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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 26. Juni 2017 | 03:56

    Paul Hornschemeier: Mein Leben mit Mr. Dangerous

    10.10.2012

    Psychogramm eines Fangirls

    Im Comic Mein Leben mit Mr. Dangerous beschreibt Paul Hornschemeier das Leben einer Person, die nicht nur ihre Woche, sondern auch ihre Gedanken, mit Hilfe der fiktiven Serie Mr. Dangerous, strukturiert. JAKOB FRANZEN hat es gelesen und kommt zu folgendem Fazit: Unangenehm und rührend zugleich.

     

    Psychogramm eines Fangirls

    »Kennst du die Folge von Mr. Dangerous, in der...? Ein Dialog mit Amy mündet häufig in ein Gespräch über ihre Lieblingsserie. Ständig fallen ihr neue Parallelen zwischen ihrem Leben und der Serie auf. Besonders abenteuerlich scheint ihr Leben allerdings nicht zu sein. Ihr Job als Kaufhausverkäuferin scheint sie nicht auszufüllen und die gelegentlichen Gespräche mit ihrer Mutter, ebenfalls Fachverkäuferin, drehen sich in der Regel um weniger interessante Neuigkeiten aus dem Kaufhaus. Amys Lichtblick sind die Wiederholungen von Mr. Dangerous und die Telefonate mit ihrem besten Freund Michael, der vermutlich einzigen Person, mit der sie sich ausgiebig über die Serie unterhalten kann.

     

    Dominanz der Bilder

     

    Über Amys Leben erfahren wir nicht viel. Bis zum Ende wissen wir weder Amys Nachnamen noch warum ihr Vater im Verlauf des Comics kein einziges Mal auftaucht. Amys Innenleben wird jedoch bis in den kleinsten Winkel ausgeleuchtet. Das geschieht dadurch, dass die Bilder im Vergleich zum Text eine weitaus dominantere Rolle spielen. Die unkommentierten Bilder geben uns ein genaues Gefühl davon, was Amy durchlebt, lassen uns aber mit der Aufgabe zurück, das Ganze in Worte zu fassen.

     

    Durch die Tagträume, die sich um Mr. Dangerous drehen, und subtil angedeutete Mimik lernen wir die Komplexität kennen, die unter Amys lethargischer Oberfläche steckt. Ein gelegentliches Unverständnis über die Bedeutung der Bilder harmoniert mit der allgemeinen Ästhetik des Ungewissen, die den Reiz dieses Comics ausmacht. So entsteht eine unangenehme, beinahe beklemmende Stimmung. Amy bleibt bis zum Ende eine uns weitestgehend unbekannte Person, erweckt aber dadurch Mitgefühl, da wir über die intensiven Bilder jeden Aspekt ihres Lebens miterleben.

     

    Das funktioniert vor allem aufgrund Hornschemeiers virtuosem Stil: Farben füllen die minimalistischen Hintergründe großflächig aus; der Fokus liegt auf Gesichtsausdrücken und Gesten der Figuren. Für Hornschemeier typisch sind auch die gelegentlichen Stilwechsel, die klar zwischen Tagtraum, Flashback und Realität unterscheiden. Mit Schattierungen, Kontrast, mal grellen und mal dezenten Farben werden wir durch Amys Psyche geführt.

     

    Mein Leben mit Paul Hornschemeier

     

    Mit seinem neusten Comic bleibt Paul Hornschemeier bei seiner zurückhaltenden Erzählweise, die man zuletzt in Die drei Paradoxien bewundern konnte. Von der zu Tränen rührenden Dramaturgie seines Debüts Komm zurück Mutter scheint er sich abzuwenden. Mein Leben mit Mr. Dangerous erzählt weder von Demenz noch von Selbstmord; thematisiert wird hier die Art von Leiden, die sich deshalb so schwer beschreiben lässt, weil ihre einzige Quelle der Mangel an Glücksmomenten ist.

     

    Geprägt von Daniel Clowes tendieren Hornschemeiers Geschichten zur Absurdität. Surreale Abschnitte werden jedoch immer von einer wahrscheinlich erscheinenden Situation gerahmt. Während bei Clowes die Trennlinie zwischen Surrealität und Realität verschwimmt, trennt Hornschemeier sie mit Hilfe unterschiedlicher Zeichenstile. So wird die Handlung von Mein Leben mit Mr. Dangerous schmerzlich real und Amy kommt uns als Figur näher, als wir es uns manchmal wünschen würden.

     

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