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    TITEL kulturmagazin
    Mittwoch, 23. August 2017 | 04:24

    Carsten Klook: Stadt unter

    14.11.2011

    stil unter bei stadt unter

    Carsten Klooks formforschender lauenburg-krimi.

    von CRAUSS

     

    der autor und der verlag weisen darauf hin, dass die handlung und alle personen dieses romans frei erfunden sind. besonders die tatsache, dass das stipendienstädtchen lauenburg als folie dient, schien einen zusätzlichen hinweis auf Carsten Klooks textgeflecht notwendig zu machen, irritiert aber den leser, der davon ausgeht, dass wo »roman« draufsteht, ohnehin fiktion drin ist, und sei sie noch so angelehnt an reale personen und orte.

     

    die story ist so einfach wie ihre figuren einfältig sind: ein grossmäuliger drehbuchautor soll das skript für einen tv-krimi liefern, aber ihm fällt nichts ein. vielmehr: auge, ohr und assoziation verstricken sich in fernsehvorbildern und genreklischees. so weit, so okee. die verlagsankündigung macht zunächst neugierig: es soll ein »katalog der möglichkeiten« ausgelotet werden und »kunstvoll verschiedene ebenen von traum, fantasie und inszenierten (sprach-)realitäten ineinander« greifen.

     

    (c)textem (c)textem

    stadt unter sei ein roman über das schreiben, das sehen und die täuschung. tatsächlich steht nach wenigen seiten fest: stadt unter ist ein schlecht geschriebener roman, der alles andere als formale grenzen sprengt. zwar probiert Klook einiges aus, macht kapitelweise listen, wechselt zur brief- und tagebuchform, spielt mit fusznoten, regieanweisungen, lokalzeitungs- und lexikonartikeln. das ist jedoch weder neu noch bei aller inhaltlichen abwechslungsdichte unterhaltsam, wenn der stil der erzählenden passagen nicht mithält.

     

    »Marc klappte sein handy zusammen« und nicht einfach zu, er »zog sich eine jacke an und ging vorsichtig aus der [offenbar sehr fragilen] zimmertür« und nicht etwa aus dem zimmer, woraufhin er »auf die treppenstufen [trat], die für schuhgrösse 44 etwas zu klein waren.« es dauert eine halbe seite, bis die hauptfigur endlich auf der strasse steht (genauer: auf den »glatzen des kopfsteinpflasters«). was entfernt an den anfang von schuld und sühne erinnern soll, sind hier bloss schiefe oder überfrachtete, weil mit der genauigkeit eines physik- oder geographiebands vermessene bilder: »die gehsteige mit einer breite von 50 cm liessen ihn lieber in der mitte des sträszchens gehen.« ferngesteuert und im mittelstufenduktus. bei aller liebe, das hat nichts mit einem bewusst herausgestellten manierismus oder einer ironischen brechung zu tun, sondern eher mit fehlendem lektorat. es ist keine persiflage auf miserabel formulierte regionalkrimis, wie sie etwa im magolves verlag erscheinen, sondern stadt unter i s t ein solcher regionalfirlefanz. um wieviel lieber habe ich Friedel Thiekötters provinzromane gelesen…

     

    frustriert – denn textem macht ja sonst ausgezeichnete sachen wie zuletzt das pantheon projekt und immer wieder die etwas schrullige zeitschrift kultur und gespenster – blättere ich weiter und steige wieder ein, wenn der fall beinahe gelöst ist, Marc aber noch schläft: »er träumte von einem tier mit einer frau, die nur ein kurzer baum mit busch war.« das geht dann über in den plan, einen kurzfilm mit dem titel »der brustwarzen-mann« zu drehen. »Marc bohrte in der nase und trat einen schritt vor […] er war angelangt am ende der scheidewand, sollte er ein weiteres skript schreiben?« – bitte nicht!

     

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