Wetten, dass ...?
Ein Witz pro Seite wäre aber, besonders für Flix, ein bisschen wenig. Eigentlich ist jedes Bild für sich betrachtet köstlich. Zudem sorgt die an Ideenreichtum überbordende Erzählung für ein stimmiges Gesamtbild.
Flix versetzt den klassischen Faust in das heutige Berlin (wohin denn sonst?). Der Ost-West-Konflikt scheint überwunden zu sein, zumindest wird er nicht thematisiert. Sehr wohl aber das Problem der Migration. Wagner, der WG-Kumpane Fausts, ist schwarz und sitzt noch dazu im Rollstuhl. Die beiden leben im Streit, weil Faust, der sich als Taxifahrer über Wasser zu halten versucht, für das frühzeitige Ableben des wagnerschen Pudels mit dem vielsagenden Namen Charlotte von Stein verantwortlich scheint. Gretchen, alias Margarete, alias Özlem, in die sich Faust unsterblich verliebt, ist Türkin. Klar, dass die aufkeimende Liebe der beiden ihrer Mama nicht passt. So hat Faust mit Ausgehverboten und einer drohenden Zwangsheirat Margaretes mit einem Cousin aus der türkischen Provinz zu kämpfen.
Das Berlin, das Flix - übrigens selbst Wahlberliner - mit seiner ausgeprägten Beobachtungsgabe abbildet, ist hip und angesagt. Deshalb spielt die Handlung in WGs und Eckkneipen, in trendigen Clubs und Modegeschäften. Ursprung für dieses Slapstick-Verwirrspiel aber ist natürlich der ewige Clinch zwischen Mephisto und Gott. Wie es hier zu diesem Wettstreit, der oft auch mit unlauteren Mitteln geführt wird, kommt, ist unerhört komisch!
Aber darf man so mit DEM Klassiker der deutschen Literatur, in dem der ganze Stolz der Nation kulminiert, umgehen? Flix darf es! Denn: Zwar wurde der Faust-Stoff schon oft mehr oder weniger erfolgreichen Frischekuren unterzogen, so gewitzt und frei von der Vorlage wurde aber nur selten mit ihm gespielt.