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    Samstag, 29. April 2017 | 05:39

    Millar / McNiven: Nemesis

    14.12.2011

    The World´s Biggest Villain

    Nemesis ist genau die Art von Comic, vor denen Eltern ihre Kinder fernhalten sollten: laut, blutrünstig, oberflächlich – und hochgradig unterhaltsam! BORIS KUNZ schämt sich fast ein bisschen, dass er den so gut findet.

     

    Der Grundgedanke ist simpel: Man stelle sich die Geschichte von Batman einmal umgekehrt vor. Statt eines Jungen, der den Tod seiner Eltern durch die Hand von Gangstern miterleben muss, und der seinen Reichtum später dazu nutzt, sich seine Zweitidentität als düsterer, maskierter Verbrechensbekämpfer zu finanzieren, haben wir dann einen Jungen, der die Verhaftung seiner korrupten, schwerreichen Eltern durch die Polizei miterlebt. Und daraufhin zum ganz in weiß gekleideten Racheengel wird, der einen blutigen Feldzug gegen die standhaftesten Polizisten dieser Welt startet.

     

    That´s just how bad he is!

    Der Autor Mark Millar (Kick Ass) geht aber gleich noch ein paar Schritte weiter und macht aus Nemesis nicht nur einen Anti-Batman, sondern einen omnipotenten und ultrabrutalen Schurken, der schon beinahe das Zeug zu einem Anti-Superman hat.  Wie weiland Dr. Mabuse ist Nemesis seinen Gegnern immer mindestens drei Schritte voraus, hat jedes nur erdenkliche technische Spielzeug, kann es mit einem ganzen Polizeibataillon im Nahkampf aufnehmen, hat Maulwürfe in den engsten Kreisen seiner Feinde und immer ein As in Ärmel. Es scheint keine Situation zu geben, in der nicht alles genau so läuft, wie er es geplant hat. Nemesis ist die ultimative Allmachtsphantasie, er ist genau das, was jeder Mensch in seinen dunkelsten Momenten zu sein wünscht: Ein unbesiegbarer Schweinehund, der es all seinen Feinden heimzahlen kann – ohne Angst vor Konsequenzen haben zu müssen.

     

    So wie Nemesis mit seinen Gegnern treibt Miller als Autor ein gemeines Katz- und Mausspiel mit seinen Lesern: Obwohl es verlockend wäre, sich mit Nemesis zu identifizieren, macht er einem genau das immer wieder schwer. Nemesis ist blutrünstig bis an die Grenzen dessen, was man in einem Comic, der Spaß machen soll, noch tolerieren kann. Wenn er einen Cop umbringt, dann wird der nicht einfach erschossen, sondern der Zug, der ihn überfährt, anschließend noch unter den Trümmern eines in die Luft gesprengten Hochhauses begraben. Das ist schon das mindeste an Kollateralschaden, den Nemesis anrichten muss, um seinen Ruf als größter Badass der Weltgeschichte aufrecht zu erhalten und Hannibal Lecter alt aussehen zu lassen.

     

    Und so kommt es, dass man als Leser hin- und hergerissen wird zwischen Abscheu und Bewunderung für diese schillernde Schurkengestalt und nicht weiß, ob man seinem Gegenspieler, dem ultrakonservativen, verknöcherten und nicht wirklich sympathischen Chief Morrow wünscht, Nemesis doch zu erwischen. Es packt einen die perfide Neugier, wissen zu wollen, was für grausame Pläne Nemsis mit seinem neuen Gegner hat – und gleichzeitig möchte man eigentlich, genau wie Chief Morrow, diesen Bastard leiden sehen.

     

    Kein Langstreckenläufer, aber gut im Sprint

    Millar weiß, dass dieses Spiel seine Grenzen hat und sich so ein Pferd schnell totreitet. Er ist klug genug, die Story auf vier Comic-Hefte zu beschränken, so dass man als Leser des Trade Paperbacks eine abgeschlossene Geschichte in der Hand hat. Der geringe Umfang ermöglicht es dem Autor, von Anfang an volles Tempo zu geben und bis zum Schluss nicht mehr vom Gas zu gehen: Bereits am Ende des ersten Heftes hat Nemesis, einfach nur um seine Stärke zu demonstrieren, die Air Force One zu einer blutigen Bruchlandung gezwungen und den Präsidenten der Vereinigten Staaten in seine Gewalt gebracht. Hier wird geklotzt, nicht gekleckert!

     

    Die rasanten und dynamischen Zeichnungen von Steve McNiven tragen kongenial dazu bei, Nemesis den Anstrich eines Hollywoodfilms zu verpassen, den Hollywood so (noch) nicht zu produzieren wagen würde: Die Nahaufnahmen der zerfurchten Gesichter der Protagonisten gelingen McNiven genauso gut wie die temporeichen Actionsequenzen – und wie der Autor hat er große Freude an Blutbädern.  

     

    Der Comic ist demnach, wie man so schön sagt, nichts für zarte Gemüter, aber ein kurzweiliger, höchst unterhaltsamer Zeitvertreib für jene, die Gewaltphantasien einen Unterhaltungswert abgewinnen können. Die Story ist dicht genug, um einen bis zum Schluss in Atem zu halten – nur die dem selbstredend blutigen Showdown folgende Schlusspirouette hält einer näheren Logikprüfung nicht mehr stand. Aber mit Logik sollte man bei einer Geschichte wie dieser sowieso gar nicht erst anfangen.

     

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