Und an Hamburg
Die Idee, dass du dich in der Geschichte auf zwei kurze Abschnitte deines Lebens beschränkst, finde ich gut. Die zwei Aufenthalte in Hamburg, zuerst 2004 als Austauschstudentin und dann 2009 mit deinem Freund, sind so etwas wie Inseln im normalen Leben, kleine Abenteuer. Freilich wird dadurch alles noch selbstbezogener, denn zusätzlich dazu, dass du von Bekanntschaften, Gesprächen, Studiumsalltag, Zukunftsbedenken etc. berichtest, geht es auch darum, dass du fünf Jahre später deine erste Hamburgzeit als Comic verarbeitest. Der Comic dreht sich also nicht nur um dich, sondern auch noch um sich selbst!
Aber dadurch erfährt man auch etwas über deine Vorstellungen vom autobiografischen Erzählen. Du bist absolut dagegen, »etwas dazu zu erfinden«, alles muss stimmen, sagst du im Comic. Das ist ganz schön naiv, wo doch jeder weiß, dass sowieso alles subjektiv ist, unsere Welt nur eine Konstruktion, unser Selbst nur eine Inszenierung und so weiter. Aber du bestehst darauf, dass deine Freundin Priska auch im Comic Priska heißen muss, weil die Figur im Comic nicht Priska sein kann, wenn sie nicht Priska heißt.
Ist gar nicht so einfach, dem zu widersprechen. Aber was mich etwas verwirrt: Diese Diskussion führst du im Comic, weil Priska nicht will, das du ihren echten Namen verwendest. Da aber nicht vorkommt, dass sie ihre Meinung ändert, muss ich doch davon ausgehen, dass Priska gar nicht Priska heißt! Vielleicht hast du mich sowieso die ganze Zeit an der Nase herumgeführt und alles ist gelogen? Vielleicht bist du gar keine Comic-Zeichnerin?