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    Montag, 26. Juni 2017 | 03:49

    Golo: B. Traven - Porträt eines berühmten Unbekannten

    25.07.2012

    Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?

    Mit Pseudonymen kennen sich französische Szenaristen und Zeichner aus. Ganz so viele wie der Schriftsteller B. Traven dürfte jedoch keiner von ihnen haben. Guy Nadaud – in der Neunten Kunst besser als Golo bekannt – hat sich auf die Suche nach einem der größten literarischen Phantome des 20. Jahrhunderts begeben und FALK STRAUB vor die Frage nach Sinn und Unsinn von Biografien im Comic-Gewand gestellt.

     

    Seine Bücher liegen in mehr als zwanzig Sprachen vor und erreichten eine geschätzte Gesamtauflage von über dreißig Millionen Exemplaren. Hollywood verfilmte eines seiner bekanntesten Werke – und doch blieb dessen Schöpfer zeitlebens ein Mysterium. Der Schriftsteller B. Traven, den neben Der Schatz der Sierra Madre Romane wie Das Totenschiff weltberühmt machten, hatte viele Identitäten. Ob als Gewerkschaftssekretär Otto Feige, als Schauspieler Ret Marut, als Fotograf Traven Torsvan oder als Literaturagent und Drehbuchautor Hal Croves – Traven wusste stets, seine eigenen Wurzeln geschickt zu verschleiern.

     

    Travens Biografie bietet genug Stoff für mehrere Romane: von seiner Zeit als Herausgeber der Zeitschrift Der Ziegelbrenner während der Münchner Räterepublik über die Flucht nach England bis zum Lebensabend in Mexiko. Auf seinem Weg dorthin verdingt er sich als Kohlenzieher, als Baumwollpflücker oder als Öhlbohrer. Aus seinen Erfahrungen werden Bücher – stets sozialkritisch, mit Sympathie für die Unterdrückten und Entrechteten.

     

    Golo hat daraus in B. Traven Porträt eines berühmten Unbekannten eine Comic-Biografie gemacht, die zusehends bunter wird. Die schwarz-weißen Panels werden zu Anfang lediglich durch farbige Splashpages unterbrochen. Nach und nach mischen sich die Farbtöne auch unter die anderen Seiten, bis sie das Schwarzweiß endgültig verdrängen.

     

    Dröge Präzision

    Das Ergebnis ist enttäuschend. Sicher, eine Biografie ist kein Abenteuerroman. So dröge wie bei Golo – vor allem angesichts eines so abenteuerlichen Lebens – kommt jedoch selten eine daher. Das Problem des Comics ist seine Präzision. Er hält sich akribisch an die Fakten, ist zum Zeitpunkt seiner Erstveröffentlichung in Frankreich auf dem neuesten Stand der Forschung. Golos Recherche ist wasserdicht – und raubt so seinen Figuren jede Luft zum Atmen.

     

    Anstelle einer spannenden Geschichte mit lebendigen Charakteren mutet B. Traven wie eine akademische Abhandlung mit witzigen Bildchen an. Erzählerisch verwirrt der Comic mehr, als dass er Licht ins Dunkel um das literarische Phantom bringt, versucht Golo doch jedem wissenschaftlichen Ansatz zu Travens (vermeintlicher) Vita auf 140 Seiten gerecht zu werden.

     

    Golos lässiger, cartoonesker Zeichenstil wirkt da wie ein Fremdkörper. Während vergleichbare Comic-Biografien wie Art Spiegelmans Maus durch ihre formale Abstraktion die inhaltlichen Gräuel darstellbar machen, verleihen Golos Zeichnungen den historischen Ereignissen eine unfreiwillige Komik.

     

    Dichtung statt Wahrheit

    Etwas mehr Dichtung und weniger Wahrheit hätten B. Traven angesichts seiner Optik gut getan. So stellt sich hingegen die Frage, warum der Leser ausgerechnet zu Golos Version und nicht zu einer anderen Biografie über Traven greifen sollte. Einen Mehrwert bietet die Neunte Kunst mit ihrer Kombination aus Schrift und Bild – zumindest in Travens Fall – nicht. Fast scheint es so, als wolle Golo wie so viele andere Autoren den Comic, pardon die Graphic Novel aufwerten, indem er ihr die Seriosität einer literarischen Gattung einimpft. Dumm nur, dass er über diesem Versuch den Leser unterwegs irgendwo auf der Strecke lässt.

     

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