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    Hiromi Kawakami / Jiro Taniguchi: Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß, Band 1 und 2

    01.09.2011

    Eine Liebe, nach und nach

    Mit Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß liegt Jiro Taniguchis Adaption des gleichnamigen Bestsellerromans nun auch in deutscher Sprache vor. Auch in diesem Comic betört der japanische Zeichner seine Leser mit großartigen Bildern und hypnotisch-ruhigem Erzähltempo. Von CHRISTIAN NEUBERT

     

    Jiro Taniguchi ist ein Mangaka, dessen Werke im Gegensatz zu manchem seiner Landsmänner auch für europäische Leser leicht zugänglich sind. Dies ist sicherlich dem Einfluss frankobelgischer Comics geschuldet, der bei ihm stark zutage tritt, aber auch dem Umstand, dass er sich als Autor von den in Japan beliebten Genres weitgehend abgewandt hat und seinen Geschichten, deren Inhalt er gerne aus dem Alltäglichen schöpft, eine persönliche Färbung verleiht. Es ist bezeichnend, dass Taniguchi als erster japanischer Comic-Schaffender auf dem Comicfestival in Angoulême prämiert wurde – 2003 erhielt er den Preis für das beste Szenario für sein Werk Vertraute Fremde.

     

    Mit Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß hat er einen Roman der japanischen Bestseller-Autorin Hiromi Kawakami adaptiert. Seine Stärke als Szenarist kommt hier insofern zum Tragen, dass er es versteht, den gemächlich voranschreitenden Romanstoff mit dem nötigen Ernst und Respekt zu begegnen. Bei der Adaption eines Werkes in ein anderes Medium bedeutet ein respektvoller Umgang oft, dass der Fokus mitunter auf divergente Aspekte gerichtet werden muss, um die Intensität und die Intention des Originals nicht aus den Augen zu verlieren. Entsprechend dürfte es klar sein, dass viele Passagen in Taniguchis Comic-Adaption stark gekürzt wiedergegeben werden, etwa wenn es um Introspektion geht. Dafür finden solche Passagen in der Gestik und Mimik der handelnden Personen ihre Entsprechung. Und auch in den detailreichen, sehr realistisch gehaltenen Hintergrundzeichnungen.

     

    Starke Vorlage, gelungene Adaption

    Die Handlung von Taniguchis Romanadaption ist schnell erzählt: Tsukiko Omachi, eine Frau Ende Dreißig, führt ein ruhiges Leben in geregelten Bahnen. Oft sitzt sie allein in ihrem Stammlokal, um zu essen und sich einige Drinks an der Bar zu genehmigen. Eines Tages wird sie dort von einem älteren Mann angesprochen, der sie offensichtlich zu kennen scheint. Es ist ihr ehemaliger Sensei, der Oberschullehrer Harutsuna Matsumoto. Die beiden kommen ins Gespräch. Und sie verstehen sich gut.

     

    Trotz des Altersunterschieds haben die beiden recht viel gemein. Das fängt bei den Vorlieben beim Essen und Trinken an, lässt sich aber auch daran erkennen, wie sie die Dinge betrachten und mit ihnen umgehen. So werden aus den beiden nach mehreren zufälligen Treffen so etwas wie Freunde. Da der Umgang mit dem Sensei Tsukiko erkennen lässt, dass sie recht einsam ist und sie sich auf unbestimmte Art zu ihm hingezogen fühlt, hilft sie dem Zufall nach, indem sie immer mehr Zeit in ihrem Stammlokal verbringt, um die Chance auf ein Treffen zu erhöhen. Irgendwann folgen schließlich Verabredungen, etwa um auf den Markt zu gehen oder zum Pilzesammeln. Doch stets begegnen sich die beiden mit Distanz, so als wollten sie sich gegenseitig nicht zu nahe treten.

     

    Beide scheinen froh darüber zu sein, ihre einsamen Stunden nun mit einem Menschen, von dem sie sich jeweils verstanden fühlen, teilen zu können, weswegen die Distanz auch nie wirklich aufgehoben wird. Der Altersunterschied birgt schließlich die Gefahr, ihre Freundschaft durch unbedachtes Handeln in Gefahr zu bringen – das ungleiche Paar könnte schnell am Prüfstein der Gesellschaft scheitern, auch wenn eine geschlechtliche Beziehung für lange Zeit kein Thema ist.

     

    Ruhig und bedächtig

    Der auf zwei Bände angelegte Comic konzentriert sich lediglich auf die behutsame Annäherung der beiden. Durch die Zeit, die die Erzählung sich nimmt, wird diese Geschichte einer ungleichen Liebe glaubhaft und greifbar. Und da die Gefühlswelt der beiden sich nur allmählich offenbart, stellt sich sogar Spannung ein. Obwohl man hier lediglich gewöhnliche Menschen in ihrem Alltag begleitet, will man die Bände nicht mehr aus den Händen geben.

     

    Dies ist natürlich dem starken Originaltext geschuldet, den Taniguchi unverändert beibehalten hat, aber auch seinen Zeichnungen, die wirklich ihresgleichen suchen. Mit Bildern von brillanter Klarheit fängt er das Zögerliche, Zurückhaltende der Beziehung zwischen den Protagonisten vortrefflich ein. Der Manga wirkt im Gegensatz zu dem Gros der japanischen Comic-Veröffentlichungen fast schon statisch, so als wollte Taniguchi sagen, dass nicht nur die Liebe, sondern auch der Weg zu ihr die Welt stillstehen lässt.

     

    So entpuppt sich eben Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß bereits nach wenigen Kapiteln als eine Meditation über die Liebe. Dass dabei mit gesellschaftlichen Konventionen gebrochen wird, fällt aufgrund seiner Poesie und dem Mut, sich alle Zeit der Welt zu nehmen, überhaupt nicht auf. Schon gar nicht negativ.

     

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