Für die linke Fraktion
Ein Beispiel dafür, wie so etwas gelingen kann, bietet Andreas Michalke. Seine gesammelten Strips, die er unter dem Namen Bigbeatland für die linksgerichtete Wochenzeitung Jungle World kreiert, wissen nachhaltig zu begeistern. Michalke gelingt das Kunststück, dass die Qualität seiner Serie sich mit der Zeit nicht erschöpft, sondern im Gegenteil sogar wächst. Bei Reprodukt ist nun der zweite Band von Michalkes Bigbeatland-Strips unter dem Titel Der Kampf geht weiter erschienen. Dieser beinhaltet alle Veröffentlichungen des Zeitraums November 2006 bis Januar 2010.
Die Geschichten von Bigbeatland kreisen um eine linke WG in Berlin und um die klassenkämpferischen Ambitionen ihrer Bewohner – allen voran die frischgebackenen Eltern »Subkommandante« Markus und seine Freundin Fricka. Ihre Mitbewohner Ini, Tini und Bini sind in diesem durchaus fest in der Realität verankerten Gegenentwurf von Entenhausen so etwas wie die sozialistisch gesinnten Pendants von Tick, Trick und Track.
In den einzelnen Episoden treffen die Versuche basisdemokratischer Entscheidungsfindungen auf No Future/Null Bock-Attitüden, schwäbische Pauschaltouristen auf vermeintliche Islamisten, geplante Luxussanierungen auf Hausbesetzer und Utopien der Gleichheit auf die real existierenden Probleme von Elternschaft und Erwerbstätigkeit. Dabei wird in den bunten, im Funny-Stil gehaltenen Strips, die jeweils in einer Pointe aufgelöst werden oder durch Cliffhanger verbunden sind, nach und nach ein erstaunlicher Tiefgang erzeugt, den man anfangs in keiner Weise erahnt. So passiert es einem bei der Lektüre von Bigbeatland schon mal, dass man Tränen vergießen möchte – vor Lachen, aber auch solche der Trauer und Rührung.