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    Dienstag, 22. August 2017 | 03:44

    Maurel/Hamo: Der Schwarze Mann

    05.07.2012

    Keusche neue Welt

    Mit Der Schwarze Mann legen die beiden französischen Comickünstler Maurel und Hamo ein solides Debüt vor, das geschickt mit den Mitteln der Fantastik spielt, ihr aber auch keine neuen Facetten abgewinnt. Von FALK STRAUB

     

    In einer Welt, in der Satire alles darf und die Kunst jedes Tabu gebrochen hat, scheint die fantastische Literatur als Ventil (sexuell) unterdrückter Wünsche und Verhaltensweisen mehr als obsolet. Da verwundert es kaum, dass die jüngste Fantasy-Welle um schüchterne Zauberlehrlinge und zwielichtige Vampire geradezu blutleer, moralinsauer und keusch daherkommt – scheint der freiwillig erklärte Verzicht auf Fleischeslust in einer medial übersexualisierten Welt heutzutage doch der größte Tabubruch zu sein.

     

    Auf der anderen Seite bietet die Fantastik mit ihrer Verwandtschaft zu Horror- und Kriminal-Literatur eine perfekte Spielwiese, um Erzählkonventionen zu erproben und auszuloten. Das scheint sich wohl auch Antoine Maurel gedacht zu haben. Der 1981 geborene Franzose siedelt sein von Pierre-Yves Berhin alias Hamo gezeichnetes Comic-Debüt genau dort, in der Fantastik an. Das vom bulgarischen Literaturwissenschaftler Tzvetan Todorov ausgerufene Kriterium der Unschlüssigkeit hält Maurel dabei geschickt bis zum Ende seines auf drei Bände angelegten Werks durch, das bei Ehapa als Gesamtausgabe vorliegt.

     

    Zeit für Taten

    Maurel verlegt sein Szenario kurz vor die Hochphase der fantastischen Literatur – in eine Zeit als Okkultismus und Aberglauben bereits am Horizont aufziehen. Die Geschichte beginnt in Paris in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Nacheinander werden der ehemalige Journalist Alceste Boursault, der erfolglose Schriftsteller Arthur de Grézieux und der reiche, aber minderbemittelte Erbe Pol Kerguelec von einem mysteriösen Mann in Schwarz mit glühenden Augen und Fratze heimgesucht und in ihr Verderben getrieben. Während Boursault in der Irrenanstalt landet und de Grézieux sich selbst richtet, wird Kerguelec für Verbrechen exekutiert, die er nicht begangen hat.

     

    Unterbrochen wird der Hauptstrang der Erzählung immer wieder von einer Rahmenhandlung, in der der schwarze Mann mit einem alten Widersacher Schach spielt und ihm nach und nach die Lösung der Geschichte näherbringt.

     

     

    Keine Experimente

    Das ausgeklügelte Katz-und-Maus-Spiel, das Maurel mit dem Leser treibt, setzt Hamo versiert, aber auch ohne Experimente in Szene. Seine Seitenarchitektur zeichnet sich durch große formale Strenge aus, die zwischen sechs bis zwölf, zumeist jedoch neun geometrisch präzise angeordneten Panels pendelt. Ihren Schwerpunkt setzt sie mal in der oberen, mal in der unteren Seitenhälfte. Auch die Erzählebenen sind klar strukturiert. Kolorist Benoît Bekaert setzt die Rahmenhandlung durch eine rotbraune Farbgebung deutlich vom Rest der Geschichte ab.

     

    Die zeichnerische und erzählerische Präszision ist für ein Debüt erstaunlich. Maurel und Hamo gelingt es, einen Comic an der Grenze zwischen Fantastik und Krimi zu schaffen, der den Leser in Erwartung des Endes stetig vorantreibt. Neue Facetten gewinnt Der Schwarze Mann dem Genre zwar nicht ab, dem kurzweiligen Lesevergnügen tut dies aber keinen Abbruch.

     

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