• losttorrent
  • richtorrent
  • pushtorrent
  • Titel-Magazin
    TITEL kulturmagazin
    Samstag, 19. August 2017 | 17:04

    Olivier Schrauwen: Der Mann, der seinen Bart wachsen liess

    18.07.2012

    Grobe Stoffe

    Der Wahlberliner Olivier Schrauwen präsentiert in Der Mann, der seinen Bart wachsen liess ein Füllhorn optischer Ausdrucksmöglichkeiten – und erweist sich als Erzähler, der abwegige Inhalte mit r Bodenständigkeit vermitteln kann. Von CHRISTIAN NEUBERT

     

    Längst ist der Comic als Medium von den Hochschulen entdeckt worden. Das ist gut – in den letzten Jahren hat die deutsche Comic-Szene eine unübersehbare Bereicherung durch die Abschlussarbeiten von Uni-Absolventen erfahren. Allerdings ist es keine Selbstverständlichkeit, dass ausgebildete Designer und Illustratoren auch gute Erzähler sind.

     

    Sicher, das Gros der direkt von der Hochschule unter Vertrag genommenen Künstler versteht es, eine Geschichte zu erzählen. Wenn man sich allerdings auf einschlägigen Vernissagen oder Veranstaltungen wie dem Erlanger Comic-Salon umsieht, fällt einem eine Vielzahl von Zeichnern auf, die nicht verstanden haben, dass Comics mehr sind als eine Reihe von Bildern.

     

    Ganz abgesehen davon bleibt einem auch nicht verborgen, dass sich der graphische Stil vieler Uni-Absolventen eher in Kongruenz als in Originalität übt. Es hat den Anschein, als ob an den Hochschulen Mode und Zeitgeist höher in Kurs stehen als Eigenständigkeit.

     

     

    Fernab vom Trend

    Ein Grund zu motzen ist dies indessen nicht. Vermutlich ist diese Tendenz weder ein neuartiges Phänomen noch auf die Abgänger von Design-Schulen begrenzt. Und immerhin gibt es immer wieder Ausnahmeerscheinungen – Menschen, die mit den gängigen Gepflogenheiten brechen. Einer dieser Künstler ist der Wahlberliner Olivier Schrauwen, der an der Kunsthochschule seiner Heimatstadt Brügge studiert hat. Sein aktueller Comic Der Mann, der seinen Bart wachsen liess hat gar nichts mit aktuell in der Comic-Landschaft zu verzeichnenden Strömungen gemein.

     

    Der Band ist eine Sammlung von sieben Kurzcomics, die teilweise schon in Magazinen wie Strapazin veröffentlicht wurden. In den episodenhaften Geschichten exerziert Schrauwen auf gelungene Weise seine gestalterische Vielfalt – auch, wenn sein Zeichenstil eher von der groben Sorte ist. In der Titelgeschichte z.B. lässt er Referenzen zur Art Brut eines Adolf Wölfli erkennen, während manche der knalligen, ganzseitigen Bildkomposition an die Scherenschnitte Jakob Hauswirths erinnern lassen.

     

    Die Zeichnungen in Haartypen – eine in jeglicher Hinsicht »verkopfte« Geschichte: sie behandelt den Zusammenhang, der zwischen Haupthaar und Charakter bestehen soll – kommen wie eine Reihe simpler Holzdrucke daher. Ansonsten dürfte der klassische Zeitungscomic die Quelle von Schrauwens Inspiration gewesen sein. Die einfache, Details aussparende Linienführung und die flächigen Kolorierungen seiner Bilder muten bisweilen an wie die Werke Winsor McCays.

     

    Stilistische und thematische Vielfalt

    Congo Chromo, die Geschichte, die den Band eröffnet, handelt von Fressen und Gefressenwerden. Es geht um das Gesetz des Dschungels, dem sich die Hauptfigur, ein melancholischer Bartträger, ausgeliefert sieht. Der dritte Kurzcomic stellt seinen Protagonisten vor Die Aufgabe, die ihm sein Zeichenlehrer auferlegt. Hier wird veranschaulicht, dass man Aufgaben oft nur mit einem Aufgehen in diese gerecht wird – und dass das Verb »aufgeben« zwei Bedeutungen hat. In Die Höhle inszeniert Schrauwen eine alternative Schöpfungsgeschichte. Und Der Imaginist, die letzte Erzählung des Bandes, ist eine gezeichnete Ode an die Welten kreierende Kraft der Fantasie.

     

    Es ist schwer, sich einen klaren Favoriten aus der Sammlung herauszupicken. Jede der Geschichten, die Schrauwen erzählt, beruht auf einer originellen Idee und ist schön umgesetzt. Interessant wäre es zu wissen, ob Schrauwens grober Stil auch für umfangreichere Stoffe funktioniert. In seinem Debüt, dem ebenfalls bei Reprodukt erschienenen Mein Junge, beweist er sein erzählerisches Talent auf immerhin schon 64 Seiten.

     

     

    | kommentar schreiben

    Name:
    Kommentar:

    Musik in Schwarz-Weiß

    Noch ein paar Tipps für die Tage in denen Stimmung und Landschaft sich den Grau-Tönen nähern und die richtige Musik dabei hilft, ruhige Momente zu ...

    Petraeus und sein Stab

    Die menschliche Existenz ist voll von Paradoxa. Krieg etwa gehört zu den schlimmsten Dingen, die Menschen einander antun können; die Ausführenden des Kriegs allerdings, das ...

    Die Geschichte geht weiter

    Wieder ein Weltbestseller – Carlos Ruiz Zafóns Roman Der Gefangene des Himmels. Von PETER MOHR

    Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

    Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

    Ein Geheimnis in einer Graskugel

    Auf die ganz großen Katastrophen im Leben kann man sich selten vorbereiten. Das geht nicht nur den Großen so, auch die Kleinen müssen solche Erfahrungen bewältigen. ANDREA ...

    Wer will fleißige Handwerker sehn

    Der Künstler und ehemalige Hartz IV-Empfänger Van Bo Le-Mentzel hat zusammen mit seiner Crowd ein DIY-Forum geschaffen und mittels Schwarmfinanzierung auch gleich ein Buch drucken lassen. ...

    NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter