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Mittwoch, 19. Juni 2013 | 22:37

Kati Rickenbach: Jetzt kommt später

21.07.2011

Und schöne Grüße an Priska

Liebe Kati! Ich wollte dir wegen deinem Comic schreiben, den du für mich gemacht hast. Zuerst habe ich ja gedacht, liebe Güte, so ein dicker Klotz und du erzählst die ganze Zeit nur über dich selber, das ist schon ganz schön … selbstbewusst. Von ALEXANDER FRANK

 

Lass es mich mal so sagen: Du, also dein Buch, will gute drei Zentimeter in meinem Bücherregal für sich beanspruchen und das, obwohl wir uns kaum kennen. Das ist zwar ein Stück weniger als die gesammelten Shakespeare-Dramen, aber immerhin ungefähr so viel wie der Ulysses! Ja, klar, es belegen natürlich auch andere Leute mein Bücherregal, die ich noch weniger kenne. Schließlich hast du mir ja eine ganze Menge von deinem Leben als Comic-Zeichnerin, Austauschstudentin und Demnächst-Erwachsen-Werdende erzählt.

 

Und an Hamburg

Die Idee, dass du dich in der Geschichte auf zwei kurze Abschnitte deines Lebens beschränkst, finde ich gut. Die zwei Aufenthalte in Hamburg, zuerst 2004 als Austauschstudentin und dann 2009 mit deinem Freund, sind so etwas wie Inseln im normalen Leben, kleine Abenteuer. Freilich wird dadurch alles noch selbstbezogener, denn zusätzlich dazu, dass du von Bekanntschaften, Gesprächen, Studiumsalltag, Zukunftsbedenken etc. berichtest, geht es auch darum, dass du fünf Jahre später deine erste Hamburgzeit als Comic verarbeitest. Der Comic dreht sich also nicht nur um dich, sondern auch noch um sich selbst!

 

Aber dadurch erfährt man auch etwas über deine Vorstellungen vom autobiografischen Erzählen. Du bist absolut dagegen, »etwas dazu zu erfinden«, alles muss stimmen, sagst du im Comic. Das ist ganz schön naiv, wo doch jeder weiß, dass sowieso alles subjektiv ist, unsere Welt nur eine Konstruktion, unser Selbst nur eine Inszenierung und so weiter. Aber du bestehst darauf, dass deine Freundin Priska auch im Comic Priska heißen muss, weil die Figur im Comic nicht Priska sein kann, wenn sie nicht Priska heißt.

 

Ist gar nicht so einfach, dem zu widersprechen. Aber was mich etwas verwirrt: Diese Diskussion führst du im Comic, weil Priska nicht will, das du ihren echten Namen verwendest. Da aber nicht vorkommt, dass sie ihre Meinung ändert, muss ich doch davon ausgehen, dass Priska gar nicht Priska heißt! Vielleicht hast du mich sowieso die ganze Zeit an der Nase herumgeführt und alles ist gelogen? Vielleicht bist du gar keine Comic-Zeichnerin?

 

Und an Sascha natürlich auch

Allerdings kommen in der Geschichte auch einige Personen vor, die ich schon mal mit eigenen Augen gesehen habe: Anke Feuchtenberger als Kursleiterin und Zeichnerkollegen wie Arne Bellstorf, Line Hoven und Sascha Hommer. Und die Comics, die du in der Zeit, von der du erzählst, gemacht hast, sind auch im Anhang gesammelt. Da kann man die unterschiedlichen Zeichenstile vergleichen, die du beherrscht. Mir gefällt ja am besten der von Une bréve histoire d’amour. Alles kann also nicht erfunden sein. Der Sascha Hommer, mit dem du einige Wahrhaftigkeitsdiskussionen führst, hat ja ebenfalls autobiografische Comics gemacht, in denen auch so Sachen vorkommen wie sprechende Hunde. Da weiß man wenigstens, dass das dazu erfunden ist. Oder?

 

Wenn es die zickige Vermieterin Wiebke, den langweiligen Verehrer Hannes und den halben One-Night-Stand Nathan wirklich gibt, würde mich interessieren: Hast du jemanden von ihnen gefragt, ob du sie zur Comic-Figur machen darfst? Ist dir jemand von selbst auf die Schliche gekommen? Bist du auf meine Gutmütigkeit angewiesen, dass ich dich bei Wiebke nie verpetzen werde? Jedenfalls hat es mich gefreut, dass du mir so viel von dir erzählt hast. Ja, schon klar, du hast den Comic nicht extra für mich gemacht, aber auch für mich, oder? Und was ich noch sagen wollte: Du hast schöne Ohren.

 



 

 

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