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    Sonntag, 25. Juni 2017 | 12:27

    Chaykin / Thompson / Andrade Jr.: Die Hard - Das erste Jahr

    13.10.2011

    Ich glaub´, ich bin im falschen Film

    Er wollte einen Actionfilm mit Bruce Willis sehen und landete in einem Film mit Clint Eastwood. So ähnlich kam sich BORIS KUNZ bei der Lektüre von Die Hard - Das erste Jahr vor.

     

    Es gibt Filmfiguren, bei denen es naheliegt, sie für das Medium Comic zu okkupieren: Indiana Jones etwa, die "Aliens" oder natürlich Luke Skywalker und Han Solo – sie alle haben inzwischen deutlich mehr Abenteuer auf dem Papier als auf der Leinwand bestritten. Leider nicht unbedingt bessere, obwohl doch der Comic die Möglichkeit böte, solche Figuren ohne Rücksicht auf Produktionskosten in die abenteuerlichsten Settings zu schicken und damit ihre Filmabenteuer theoretisch sogar noch in den Schatten zu stellen.

     

    Dass das selten gelingt, liegt sicherlich weniger an den Mitteln des Mediums selbst als an den Autoren, die sich doch zu oft bewusst sind, dass sie hier eine Marketingmasche bedienen, die nicht dazu gedacht ist, erzählerische Kapriolen zu schlagen. Lustigerweise hat es jetzt also ausgerechnet John McClane erwischt, den Cop aus der Die Hard-Filmreihe, mit der Bruce Willis zu einer Actionikone geworden ist.

     

    In Comics ticken Uhren anders...

    Die Hard – Das erste Jahr ist aber auch wieder ein gutes Beispiel dafür, wie falsches Marketing den Leseeindruck zum Negativen verändern kann. Da heißt es also hinten auf dem Buchdeckel, der Comic führe „die klaustrophobische Denk schnell, lauf um dein Leben, gib alles-Action, die Fans der Filme erwarten, zu neuen ungeahnten Höhen“.  Dabei ist das eigentlich genau das, was der Comic nicht tut.

     

    Der Autor Howard Chaykin ist ein alter Hase und wird sich so seine Gedanken darüber gemacht haben, ob das Prinzip der Filmreihe auf das Medium Comic übertragbar ist. Die Filme leben maßgeblich von der tickenden Uhr, von dem Gefühl des Zuschauers, mit McClane in Situationen gezogen zu werden, in die er eigentlich gar nicht geraten wollte, und aus denen es aber erst dann ein Entkommen gibt, wenn der letzte Gangster erledigt ist. McClane hat niemals in irgendeinem Fall ermittelt, er ist immer nur Opfer der Umstände, zur falschen Zeit am falschen Ort.

     

    Dann leben die Filme natürlich von Over-the-Top-Action, also von Sprüngen in Luftschächte, Prügeleien auf Rollfeldern und Gepäckbändern, von atemlosen Wettläufen durch die Sommerhitze einer Großstadt. Nun muss man, damit Action im Comic funktioniert, entweder noch eins draufsetzen oder aber ungeheuer genau und präzise arbeiten. Vielleicht hätte Chaykin an dieser Stelle einmal ein paar Bände von Tim und Struppi oder Blake und Mortimer  zur Hand nehmen sollen, um festzustellen, dass klaustrophobische, atemlose Hetzjagden duchaus auch im Comic zu machen sind. Aber offensichtlich hat er das nicht getan, und sich statt dessen für einen anderen Ansatz entschieden.

     

    In Luftschächten und Korsetts

    Der Comic erzählt uns von den ersten Jahren, in denen McClane als Streifenpolizist in New York unterwegs war: die beiden Geschichten, die der erste Band vereint, spielen in den Sommern ´76 und ´77. Auch sie finden jeweils an einem Tag statt, aber hier enden die Gemeinsamkeiten mit den Filmen – zunächst.

     

    Als Leser begleiten wir verschiedene Figuren durch New York, dessen unterschiedliche Gesichter wir dadurch kennen lernen. Auch in den Offtexten McClanes und des Erzählers - leider nicht sauber voneinander zu unterscheidenden - wird das damalige Lebensgefühl ausführlich beschrieben. Anstatt dass McClane, wie sonst üblich, gegen seinen Willen in eine Terroraktion verwickelt wird, bemerkt er hier lange Zeit überhaupt nichts von den Verbrechen, die sich um ihn herum abspielen. Zwar kreuzen sich seine Wege mit denen einer vor zwei korrupten Bullen fliehenden Augenzeugin mehrfach, aber bis dann einmal eine handfeste Actiongeschichte daraus wird, sind drei der vier Kapitel, die so eine Storyline umfasst, bereits gefüllt.

     

    In den Passagen, in denen Chaykin sich nun darum bemüht, das Die Hard-Feeling zu erreichen, wirkt die Handlung relativ einfallslos abgehandelt. McClane als einziger Cop auf einem von Terroristen besetzten Schiff bzw. in der zweiten Geschichte: McClane im Luftschacht eines Massagesalons, in dem eine Geiselnahme stattfindet, als plötzlich der Strom in New York ausfällt - das ist wohl das, was die Leser von einem Die Hard-Comic erwarten. Aber genau das- und man hat das dumpfe Gefühl, dass Chaykin das auch weiß – hat man in den Filmen schon wesentlich besser gesehen.

     

    Das ist das Vermaledeite an den Klappentexten und der durch sie geschürten Erwartung: Anstatt nun ungeduldig darauf zu warten, wann die versprochene Action endlich losgeht, und enttäuscht davon zu sein, wie schnell sie dann schon wieder vorbei ist,  könnte man sein Augenmerk auf etwas anders richten: nämlich darauf, dass es Chaykin und seinen Zeichnern wunderbar gelungen ist, die damalige Zeit lebendig werden zu lassen. Eigentlich ist der Comic ein Stadt- und Zeitportrait. Die Story ist dann besonders gelungen, wenn sie vermittels der auftretenden Figuren die verschiedenen sozialen Schichten New Yorks unter die Lupe nimmt, die Zeichnungen brillieren viel mehr durch die Frisuren, Klamotten, die Autos und Straßenportraits als durch Schlägereien und Action.

     

    Man fühlt sich bei der Lektüre viel eher an die ersten Dirty Harry-Filme erinnert (oder an neuere Krimis wie Zodiac, die ebenfalls zur gleichen Zeit spielen) als an irgendeinen der rasanten „Stirb Langsam“-Teile.  Auch wenn vor allem Gabriel Andrade Jr., dem Zeichner der (generell weitaus gelungeneren) zweiten Geschichte, einen McClane hinbekommt, der tatsächlich wie ein junger Bruce Willis mit Siebziger-Scheitel aussieht, könnte es möglicherweise sein, dass Chaykin sich für die Art von Geschichten, die er offenbar eigentlich erzählen will, den falschen Filmhelden ausgesucht hat.

     

    Wenn das jetzt statt der „offiziellen Vorgeschichte zu Die Hard“ einfach die inoffiziellen weiteren Abenteuer von Dirty Harry gewesen wären, bei dem es nicht unbedingt notwendig ist, ihn in Luftschächte zu stecken – vielleicht wären Chaykin dann bessere Geschichten gelungen. Jetzt hat man leider ein wenig das Gefühl, sie stecken in einem Korsett, in das sie nicht hineingehören.

     

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