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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 22. August 2017 | 03:47

     

    v.l.n.r.: Keiser, Winkler, Kreitz, Flix, Schreiber, Schwartz, Bartulovic, Basler, Mattotti, Wicki, Kiener, Taussig, Rossmeissl, v. Sinnen, Gasser
© CS 2012 Foto: Erich Malter, 2012 v.l.n.r.: Keiser, Winkler, Kreitz, Flix, Schreiber, Schwartz, Bartulovic, Basler, Mattotti, Wicki, Kiener, Taussig, Rossmeissl, v. Sinnen, Gasser
    © CS 2012 Foto: Erich Malter, 2012

    Max und Moritz-Preise 2012

    14.06.2012

    And the Winners are...

    Zum 15. Mal wurden in Erlangen anlässlich des Comic-Salons die Max und Moritz-Preise in neun Kategorien vergeben. Dabei ging der Preis für ein herausragendes Lebenswerk dieses Jahr an den italienischen Ausnahmezeichner Lorenzo Mattotti. Aber auch die Preisträger in den anderen Kategorien waren zum Teil alte Bekannte. Von CHRISTOPHER FRANZ

     

    Die mit rund 500 Besuchern fast ausverkaufte Verleihung im barocken Markgrafentheater am Freitagabend hielt aber auch so manche Überraschung parat. Moderiert wurde sie von der gewohnt gut gelaunten Hella von Sinnen und dem Schweizer Comic-Experten Christian Gasser, für die musikalische Untermalung sorgte die Band Red House.

     

    Nominiert waren heuer insgesamt 25 Publikationen aus den vergangenen zwei Jahren. Wie auch schon bei der letzten Verleihung 2010 wurde im Vorfeld darauf verzichtet die Kategorien, in denen die einzelnen Titel nominiert waren, bekannt zu geben. Geschuldet war dies der Abstimmung zum Publikumspreis und dem Wunsch, keinen Titel aufgrund der Nominierung in einer Kategorie zu bevorzugen oder zu benachteiligen. Auf diesen Preis, dessen Vergabe auch in diesem Jahr kontrovers diskutiert wurde, ist noch eingehender zu sprechen zu kommen.

     

    Innenansicht Markgrafentheater Erlangen.
© CS 2012 Foto: Georg Pöhlein, 2012 Innenansicht Markgrafentheater Erlangen.
    © CS 2012 Foto: Georg Pöhlein, 2012

    Auch die Liste der Nominierten stieß erneut auf Kritik. Wiederum führte der Carlsen Verlag mit fünf Nominierungen das Feld der Verlage an. Ihm folgten Reprodukt und avant mit jeweils drei Titeln, allesamt Verlage, die vorwiegend mit dem Begriff »Graphic Novel« für ihre Produkte werben. Die anderen Verlage, diesmal u.a. Suhrkamp, mare und der bei Comic-Lesern ungemein beliebte Splitter Verlag, waren mit je einem Titel vertreten.

     

    So sehr es den »gemeinen Comicleser« aber schmerzen mag, unter den Nominierten nur wenige rein unterhaltende Comics zu finden, so ist dennoch festzuhalten: Die Max und Moritz-Preise werden zwar auch die »deutschen Comic-Oscars« genannt, sollen aber nicht an Werke à la Hollywood, sondern eher à la Cannes verliehen werden.

     

    Flix: Schöne Töchter. Der Tagesspiegel. Berlin.
© Flix - Der Tagesspiegel Berlin Flix: Schöne Töchter. Der Tagesspiegel. Berlin.
    © Flix - Der Tagesspiegel Berlin

    Allein auf weiter Flur (Bester Comic-Strip)

    Den Anfang im Reigen der glücklichen Gewinner machte diesmal Flix, der für Schöne Töchter den Preis für den besten Comic-Strip entgegen nehmen durfte. In den bisher 24 Episoden der monatlich im Berlier Tagespiegel erscheinenden Serie erzählt er »von allem, was sich Liebe nennt«, spielt subtil mit dem konfliktreichen Verhältnis zwischen Frauen und Männern und sprengt so ganz nebenbei alle Erwartungen, die man heutzutage an einen Zeitungs-Comic stellen mag.  

     

    Schöne Töchter ist eine Hommage an die frühen Sunday Strips der amerikanischen Zeitungen und der Beweis, dass nicht nur im Internet, sondern auch im altehrwürdigen Medium der Tageszeitung Innovation möglich ist. Außerdem verriet der schon 2004 für seinen Comic Held mit einem Max und Moritz-Preis Ausgezeichnete, dass die Preis-Medaille mit den Jahren anläuft und er sich nun freuen darf, zwei Medaillen regelmäßig zu polieren.

     

    Émile Bravo: Das tapfere Prinzlein und die sieben Zwergbären. Carlsen Verlag. Hamburg 2011.
© Émile Bravo - Carlsen Verlag Hamburg Émile Bravo: Das tapfere Prinzlein und die sieben Zwergbären. Carlsen Verlag. Hamburg 2011.
    © Émile Bravo - Carlsen Verlag Hamburg

    Bravo, Bravo, Bravissimo! (Bester Comic für Kinder)

    Wie in der Kategorie »Bester Comic-Strip«, so gab es auch in der Kategorie »Bester Comic für Kinder« drei Nominierungen. Neben Lou! von Julien Neel (Tokyopop) und Fennek von Lewis Trondheim und Yoann (Reprodukt) fiel die schwere Entscheidung zugunsten von Das tapfere Prinzlein und die sieben Zwergbären von Émile Bravo (Carlsen) aus. In der Laudatio würdigte die Jury Bravos Werk als eine »ebenso charmante wie liebevoll poetisch erzählte, vor allem aber lustige Geschichte mit illustren, witzigen Figuren« und stellte fest: »Bravo hat keinen Comic für Kinder geschaffen, der auch ein paar Gags für die Eltern bereithält, ebenso wenig einen Erwachsenen-Comic im Kindergewand. Er schlägt beide Fliegen mit einer Klappe, und das zielsicher und mit voller Wucht«.

     

    Comic auf dem Lehrplan (Beste studentische Comic-Publikation)

    Im Gegensatz zu den bisherigen Kategorien waren die Nominiertenlisten für die Preise »Bester internationaler Comic« und »Bester deutschsprachiger Comic« mit elf und acht Einträgen recht umfangreich. Dies nahmen die Veranstalter zum Anlass, die Vorstellung der Werke durch die Moderatoren mit der eingeschobenen Verleihung von jeweils einem anderen Preis aufzulockern.

     

    Arthur de Pins: La marche du crabe.
© Arthur de Pins, www.francomics.de Arthur de Pins: La marche du crabe.
    © Arthur de Pins, www.francomics.de

    So wurde der französische Comic-Zeichner Arthur de Pins mit dem Francomics-Preis, der kein Bestandteil des Max und Moritz-Preises ist und nur in seinem Rahmen verliehen wird, für seinen Comic La marche du crabe ausgezeichnet. Das besondere an diesem Preis ist, dass er von einer Schüler-Jury, bestehend aus 3737 Schülern von 209 teilnehmenden Schulen, gewählt wurde. Dieses vorbildliche Projekt der französischen Botschaft in Deutschland und des deutsch-französischen Instituts Erlangen »soll Jugendliche mit dem Medium Comic vertraut machen und ihnen einen Einblick in die französische bzw. frankophone Comic-Kultur ermöglichen« und nebenbei die Sprachkenntnisse verbessern sowie den Unterrichtsalltag auflockern.

     

    Ampel Magazin 8
© www.ampelmagazin.ch Ampel Magazin 8
    © www.ampelmagazin.ch

    Den seit 2008 vergebenen, mit 1000 Euro dotierten Preis für die »Beste studentische Comic-Publikation«, für den im Vorfeld keine Nominierungen bekanntgegeben wurden, erhielt dieses Jahr das Ampel Magazin, herausgegeben von Anja Wicki, Luca Bartulovic und Andreas Kiener von der Hochschule Luzern – Design & Kunst. Das seit Januar 2010 bestehende Magazin hat es in kürzester Zeit auf beachtliche neun(!) Ausgaben gebracht, die alle neben dem Studium und ohne finanzielle Unterstützung der Hochschule entstanden. Die Jury möchte mit dem Preis diese Leistung würdigen und unterstreicht die »Bedeutung der Hochschulen für den Comic-Nachwuchs im deutschsprachigen Raum der kaum überschätzt werden« kann.

     

    Joe Sacco: Gaza. Edition Moderne. Zürich 2011
© Joe Sacco - Edition Moderne Zürich Joe Sacco: Gaza. Edition Moderne. Zürich 2011
    © Joe Sacco - Edition Moderne Zürich

    Eine mutige Entscheidung (Bester internationaler Comic)

    Die Qualität der Comics aus anderen Ländern, die derzeit in Deutschland erscheinen, ist ungemein hoch. Das schlug sich auch in der schon erwähnten Zahl von elf Nominierten für den Preis »Bester internationaler Comic« nieder. Vertreten waren mit Pluto von Naoki Urasawa (Carlsen) oder Aufzeichnungen aus Jerusalem von Guy Delisle (Reprodukt) sowie Essex Country von Jeff Lemire (Edition 52) Autoren aus Fernost, dem franko-belgischen Raum und auch der amerikanischen Comic-Welt. Meisterwerke wie Asterios Polyp von David Mazzucchelli (Eichborn), an dem der Zeichner über ein Jahrzehnt gearbeitet hat, mussten konkurrieren mit nicht minder lesenswerten Geschichten wie Fünftausend Kilometer in der Sekunde von Manuele Fior (avant-Verlag), der Hella von Sinnen allerdings irgendwie »zu hetero« war.

     

    Gewonnen hat schlussendlich Joe Saccos Reportage-Comic Gaza (Edition Moderne), die von zwei Massakern an der palästinensischen Zivilbevölkerung während der Suezkrise 1956 handelt. Anhand von Augenzeugenberichten wird in Gaza versucht die damaligen Ereignisse zu rekonstruieren. Der Blick richtet sich aber auch auf das heutige Geschehen und Sacco untersucht »die Mechanismen des endlosen Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern«.

     

    Simon Schwartz: Packeis. avant-verlag. Berlin 2012
© Simon Schwartz - avant-verlag Berlin Simon Schwartz: Packeis. avant-verlag. Berlin 2012
    © Simon Schwartz - avant-verlag Berlin

    Politik wohin man schaut (Bester deutschsprachiger Comic)

    In der Kategorie »Bester deutscher Comic« konnte Simon Schwartz mit seinem Werk Packeis (avant) die Konkurrenz hinter sich lassen. Die Geschichte um die Expedition zum Nordpol im Jahre 1909 ist nicht nur ein packendes Abenteuer, sondern auch ein Lehrstück über rassistische Vorurteile. Vieles spricht dafür, dass nicht Robert Peary als erster Mensch den Nordpol erreichte, sondern der schwarze Schiffsjunge Matthew Henson. Doch was nicht sein durfte, wurde und wird bis heute verschwiegen.

     

    Auch der Umgang der Weißen mit den Inuit, den Ureinwohnern, wird thematisiert. Die Jury meinte: »Packeis ist ein doppelt würdiger Preisträger: qualitativ, weil der Einfallsreichtum, mit dem amerikanische Realität und Sagenwelt der Inuit erzählerisch wie ästhetisch verknüpft werden, bewundernswert ist. Aber auch, weil Simon Schwartz ein Thema, Egoismus und die Arroganz, wählt, das von unvermindertem Interesse ist«.

     

    Daniela Winkler: Grablicht. Band 2: Schlaflied der Sonne. Droemer Knaur. München 2011
© Daniela Winkler - Droemer Knaur München Daniela Winkler: Grablicht. Band 2: Schlaflied der Sonne. Droemer Knaur. München 2011
    © Daniela Winkler - Droemer Knaur München

    Die Qual mit der Wahl (Publikumspreis)

    Bei dem 2010 erstmals vergebenen Publikumspreis wurde damals moniert, dass das Publikum nur aus den vorher von der Jury bekanntgegebenen Nominierten auswählen durfte. Dieses Jahr nun wollte man es besser machen und dem Publikum mehr Mitspracherechte einräumen. Klar war aber auch, dass eine vollkommen offene Abstimmung eine zu hohe Anzahl an Titeln zur Folge hätte. Sehr wahrscheinlich hätten davon nur Comics wie Micky Maus und Asterix profitiert, die dann mit relativ wenigen Stimmen gewonnen hätten. Deshalb wurden in einem ziemlich komplizierten Auswahlverfahren über mehrere Runden in den Monaten vor dem Salon insgesamt drei Titel durch die Leser bestimmt. Dies waren The Walking Dead (Cross Cult), Dédé von Erik (Epsilon) und Grablicht von Daniela Winkler (Droemer Knaur). Sie standen dann wiederum zusammen mit den durch die Jury Nominierten zur Wahl.

     

    Mit Bekanntgabe des Siegers bewahrheiteten sich dann schließlich die Befürchtungen, nicht Qualität würde sich durchsetzen, sondern schlicht der Comic, der am meisten Fans über die neuen Medien für sich mobilisieren konnte. Die äußerst netzaffine deutsche Zeichnerin Daniela Winkler konnte mit ihrem Germanga Grablicht die meisten Stimmen bei einer mit einer niedrigen vierstelligen Zahl äußerst geringen Wahlbeteiligung auf sich vereinen.

     

    Daniela Winkler: Grablicht. Band 2: Schlaflied der Sonne. Droemer Knaur. München 2011
© Daniela Winkler - Droemer Knaur München Daniela Winkler: Grablicht. Band 2: Schlaflied der Sonne. Droemer Knaur. München 2011
    © Daniela Winkler - Droemer Knaur München

    Da in den Medien in den vergangenen Tagen schon negative Kritik über die Preisvergabe laut wurde und sich daran sehr schnell ein Streit entfachte, sei an dieser Stelle betont: Die Kritik an der Entscheidung des Publikums soll keinesfalls gleichgesetzt werden mit der Ablehnung von rein unterhaltenden Stoffen per se (Ich liebe Didi & Stulle und Dagobert Duck!).

     

    Tatsache ist aber auch, dass der Max und Moritz-Preis die höchste deutsche Comic-Auszeichnung ist, die dazu noch lediglich alle zwei Jahre verliehen wird. Die Halbwertszeit des prämierten, auf der aktuellen Vampir-Geschichten-Welle im Stile von Twilight schwimmenden und dabei zwar handwerklich solide gemachten, intellektuell aber absolut anspruchslosen Comics, wird weit darunter liegen. Es bleibt zu bezweifeln, ob mehr als ein Bruchteil derer, die ihre Stimme Grablicht gaben, irgendeinen anderen Nominierten gelesen oder sich gar kritisch mit ihrer Wahl auseinandergesetzt haben.

     

    Peer Meter und Isabel Kreitz: Haarmann. Carlsen Verlag. Hamburg 2010
© Peer Meter und Isabel Kreitz - Carlsen Verlag Hamburg Peer Meter und Isabel Kreitz: Haarmann. Carlsen Verlag. Hamburg 2010
    © Peer Meter und Isabel Kreitz - Carlsen Verlag Hamburg

    Na Endlich! (Bester deutschsprachiger Comic-Künstler)

    Den Preis für den »Besten deutschsprachigen Comic-Künstler« (dotiert mit 5000 Euro), für den keine Nominierungen bekanntgegeben wurden, ging hingegen völlig verdient an Isabel Kreitz. Kaum zu glauben, dass sie erst heuer, nach 2000, 2002, 2008 und 2010 im fünften Anlauf ausgezeichnet wurde. Bisher erhielt sie erst einen Max und Moritz-Preis, 2008 in der Kategorie »Bester Comic für Kinder«, und das obwohl sie bereits seit fast zwei Jahrzehnten ganz oben in der deutschen Comic-Szene mitspielt.

     

    Besonders betonte die Jury die Vielseitigkeit der Künstlerin, die im Laufe ihrer Karriere in vielen Genres, sei es dem Kindercomic, dem Zeitungsstrip, der Graphic Novel oder der Short Story, im Team wie auch allein reüssieren konnte. »So verschieden ihr Stil auch sein kann, so unterschiedlich das Thema und die Form ihrer Comics auch sind, wie ein roter Faden zieht sich die Liebe zum Erzählen in Bildern und ihr großes Können durch ihr Werk«, begründete die Jury ihre Entscheidung.

     

    Preise für Pioniere (Spezial- und Sonderpreis)

    Der »Spezialpreis der Jury« entzieht sich oft dem Denken in Kategorien. Die Preisträger waren schon so unterschiedlicher Natur, dass hier immer mit einer Überraschung gerechnet werden muss. 2010 erhielten ihn der Carlsen Verlag sowie Salleck Publications für ihre Ausgaben des Werks von Will Eisner, 2008 die Comic-Zeichner Hannes Hegen und Hansrudi Wäscher und 2002 sogar Karl Manfred Fischer, damaliger Leiter des Kulturamtes Erlangen, der sich von Anfang an für den Comic-Salon eingesetzt hatte und ihn lange Jahre leitete.

     

    Verschiedene Cover aus über 30 Jahren Verlagsgeschichte
© Schreiber & Leser, 2012 Verschiedene Cover aus über 30 Jahren Verlagsgeschichte
    © Schreiber & Leser, 2012

     

    Trotzdem sorgte die diesjährige Entscheidung für einige Überraschung, wurde doch zum ersten Mal eine Verlegerin für ihr Lebenswerk, oder um es mit den Worten der Jury zu sagen, »für ihre Pionierarbeit und ein großes Abenteuer als Comic-Verlegerin« ausgezeichnet. Die Rede ist von Rossi Schreiber, die seit 1980 mit ihrem Verlag Schreiber & Leser die deutsche Comicszene mit Werken namhafter Autoren bereichert. Schon das erste publizierte Album, Das große Abenteuer von Milo Manara trug – lange bevor man von »Graphic Novels« sprach – den Untertitel »Comic-Roman«. Seit nun schon über 30 Jahren hat der Verlag seinen festen Platz in der deutschen Comic-Verlagslandschaft und überzeugt stets mit hoher Qualität.

     

    Zur verlegerischen Leistung gehört es aber auch nie den Anschluss zu verlieren und so wurde immer auf der Höhe der Zeit publiziert. Sei es mit der Gründung der Labels »Alles Gute!« oder »Shodoku« 2006 für anspruchsvolle Mangas von Autoren wie Osamu Tezuka oder Jiro Taniguchi oder auch der relativ neuen Reihe »S&Lnoir«, in der anspruchsvolle Krimis mit Zeichnungen jenseits des Comic-Mainstreams erscheinen. Mittlerweile hat sie das Alltagsgeschäft an ihren Sohn Philipp Schreiber übergeben, der Verlag wechselte kürzlich seinen Sitz von München nach Hamburg. Dennoch ist auch noch im derzeitigen Verlagsprogramm klar ihre Handschrift zu erkennen und wird es hoffentlich noch lange Zeit sein.

     

    Lorenzo Mattotti: Jacob und Wilhelm Grimm - Hänsel und Gretel. Carlsen Verlag. Hamburg 2011

© Lorenzo Mattotti - Carlsen Verlag Hamburg Lorenzo Mattotti: Jacob und Wilhelm Grimm - Hänsel und Gretel. Carlsen Verlag. Hamburg 2011

    © Lorenzo Mattotti - Carlsen Verlag Hamburg

    Der »Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk« wurde, wie schon im Vorfeld bekannt gegeben, dieses Jahr an den italienischen Comic-Altmeister Lorenzo Mattotti verliehen. Mit seinem Werk jenseits aller Konventionen sprengt Mattotti - der auch als Illustrator (z.B. von Dantes Göttlicher Komödie) und bildender Künstler in Erscheinung tritt - die Vorstellungen, zu was ein Comic im Stande ist. Die Jury meinte dazu: »Mit Werken wie Spartaco oder Feuer hat er als sein eigener Szenarist die Narration der Comics zur Poesie befreit« und fuhr fort »mit seinem malerischen Duktus, wie mit seiner grafischen Präzision hat er Panels zu einem Fall für Kunstausstellungen gemacht«.

     

    Davon konnte man sich auch während des Salons überzeugen. In einer Ausstellung im Foyer des Kunstpalais Erlangen wurden die Zeichnungen seines aktuellen Werks Hänsel und Gretel gezeigt. Mattotti gilt als einer der Väter der Emanzipation der Comics vom bloßen Entertainment und reiht sich mit der Auszeichnung in Erlangen in die illustre Reihe der Preisträger mit Namen wie z.B. Alan Moore, Jacques Tardi, Moebius oder Will Eisner ein.

     

    Mit dieser Verleihung und stehender Ovationen für den Gewinner endete eine gelungene Veranstaltung für »Freunde der kultivierten Sprechblase« - um mit den Worten Hella von Sinnens zu sprechen. Feiern lassen konnten sich die Geehrten dann ausgiebig beim anschließenden Empfang mit Freibier und fränkischen Bratwürstchen im Garten des Theaters.

     

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    Nur ein kleiner Zusatz von der Zeichnerin und Autorin des Publikumspreisträgers: Grablicht existiert seit mehr als 8 Jahren, die Fangemeinde wächst, ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Von einer Halbwertszeit, die nicht länger andauert als der Zeitraum zwischen 2 Preisverleihungen kann nicht die Rede sein. Der Vergleich mit Twilight ist sehr ungern gesehen, aber leider nicht immer vermeidbar. Was soll man machen... Oh, und ICH bezweifle, dass diejenigen, die sonst abgestimmt haben, Grablicht gelesen haben.
    | von Daniela Winkler, 14.06.2012
    "Mit Bekanntgabe des Siegers bewahrheiteten sich dann schließlich die Befürchtungen, nicht Qualität würde sich durchsetzen, sondern schlicht der Comic, der am meisten Fans über die neuen Medien für sich mobilisieren konnte." Ihre Meinung und Ihr Qualitätsurteil bleibt Ihnen unbenommen, aber die nachfolgende Einschätzung, der Comic reite "auf der Twilight-Welle…" mit, ist auf so vielen Ebenen schlichtweg Unsinn. Man kann bei Dracula und dem kleinen Vampir anfangen, kurz über die True Blood-Fernsehserie und Comics schwenken, um für die anderen beteiligten Comics auf die seit groben 10 Jahren anhaltende Zombie-Welle und die schon ca 375 vorhergehenden Detektiv-Comics zu verweisen. All das sind vorherrschende Themen und Genres im Comic, die immer wiederkehren. Soviel dazu. Und ansonsten: What Daniela Winkler said. Ich hätte es ebenso gemocht, The Walking Dead oder Dédé gewinnen zu sehen, weil ich beide sehr mag, aber diese Missgunst kann ich einfach nur traurig nennen. Schade.
    | von Joe.timberwolf@googlemail.com, 15.06.2012

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