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    Sonntag, 20. August 2017 | 19:18

    Peru / Cholet: Zombies Teil 1: Die göttliche Komödie

    22.09.2011

    Zombieschwemme

    »When there´s no more room in movies, the dead will walk the comic books.« Von BORIS KUNZ

     

    Zombies also. Seit der Wiedergeburt von Dawn of the Dead und der komödiantischen Antwort Shaun of the Dead erleben wir Zombies ja nun in allen erdenklichen Spielarten und Variationen. Ihr komisches Potential ist inzwischen ebenso ausgelotet worden wie ihr gesellschaftskritisches, es gibt verschiedenste Visionen einer Welt nach der Zombieapokalypse, und wir haben die Marvelhelden als Zombies und selbst Sissi als Zombiejägerin in unseren Kulturkanon aufnehmen müssen.

     

    Nun könnte man denken, wer sich jetzt noch bemüßigt fühlt, diesem Genre Neues hinzuzufügen, hat entweder eine ganz abgefahrenen, trashigen Blickwinkel (Zombie-Amazonen auf dem Mond oder sowas) oder wirklich etwas zu erzählen. Leider trifft beides auf Die göttliche Komödie nicht unbedingt zu.

     

    Die Einleitung ist noch einfallsreich, stellt sich aber leider recht schnell als erzählerische Finte heraus, die uns mit einem Helden vertraut macht, wie er klassischer für eine Zombiegeschichte nicht sein könnte: Sam, Durchschnittsamerikaner mit Bauchansatz und geschiedener Familienvater, der erst durch Glück, später durch Training und Entschlossenheit die Invasion überlebt hat und nun auf der verzweifelten Suche nach seiner Tochter ist, von der er sich einbildet, sie könnte vielleicht in von Zombies heimgesuchten Straßen von Seattle noch irgendwo am Leben sein.

     

    Der Slacker ist zum professionellen Überlebenskünstler mutiert und hat sein einsames Dasein nach der vagen Hoffnung auf menschliche Nähe ausgerichtet. Diese erfüllt sich ihm dann nicht in der Begegnung mit seiner Tochter, sondern mit Josh, einem Zwölfjährigen, den er als Adoptivsohn annimmt - und mit dem er sich schließlich sogar einer Truppe weiterer Überlebender anschließt, die auf Schiffen auf der Suche nach einem sicheren Refugium sind.

     

    Auch Zombiegeschichten brauchen lebendige Menschen

    Das Setting ist also nicht die beginnende Apokalypse, sondern die Zeit ein paar Monate später, wenn die Menschen begonnen haben, sich zu organisieren und nach Wegen zu suchen, die Zivilisation neu aufzubauen. Auch das ist inzwischen nicht mehr neu, sondern in der vielbeachteten Serie The Walking Dead bereits ausführlich und mit großartiger psychologischer Tiefe erzählt worden.

     

    Natürlich ist es unfair, ein Album vom 48 Seiten mit einer Serie zu vergleichen, die bereits ein Dutzend Sammelbände lang Zeit hatte, ihre Figuren auszuloten.Doch da die Stories sich inhaltlich so ähnlich sind, drängt sich der Vergleich doch auf, bei dem dann als erstes die Oberflächlichkeit der Figuren von Zombies negativ auffällt. Die Beziehung zwischen Sam und Josh beschränkt sich auf ein paar eher bemüht lockere Dialoge über Superhelden, und die Menschen auf den Booten halten eben, ohne größere Spannungen und Konflikte, einfach zusammen (was für eine Zomibegeschichte fast schon wieder ungewöhnlich ist).

     

    Der Comic bemüht sich darum, möglichst viele Aspekte des Genres anzukratzen (die Rückkehr der Menschen aufs Wasser, die Suche nach einem Gegenmittel, mögliche Immunität einzelner Personen, die Versuche, in einer barbarischen Umwelt Zivilisation aufrecht zu erhalten, das Neuentstehen von Familienstrukturen) aber gerade deswegen bleibt es bei einem Ankratzen, und man hat immer das Gefühl, Bilder und Situationen vorgesetzt zu bekommen, die man als Fan des Genres alle schon einmal irgendwo (und meistens intensiver auserzählt) zu Gesicht bekommen hat.

     

    Fatalerweise überträgt sich das auch auf die Schockmomente. Die sind zwar in einer guten Dosierung vorhanden, und man kann dem Autor Olivier Peru nicht vorwerfen, dass er sich nicht trauen würde, ab und an auch ein paar drastische Schritte zu wagen - aber selbst diese Gnadenlosigkeit hat bei The Walking Dead mehr gesessen, weil einem dort die Figuren wesentlich näher gingen.

     

    Großes Format, wenig Profil

    Das ist schade, denn gerade graphisch ist Zombies eigentlich eine gute Arbeit. Ein wenig hölzern an manchen Stellen aber immer wieder wunderbar detailfreudig und wirkungsvoll, ist die Reihe rein visuell schon auf einem guten Weg. Das verrottende Untote, farbig und im Großformat durchaus auch auf Comic-Seiten großes Kino sein können, zeigt eine beeindruckende Doppelseite gegen Ende, bei der man sich wünscht, es würde mehr davon geben. Leider werden die Zeichnungen von einer Story im Zaum gehalten, die weder besonders schlecht noch besonders gut ist.

     

    Die göttliche Komödie tut leider nicht mehr, als das Gerne zu 100% zu bedienen, ohne ihm irgendwo etwas Neues hinzuzufügen. Das dürfte selbst (oder gerade) für Hardcore-Fans ein bisschen zu wenig sein.

     

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