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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 26. Juni 2017 | 03:59

    Carolin Walch: Roxanne & George

    08.08.2012

    Lifestyle Of The Rich And The Boring

    MTV hat uns gelehrt: Reiche, berühmte Altrocker, die in ihren Villen vor sich hindümpeln, sind die eierlegende Wollmilchsau des Trash-Fernsehens. Und wenn diese noch dazu drogensüchtige Hipster-Kinder haben, braucht man sich auch um die Quoten keine Sorge mehr zu machen. Roxanne & George zeigt Szenen aus dem Leben solcher Menschen mit viel Liebe zum Detail und bleibt trotz erhobenem Zeigefinger so oberflächlich wie die Vorbilder. Von FRANZISKA BECHTOLD

     

    Zugegeben, an Ideen mangelt es dem Comic nicht, Carolin Walch präsentiert ein Potpourri aus MTV-Trash, verpackt in etwa 130 Seiten Schwarz-Weiß-Zeichnungen und scheut dabei löblicherweise nicht, den Ursprungssender dieser Unterhaltungssparte beim Namen zu nennen. Die Angst alternder Stars, zu arbeitslosen Lachnummern zu verkommen, ist dabei genau so Thema wie es deren verzogene Sprösslinge sind, die sich nicht nur auf dem einstigen Ruhm der Eltern ausruhen, sondern durch ständige Langeweile auch auf die schiefe Bahn geraten. Das ist nichts Neues, wird es doch tagtäglich in den Medien thematisiert, ohne dass man sich dagegen wehren könnte. Spannender ist die Kritik am ausgeprägten Drang zum Voyeurismus, der "Reality-Shows" wie The Osbournes überhaupt erst so erfolgreich werden ließ.

     

     

    Von faulen Rockern und banalen Hipstern

    Roxanne und George, die Protagonisten des Bandes, sind die Kinder zweier Rocklegenden. Sie agieren als Hauptakteure einer MTV-Sendung, baden in Luxus und haben außer Partys, Shoppen und Fotoshootings keinerlei Ambitionen. Ihr Leben, beobachtet von der gierigen Außenwelt, gerät durch die krampfhafte Suche nach Aufmerksamkeit aus den Fugen. Die Story ist durchschaubar und banal, die Figuren sind in ihrer Art und Darstellung wenig innovativ. 

    Für die stets deprimiert drein guckenden Altrocker kommt keine Sympathie auf, so stark diese um Mitleid betteln - andere haben es auch geschafft, der süßen Verlockung des Nichtstuns zu entspringen oder zumindest die Schmach der öffentlichen Rufschädigung zu umgehen. Die übrigen  Figuren sind so bedeutungslos, dass es schon wieder Absicht sein muss: eine homogene Hipster-Masse aus Fashion-Victims und "It-Girls & Boys", die sich über Hairstylisten und VIP-Sales unterhalten. Nur in manchen Dialogfetzen  - "Ach, Rox, mach dir keine Sorgen. Wer weiß, ob wir überhaupt so alt werden." - kommt die Substanz des Comics zum Vorschein.

     

    Belanglose Story

    Denn genau das ist eine der Stärken von Roxanne & George: die Darstellung dieser Menschen. Immer gestylt und so gezwungen individuell, dass es schon einer Uniformierung gleicht. Trotzdem stets gelangweilt und ohne Tiefgang in ihren Gesprächen - "Jeden Tag Joga bla bla" - leben sie in den Tag hinein. Diese Situationen stellt Walch clever und kritisch dar: Panels, vollgestopft mit herumlungernden Personen, über denen Sprechblasen aus oberflächlichem Blabla wabern.

     

    Schön sind vor allem ihre kontrastreichen, exakten und realistischen Zeichnungen mit punktueller Tendenz zur Karikatur. Ihre Bilder sind voller Details und das Setting ist ausgesprochen authentisch - von der Chanel-Tasche bis zum "Bob Hardy"-Shirt. Oft zeigen ihre Panels auch Ausschnitte, die einem Paparazzi-Schnappschuss gleichen und der Leser erkennt seine Position entsprechend dem Beobachter am Bildschirm wieder. Die alten Herren sind eine Mischung aus Slash, Lemmy, Bret Michaels und Ozzy - zumindest letztere schoben sich bei MTV ja bereits über den Bildschirm. Auf aussagekräftigen Text hat Walch im Allgemeinen verzichtet - was zwar zu den Figuren passt, jedoch auch keinerlei Interesse für sie zulässt. Der Absturz Roxannes lässt genau so kalt wie der Erfolg der Väter mit ihrem Comeback. George spielt kaum eine Rolle, außer seinem Namen hat er dem Band nichts zu geben.

     

    Vielleicht liegt hier also eine Konstruktion vor, die einem die Belanglosigkeit solcher Sendungen über das langweilige Leben sogenannter C-Promis vor Augen führen will.  Oder Roxanne & George ist einfach der Versuch einer Kritik ohne Geschichte oder greifbare Figuren, aber mit ausgezeichneter graphischer Darstellung. Was auch zutrifft: Roxanne & George bleibt insgesamt leider ebenso in der Belanglosigkeit stecken wie seine Protagonisten.

     

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