzuschleichen versucht, dreht sie vollends durch.

    Was als harmlose Liebesgeschichte beginnt, endet im blanken Horrortrip. Der österreichische Autor Daniel Glattauer, der lange Zeit als Journalist und Prozessberichterstatter gearbeitet hat, weiß sehr wohl, was Stalking anrichten kann. Seinen neuen Roman bringt er mit köstlichem Wortwitz, herrlichem Doppelsinn und einer leichten Brise Zeitgeist in Schwung, um ihn dann bitterböse kippen zu lassen. Die ersten 100 Seiten würden glatt zu einer arglosen Fortsetzungsgeschichte in einer Frauenzeitschrift taugen – der Rest schreit eher nach einer Verfilmung als Thriller. Arglose Leser mit ausufernder Fantasie ahnen gar noch Schrecklicheres. Doch stets hält feine Ironie und ein liebevoll gezeichnetes Personal das schier Unfassbare in Schach.

     

    Lektüre für einen Nachmittag

    Wie wird man seinen Schatten wieder los? Indem man ihn hinters Licht führt! Pünktlich zu Weihnachten ist Judith – dank der tatkräftigen Unterstützung unerschrockener Freunde, der forschen Auszubildenden Bianca und deren undercover ermittelndem Freund Basti – wieder eine freie Frau. Locker umspannt diese Story ein ganzes Kirchenjahr samt liturgischen Festen. Für die spannende Lektüre reicht indes ein einziger ruhiger Nachmittag. Aber lassen Sie Vorsicht walten! Mir wurde nachgesagt, während des Lesens unentwegt zu murmeln und zu summen. Wie sang einst Daliah Lavi: »Willst Du mit mir gehen, Licht und Schatten verstehen…«

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