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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 26. Juni 2017 | 03:58

    Judith Vanistendael: Kafka für Afrikaner

    26.09.2012

    Von einem der auszog, Asyl zu beantragen

    Kafka für Afrikaner nimmt sich gleich einen ganzen Berg an Themen vor: Vorurteile, kulturelle Unterschiede, den Kampf eines Asylbewerbers gegen die Abschiebung, das Verarbeiten von schrecklicher Vergangenheit und allen voran die Liebe, die vielleicht doch nicht alles überstehen kann. Was zunächst sehr pessimistisch klingt, ist in Wahrheit Judith Vanistendael hoffnungsvolles Debüt. Von FRANZISKA BECHTOLD-GEBERT

     

    Die Liebe zum Togolesen Abou stellt das Leben der neunzehnjährigen Studentin Sofie und ihrer gut situierten Eltern auf den Kopf. Ohne Aufenthaltsgenehmigung droht Alou bald die Abschiebung. Ein erbitterter Kampf gegen die belgische Bürokratie beginnt, der alle Beteiligten an ihre Grenzen bringt.
     
    Judith Vanistendael zeigt klar und direkt das Schicksal einer jungen Liebe, die vom komplexen Prozess der Asylbewerbung erschüttert wird. Kompromisse werden eingegangen und schwere Entscheidungen getroffen. Ob schnelle, übereilte Hochzeit oder die immer schlimmer werdenden Psychosen des Flüchtlings: Sofie und Abous Beziehung scheint von Beginn an zum Scheitern verurteilt. Den ausgiebigen Themenkatalog verknüpft die Autorin problemlos zu einem spannenden Konstrukt innerhalb der Geschichte. Geschickt zeigt sie die schwierige Situation und den Kampf gegen Rassismus aus den Perspektiven Sofies und ihres Vaters. Gerade letzterer macht dabei eine Entwicklung vom besorgten Skeptiker zum kämpferischen Asylexperten durch.

     

     

    Schwungvolle Erzählung mit einer Prise Dramatik

    Trotzdem ist Kafka für Afrikaner keine schwere Kost, sondern bleibt immerzu leichte Lektüre. Das sorgt einerseits für angenehme Kurzweiligkeit, andererseits könnten stärkere Bilder mehr Spannung aus der durchweg gut erzählten Geschichte herausholen. Gerade Abous Herkunft und Flucht bieten genug Nährboden für emotionale Szenen, die dem Comic ein wenig mehr Dramatik verleihen würden, hätte man sie konsequenter ausgebaut. Der Charakter des Mannes bleibt, obwohl man mehr und mehr über ihn erfährt, verborgen und unnahbar. Einzig seine Alpträume und Angstzustände lassen die starken und bedrückenden Bilder zu, die man sich das eine oder andere Mal mehr wünschen könnte.

     

    Gestalterisch geht Vanistendael solche tragischen Passagen mit verschwommen krakeligen Zeichnungen heran, um dann jedoch schnell wieder Ruhe ins Bild zu bringen und die ineinanderfließenden Panels zu ordnen. Sie stellt Albträume dar, die schnell vorbei sind, ohne ihre Schrecken konsequent weiterzuführen und bietet dem Leser schnelle Erholung an. Ihre Zeichnungen sind schwungvoll und lebensfroh, die Striche schnell gesetzt, ohne Details und klare Strukturen missen zu lassen. Die künstlerische Charakterisierung der Figuren gelingt einwandfrei – vor allem bei der schwungvollen, quirligen Sofie mit ihren weichen, weiblichen Zügen. Damit kreiert die Autorin viel Empathie für alle Figuren und man verfällt schnell ihrer Lebhaftigkeit. Ihre geschwungene Handschrift hat einen Tagebuchcharakter, der Authentizität und das Gefühl, nah am Geschehen zu sein, vermittelt. Ein wenig Farbe hätte dem Band vielleicht nicht geschadet, doch vielleicht ist gerade der starke Kontrast des Schwarz-Weiß maßgeblich für die konfliktreiche Geschichte.

     

     Kafka für Afrikaner ist eine sehr sanft erzählte Liebesgeschichte ohne Drang zum Hollywood-Happy End und ohne Überzeichnung zum Kitsch. Mit hoffnungsvollen Bildern erzählt sie von tragischen und glücklichen Momenten. Dabei ist die Geschichte zwar stimmig und unterhaltsam, jedoch leider auch frei von wirklich herausragenden Momenten. Trotzdem ist Kafka für Afrikaner zu Recht erfolgreich und eine Empfehlung für Romantiker.

     

     

     

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