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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 23. Juni 2017 | 21:07

    Enki Bilal/Pierre Christin: Legenden der Gegenwart

    07.11.2012

    Klassischer Stoff in neuem Gewand

    Der bei Ehapa erschienene Sammelband Legenden der Gegenwart vereint drei frühe Werke der französischen Comic-Künstler Enki Bilal und Pierre Christin. CHRISTIAN NEUBERT hat untersucht, ob die fast 40 Jahre alten Werke inzwischen Staub angesetzt haben.

     

    Im Rahmen der Veröffentlichung von Gesamtausgaben frankobelgischer Comic-Klassiker kommt der Ehapa-Verlag natürlich nicht um die Herren Bilal und Christin herum. Bereits 2008 brachte der Verlag den Sammelband Fins de Siècle heraus. Und nun liegt mit Legenden der Gegenwart eine Anthologie der beiden Comic-Visionäre vor, die die ersten gemeinsamen Arbeiten der beiden zusammenbringt, nämlich die in Frankreich von 1975 bis 1977 als Légendes d´aujourd´hui erschienenen Bände Die Kreuzfahrt der Vergessenen, Das steinerne Schiff sowie Die Stadt, die es nicht gab.

     

    Drei frühe Bände zweier Comic-Größen

    Der erste Band erzählt von einem kleinen, abgelegenen Dorf in Les Landes. Dort herrscht jene ländliche Idylle, die sich ein Stück weit mit der dieses wohlbekannten gallischen Dorfes vergleichen lässt, auch wenn es dort keinen Zaubertrank gibt und die Römer die Uniform von Militär und Großkonzernen tragen – und der, den man als Druiden erkennen könnte, ein mysteriöser Durchreisender ist. Ein Tag gleicht dort dem anderen – bis das Dörfchen als ungeahnte Reaktion auf militärische Versuche buchstäblich in die Luft geht.

     

    Bei Das steinerne Schiff sollen eine historische Burg und die Bewohner eines Fischerdorfes einem gewaltigen Bauprojekt weichen. Auch hier begegnen wir dem mysteriösen Fremden, der in den drei Bänden die Fäden zu ziehen scheint, aber in dieser Geschichte ist bereits ein Druide vor Ort – ein alter Mann mit merkwürdigen Kräften, der die Geister der Ahnen beschwört, um den Kräften des Kapitals ein Schnippchen zu schlagen. Mit seiner Hilfe erlangen die auf sich gestellten Dorfbewohner die Chance, ihr Glück an einem friedlicheren Ort zu suchen.

     

    Im dritten Band schließlich, Die Stadt, die es nicht gab, unternimmt die Tochter eines Industriemagnaten, die als Alleinerbin ihres Vaters unvermittelt über ein Vermögen verfügt, den Versuch, eine soziale Utopie Wirklichkeit werden zu lassen – auch wenn ihrer idealen Arbeiterstadt schließlich Träume geopfert werden.

     

    Zeitgeist und Zeitlosigkeit

    Die Legenden der Gegenwart atmen unverkennbar den Geist der Siebziger. Die utopischen Geschichten sind daher, obwohl stets eher in ein Fantasy- als in ein Science-Fiction-Gewand gehüllt, nicht nur hintergründig politische Utopien. Die textliche Inszenierung mutet dabei mitunter etwas gezwungen und altbacken an; die eine oder andere Formulierung ist schon arg über´s Knie gebrochen, um einige der Figuren einem politischen Lager zuzuordnen. Das Lesevergnügen wird dadurch aber nur am Rande getrübt, denn gestrig oder gar überholt sind die einzelnen Geschichten keineswegs.

     

    Wer Bilal bislang nur von seinen neuen Werken kennt, darf sich übrigens nicht vom Cover-Artwork täuschen lassen: In den Siebzigern hat er seine Comics noch nicht mit den Kreidezeichnungen gestaltet, für die er heute berühmt ist. Dafür glänzen seine alten Werke durch Detailfülle und sorgfältige Schraffuren, die den Bildern viel Plastizität verleihen. Die ursprüngliche Kolorierung der ehemals im Volksverlag erschienenen Comics musste in dieser Wiederveröffentlichung übrigens einer neuen Farbpalette weichen. Die einzelnen Bilder sind nun in weniger bunten, etwas kräftigeren und insgesamt realistischer erscheinenden Farbtönen gehalten. Das sieht gut aus, wenngleich sich streiten lässt, ob diese Modernisierungsmaßnahme wirklich nötig war. Schließlich war die ehemals blass-bunte Kolorierung gerade wegen ihrer befremdlichen Wirkung sehr reizvoll.

     

    Das Lettering wurde für diese Neuauflage ebenfalls geändert. Auch hier stellt sich die Frage, ob das die richtige Entscheidung war. Die hier verwendete Typographie ist um einiges präsenter, da weniger filigran. So manchem alteingesessenen Fan von Bilal und Christin stößt man mit diesen Neuerungen sicher vor den Kopf. Aber diese nennen die Bände des Franzosen ja ohnehin bereits ihr eigen. Für alle anderen eignet sich Ehapas Neuauflage sehr gut, um sich diese wichtigen Werke zu erschließen.

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