Belanglose Story
Denn genau das ist eine der Stärken von Roxanne & George: die Darstellung dieser Menschen. Immer gestylt und so gezwungen individuell, dass es schon einer Uniformierung gleicht. Trotzdem stets gelangweilt und ohne Tiefgang in ihren Gesprächen - "Jeden Tag Joga bla bla" - leben sie in den Tag hinein. Diese Situationen stellt Walch clever und kritisch dar: Panels, vollgestopft mit herumlungernden Personen, über denen Sprechblasen aus oberflächlichem Blabla wabern.
Schön sind vor allem ihre kontrastreichen, exakten und realistischen Zeichnungen mit punktueller Tendenz zur Karikatur. Ihre Bilder sind voller Details und das Setting ist ausgesprochen authentisch - von der Chanel-Tasche bis zum "Bob Hardy"-Shirt. Oft zeigen ihre Panels auch Ausschnitte, die einem Paparazzi-Schnappschuss gleichen und der Leser erkennt seine Position entsprechend dem Beobachter am Bildschirm wieder. Die alten Herren sind eine Mischung aus Slash, Lemmy, Bret Michaels und Ozzy - zumindest letztere schoben sich bei MTV ja bereits über den Bildschirm. Auf aussagekräftigen Text hat Walch im Allgemeinen verzichtet - was zwar zu den Figuren passt, jedoch auch keinerlei Interesse für sie zulässt. Der Absturz Roxannes lässt genau so kalt wie der Erfolg der Väter mit ihrem Comeback. George spielt kaum eine Rolle, außer seinem Namen hat er dem Band nichts zu geben.
Vielleicht liegt hier also eine Konstruktion vor, die einem die Belanglosigkeit solcher Sendungen über das langweilige Leben sogenannter C-Promis vor Augen führen will. Oder Roxanne & George ist einfach der Versuch einer Kritik ohne Geschichte oder greifbare Figuren, aber mit ausgezeichneter graphischer Darstellung. Was auch zutrifft: Roxanne & George bleibt insgesamt leider ebenso in der Belanglosigkeit stecken wie seine Protagonisten.