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    Sonntag, 25. Juni 2017 | 12:29

    Leopold Maurer: Mann am Mars

    03.11.2011

    Außendienst in Outer Space

    Nach Miller & Pynchon legt Leopold Maurer wieder einen Comic vor, der seine existenzialistische Tragweite aus dem Banalen schöpft. CHRISTIAN NEUBERT folgt dem Mann am Mars auf den roten Planeten.

     

    Unser Mann am Mars, da ist er nun: Auf einem fremden Planeten, mit dem Auftrag, das Gestein zu erforschen. Seine einzige Gesellschaft ist eine Schildkröte namens Darwin. Es könnte kaum trostloser sein. Aber immerhin hält er zwischendurch telefonischen Kontakt zur Bodenstation, um regelmäßig Bericht zu erstatten. Wie es denn so aussieht, dort auf dem Mars, möchte das Bodenpersonal wissen. „Genauso wie auf den Fotos... nur ein bisschen größer“, stellt der Mann am Mars fest.

     

    Ein wenig Abwechslung in seinen tristen Alltag bringt überraschenderweise das Betreiben einer Tankstelle – eine Auflage von einer Vereinigung diverser Mineralölkonzerne, die die Marsreise mitfinanziert haben. Was sich nach einer Schnapsidee anhört, entpuppt sich bald als der absolute Renner: Die Tankstelle wird aufgrund günstiger Lage und vernünftiger Preispolitik von einer Menge Aliens frequentiert. Auf fossile Brennstoffe kann halt doch keiner verzichten.

     

    Das Langweilige an ständigen Sensationen

    Natürlich stellt der erste Kontakt mit einer außerirdischen Lebensform für unseren Mann am Mars eine größere Sensation dar – auch wenn er leider keine Fotos von den Extraterristischen machen kann. Sein Apparat ist kaputt gegangen, als er Gott, der laut Darwin hinter einem Hügel kauern soll, fotografieren wollte. Aber die auf der Durchreise befindlichen Aliens haben ohnehin keine große Lust auf Smalltalk mit dem Tankwart, und so wird auch das Betanken von fremdartigen Raumfahrzeugen zur langweiligen Routine.

     

    Nachdem dann seine Schildkröte nicht von einer Erkundungstour zurückkehrt und er somit ganz allein auf weiter Marsflur dasteht, überkommt dem Mann am Mars schließlich der Marskoller - er entwickelt Wahnvorstellungen. Regelmäßig halluziniert er einen ehemaligen Arbeitskollegen mit einer schlecht sitzenden Perücke herbei, den er leider schon als realen Menschen nicht leiden konnte. Und seinen Großvater, der, wenn er nicht gerade einige Nazisprüche zum Besten gibt, ständig damit beschäftigt ist, Maschinengewehrgeräusche zu imitieren.

     

    Was den Wiener Comic-Schaffenden Leopold Maurer auszeichnet – und den Mann am Mars zu einem Kleinod innerhalb der aktuellen Comic-Veröffentlichungen macht – ist die Fähigkeit, dem Absurden mit lakonischem Humor beizukommen. Wenn man sich in der Kulturlandschaft umschaut, scheint dies ohnehin ein bei Österreichern weit verbreitetes Vermögen zu sein. Der subtile Witz in den stets zweiseitigen Comic-Geschichten, die nach und nach die Chronologie einer grotesken Marsmission offenbaren, ist staubtrocken wie die Oberfläche des roten Planeten. Stets erwächst er aus dem Banalen, um hinterrücks ein Denken und Handeln aufzuzeigen, das nicht anders kann, als zwischen unterschiedlichen Neurosen zu zirkulieren.

     

    Sensationen in ständiger Langeweile

    Bei der Lektüre der humorvollen Episoden fühlt man sich bisweilen an Planet Kratochvil erinnert – oder überhaupt an die Comics von Maurers Landsmann und Luftschacht-Labelmate Nicolas Mahler. Ganz so reduziert wie Mahlers Arbeiten nimmt sich Mann am Mars aber nicht aus – auch wenn der Astronaut mit einfachen Konturen eingefangen ist und die Landschaft, auf der er sich bewegt, kaum mehr als eine weite rötliche Ödnis bietet.

     

    Der Comic spaltet sich übrigens in zwei Teile auf, nämlich in die zwei Seiten einer Schallplatte. Maurer liefert auf diesen beiden Seiten den Soundtrack zur Marsexpedition gleich mit. Die Stücke, die auf der Platte vertreten sind, stammen von so illustren Musikern und Bands wie Lou Reed, Led Zeppelin, David Bowie oder Bob Dylan. Sie verleihen den einzelnen Episoden jeweils ihren Titel. Die Verweisstrukturen, die Maurer mit den Songs erkennen lässt, sind dabei genauso wenig beliebig gesetzt wie die Zäsur innerhalb der Geschichte, durch die die Songs – und somit die Episoden – auf die Seiten A und B der LP verortet werden. Deswegen hat Maurer seinen Comic auch nicht durch die Playlist einer CD strukturiert, die einfach von vorn bis hinten durchlaufen würde.

     

    Von vorn bis hinten, also in einem Happen, möchte man allerdings Maurers Marsabsurditäten verschlingen. Es ist fast schade, dass Mann am Mars nicht aus mehr als 35 Episoden besteht. Aber dafür ist auch wirklich jede einzelne von ihnen gelungen. Und das ist erstaunlich genug.

     

     

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