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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 24. Juli 2017 | 08:50

    Kathrin Gerlof: Lokale Erschütterung

    05.03.2012

    Was mache ich jetzt?

    Im Leben der Grabowskis ist so ziemlich alles aus den Fugen geraten. Sie sind Mitte 40, haben sich auseinandergelebt und etliche Jahre nach dem Mauerfall das eigene Leben noch nicht neu geordnet. Das Ehepaar Veronika und Hanns steht im Mittelpunkt des dritten Romans der ehemaligen Journalistin und PDS-Pressesprecherin Kathrin Gerlof. Die 49-jährige Autorin hat ihre »Wendeverlierer«-Story so effektvoll und pointiert inszeniert, dass man sich schon jetzt die Handlung in bewegten Fernsehfilmbildern vorstellen kann. Von PETER MOHR

     

    Marketingspezialistin Veronika wird von Zeit zu Zeit von einer vorehelichen Traumatisierung heimgesucht. Als junges Mädchen war sie schwanger geworden und hat das Kind zur Adoption freigegeben. Später erlitt sie eine Fehlgeburt, ihr Kinderwunsch ging nicht mehr in Erfüllung.

     

    Ehemann Hanns ist auf andere Weise vom Leben gezeichnet. Der einst angesehene Journalist hat seinen Job verloren, verbitterte und radikalisierte sich in der Zeit der Arbeitslosigkeit. Auch das eheliche Klima litt nicht unbeträchtlich unter Hanns beruflicher Krise.

     

    Kathrin Gerlof beschreibt ein höchst seltsames Paar, das sich nichts (mehr) zu sagen hat und das nur von der Gewohnheit zusammengehalten wird. Die Autorin wechselt häufig die  Erzählperspektiven –  von Hanns zu Veronika, von Dialogen über Monologe zum auktorialen Erzählen. Sie beherrscht ihr Handwerk, wenngleich ihre Sprache (im Vergleich zu den Vorgängerwerken) noch einige Nuancen härter und umgangssprachlicher geworden zu sein scheint.

     

    Irgendwann funkelt ein wenig Licht am Ende des düsteren Alltagstunnels der Grabowskis. Hanns nimmt einen Job als Lokalreporter in einer kleinen Provinzstadt im Osten an, lebt räumlich getrennt von Veronika. Erleichterung allenthalben, es winkt eine Chance zum Neuanfang in doppelter Hinsicht. Doch nach und nach ziehen doch wieder dunkle Wolken auf.

     

    Hanns lernt einen jungen Mann namens Daniel kennen und hegt in der Provinz außerdem sogar freundschaftliche Kontakte zu einem Neonazi. Als Daniel ihn besuchen will, wird er von einem Nazi folgenschwer attackiert.

     

    Während Hanns' Provinzaufenthalt hatte seine Ehefrau Veronika dubiose Briefe erhalten. Einmal hieß es darin: »Wenn du heute Abend nach Hause kommst, wird Hanns auf dich warten. Sehnsüchtig. Ich warte auch manchmal. Sehnsüchtig. Auf dich. Veronika. Oder auf das, was ich von dir haben will. Jetzt wirst du dich fragen, was ich von dir haben möchte. Oder wahrscheinlich fragst du dich, wer ich überhaupt bin, dass ich etwas von dir haben möchte.«

     

    Am Ende hält Kathrin Gerlof alles in der Schwebe. Hanns vergnügte sich zwischenzeitlich mit einer Markthändlerin, in Veronikas Bett landete ein Polizist. Und man wird angestrengt darüber spekulieren, ob der junge Daniel der Urheber der Briefe und auch Veronikas einst zur Adoption freigegebenes Kind ist. 

     

    Da bleibt man als Leser mindestens ebenso ratlos zurück wie die weibliche Hauptfigur Veronika, die im letzten Satz des Romans fragt: »Was mache ich denn jetzt?«

     

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