• losttorrent
  • richtorrent
  • pushtorrent
  • Titel-Magazin
    TITEL kulturmagazin
    Montag, 21. August 2017 | 19:28

    Christophe Bec / Stefano Raffaele: Pandämonium

    26.09.2012

    Urban-Myth-Wurst

    Es gibt Sätze, die den Rezipienten Böses ahnen lassen. »Diese Geschichte beruht auf Tatsachen«, ist einer davon, beinhaltet der Plot dann noch ein unheimliches Sanatorium, Geistererscheinungen und einen »Todestunnel«, so gerät das Ganze doch in gefährliche Nähe zu Galileo Mystery. Auch im Falle von Becs und Raffaeles Pandämonium? SEBASTIAN DAHM hat die Antwort.

     

    Das Wavery Hills Sanatorium in Louisiana ist einer der »Scariest Places on Earth« – jedenfalls laut der gleichnamigen US-Serie, in der unheimliche Häuser auf ihren Bespuktheitsgrad untersucht werden: Das 1906 erbaute Sanatorium steht schon seit geraumer Zeit leer und ist Gegenstand von so manch düsterer Legende – ein Umstand, der nicht verwundert, denn Wavery Hills war ein Tuberkulosesanatorium, also schon seiner ursprünglichen Funktion nach ein nicht gerade heimeliger Ort.

     

    Die Geschichte von Zimmer 502 ist da noch eine der harmlosen: Dort hat sich in den 30er Jahren eine Krankenschwester unter mysteriösen Umständen erhängt. Stärkerer Tobak ist da schon die Legende von der Todesrate, derzufolge Wavery Hills das reinste Schlachthaus gewesen sein muss: Über 100 000 Tote soll es während einer Tuberkuloseepidemie gegeben haben, die dann klammheimlich durch den eigens dafür erbauten »Todestunnel« beiseitegeschafft worden seien – den Tunnel gibt es tatsächlich, die Zahlen sind vollkommen an den Haaren herbeigezogen. Doch Wahrheitsgehalt hin oder her: Stoff für einen ordentlichen Horror-Plot bieten solche Schauermärchen allemal.

     

    Geister, Tote und Gerüchte

    So muss auch Christophe Bec gedacht haben, der für den Plot verantwortlich zeichnet und spätestens seit Absolute Zero und Prometheus für seine düsteren Storys bekannt ist. Pandämonium spielt im Jahr 1951, zu Zeit der letzten großen Tuberkuloseepidemie im Süden der USA. Doris, die als Kind selbst einmal Patientin in Wavery Hills war, kehrt in das renommierte Sanatorium zurück, um ihre an Tuberkulose erkrankte Tochter Cora behandeln zu lassen. Da sie sich die Behandlung nicht leisten kann, quartiert sie sich selbst in Wavery Hills ein, um die Kosten als Krankenschwester abzuarbeiten. Schnell wird klar, dass hinter der altehrwürdigen Fassade der Klinik bei weitem nicht alles mit rechten Dingen zugeht: psychopathische Ärzte, antiquierte Behandlungsmethoden und eine dunkle Vergangenheit, über die das Personal nur hinter vorgehaltener Hand spricht. Gleichzeitig hat Cora immer häufiger Visionen von Geistern der im Sanatorium gestorbenen Patienten, die kryptische Warnungen aussprechen.

     

    Visuell gelungen

    Die so erzeugte Atmosphäre langsam anwachsender Bedrohung ist eine der Stärken des Comics und ist zum größten Teil Stefano Raffaeles ruhiger, klarer Linienführung und seinem Sinn für den Augenblick zu verdanken. Gerade das Prosaische der Bilder ist es, das das Grauen sichtbar macht, das unter der scheinbar alltäglichen Oberfläche des Krankenhaus-Alltags lauert. So wird die ständig wiederkehrende Silhouette des Sanatoriums zum drohenden Fanal, dessen Anblick von Mal zu Mal mehr Unbehagen erzeugt.

     

    Natürlich wird es auch blutig, die Gore-Szenen blitzen unvermittelt im ruhigen Bilderstrom auf und sind durchaus angetan, auch dem hartgesottenen Leser einen Schauer über den Rücken zu jagen - dass man Pandämonium dann tatsächlich einigermaßen verstört aus der Hand liegt, ist jedoch nicht unbedingt den Qualitäten des Comics zuzurechnen.

     

    Befürchtung bestätigt

    Der leistet sich nämlich einfach zu viele Schwächen, um wirklich gut zu sein. Zum einen ist da die Charakterzeichnung, die eindimensionaler nicht sein könnte, da sich die Figurenkonstellation auf »junge, aufopferungsvolle Mutter vs. Trepanierbohrer schwingende Psychopathen« herunterbrechen lässt. Zum anderen besteht der Plot praktisch vollständig aus losen Erzählsträngen, so dass der Leser schließlich vor einem Berg unbeantworteter Fragen und einem unpassend kitschigen Ende steht – der Versuch, einfach mal alle auffindbaren Urbanen Legenden zu einem Comic zu verwursten, geht damit ziemlich nach hinten los. Weniger wäre hier mehr gewesen, womit Pandämonium die anfänglich geweckten Vorbehalte zu weiten Teilen bestätigt. Schade, denn Idee und visuelle Umsetzung lassen sich sehen, ein wenig mehr Arbeit an der Erzählweise wäre hier allerdings durchaus wünschenswert gewesen.

    Musik in Schwarz-Weiß

    Noch ein paar Tipps für die Tage in denen Stimmung und Landschaft sich den Grau-Tönen nähern und die richtige Musik dabei hilft, ruhige Momente zu ...

    Petraeus und sein Stab

    Die menschliche Existenz ist voll von Paradoxa. Krieg etwa gehört zu den schlimmsten Dingen, die Menschen einander antun können; die Ausführenden des Kriegs allerdings, das ...

    Die Geschichte geht weiter

    Wieder ein Weltbestseller – Carlos Ruiz Zafóns Roman Der Gefangene des Himmels. Von PETER MOHR

    Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

    Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

    Ein Geheimnis in einer Graskugel

    Auf die ganz großen Katastrophen im Leben kann man sich selten vorbereiten. Das geht nicht nur den Großen so, auch die Kleinen müssen solche Erfahrungen bewältigen. ANDREA ...

    Wer will fleißige Handwerker sehn

    Der Künstler und ehemalige Hartz IV-Empfänger Van Bo Le-Mentzel hat zusammen mit seiner Crowd ein DIY-Forum geschaffen und mittels Schwarmfinanzierung auch gleich ein Buch drucken lassen. ...

    NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter