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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 22. August 2017 | 03:44

    Comic Clash

    14.06.2012

    Mischung aus Happening, Show und Comedy

    Es gibt Bereiche auf dem Erlanger Comic-Salon, wo nicht allgemein beliebte und gut verkäufliche Comics präsentiert werden und wo keine Fans sich drängen. Zur deutschen Szene gehören auch viele kleinere Publikationen, in denen mit dem Medium gespielt und experimentiert wird und die Aufmerksamkeit des breiten Publikums daher geringer ist. Ein Versuch, aus diesem Ghetto auszubrechen, war der Comic-Clash. ANDREAS ALT hat sich die Aktion angesehen.

     

    Es gab schon viele abgedrehte Aktionen beim Comic-Salon, aber so etwas noch nicht. Es war eine Mischung aus Happening, Showveranstaltung, absurder Comedy und dem Selbstbehauptungsversuch von Comic-Machern, denen bisher in Erlangen - nach ihrem eigenen Geschmack - zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden war.

     

    Im Kongresszentrum breitete sich die Comic-Messe aus, auf dem Platz davor war ein großes Zelt aufgebaut und ein roter Teppich führte durch ein bombastisch gestaltetes Eingangstor ins Zeltinnere, wo 20 teilnehmende Teams ihre Stände aufgebaut hatten. Wer zum zentralen Veranstaltungsort wollte, musste an diesem Zelt vorbei. „Der Platz war bisher nicht bespielt“, betonte Comic-Clash-Sprecher Andreas Hartung im Gespräch. Auf einer nahen Bühne fanden Comic-Battles statt (zum Beispiel Kampf der Tinten-Titanen oder Zen-Zeichnen); auch die Bühne wurde früher nur von einem DJ zur Beschallung des Platzes genutzt.

     

    Hartung ist wichtig, dass die Comic-Clash-Teilnehmer keine Fanzines produzieren: Das Spektrum sei groß; fast alle Publikationen seien professioneller und aufwändiger als ein Fanzine. Das Buch Neufundland etwa, eine Produktion von Animationszeichnern, sei farbig gedruckt und koste daher auch 10 Euro, habe sich in Berlin aber bereits in Comic-Läden gut verkauft. Der Wettbewerb habe im Übrigen dazu geführt, dass die Teilnehmer über Produktionsbedingungen ihrer Magazine neu nachgedacht hätten.

     

    Resonanz größer als erwartet

    Ausgedacht haben sich den Comic-Clash Mitglieder der Berliner Magazine Epidermophytie (zu denen Hartung gehört) und MogaMobo. „Sonst kann man ja nur am Stand sitzen und warten, bis wer kommt“, sagte Hartung. An Standorten etwa in Nebenräumen des Kongresszentrums oder in Gängen, kann das manchmal recht frustrierend sein. Die Initiatoren beschlossen während des Münchner Comicfests im vergangenen Jahr nicht länger nur dem Veranstalter die Schuld daran zu geben, sondern selbst etwas dagegen zu unternehmen.

     

    Sie setzten eine „Herausforderung“ auf, die in Kurzform die Teilnahmebedingungen und Regeln des Wettbewerbs enthielt, verteilten sie in Form von Zetteln und versandten sie an alle Mailadressen von Comic-Zeichnern, die sie kannten. Die Resonanz war wesentlich größer als erwartet – „die Teams wollten es wissen“, so der Sprecher. 24 Anmeldungen gingen ein, davon die Hälfte von extra zum Comic-Clash zusammengefundenen Künstlern. Sechs Teams gaben vorzeitig auf, weil sie die Bedingungen nicht erfüllen konnten.

     

    Gefordert war, dass ein Team aus mindestens drei Leuten besteht, ein Heft mindestens 32 Seiten und eine Auflage von 500 Exemplaren hat - das wurde später auf 300 herabgesetzt. Damit sollten Fanzinemacher ausgeschlossen werden, die im stillen Kämmerchen seltsame Magazine im Kunstdruck oder Überformat zum eigenen Vergnügen herstellen. Das vorgegebene Thema lautete „Der Sinn des Lebens“ und sollte laut Hartung ebenfalls den ernsthaften Charakter des Wettbewerbs unterstreichen und die Teilnehmer fordern. Juror Peter Puck sagte allerdings: „Auffallend ist der doch fast durchgehend pessimistische, desillusionierte und bestenfalls melancholische Grundton in der Lebenssinnfrage. Ich hoffe für meine jungen Kollegen, dass diese eher düstere Sichtweise aufs Leben und dessen Sinn weitgehend nur Attitüde ist! Falls nicht: Viel Spaß beim Älterwerden!“

     

    Boxen oder Wrestling

    Der Comic-Clash lebte aber natürlich auch in hohem Maß vom Spaßfaktor. In diese Richtung gingen die Ausscheidungen auf der Bühne – Hartung sprach vom „Rummelgedanken, wie beim Boxen oder Wrestling“ und von „sportlicher Unterhaltung“. Die Tinten-Titanen mussten zum Beispiel mit überdimensionalen Stiften in 30 Sekunden wiedererkennbare Comic-Figuren zeichnen. Der Brain Battle entsprach einer TV-Quizshow. Bei den Wettbewerben war immer eine große Zuschauermenge vor der Bühne versammelt.

     

    Nicht ganz ernsthaft ging es auch bei der Ermittlung des besten Magazins zu. Sie setzte sich aus einer Juryentscheidung, einer Publikumsabstimmung im Internet und der gegenseitigen Beurteilung der Teilnehmer sowie den Ergebnissen der Bühnenduelle zusammen. Wer den Gesamtsieg errungen hatte, war dann auch letztlich nicht so wichtig. Einen Siegespreis gab es, abgesehen von einer Art Boxgürtel, nicht.

     

    Hartung zog ein uneingeschränkt positives Fazit. „Ich will nie wieder einen Stand drinnen haben“, versicherte er. Die Resonanz des Publikums sei „unglaublich positiv“ gewesen. Das Programm sei reibungslos abgelaufen. Der Comic-Clash erhielt vom Comic-Salon zwar keine finanzielle, aber organisatorische Hilfe: Das Zelt inklusive Zubehör stellte der Veranstalter zur Verfügung und ließ es von städtischen Arbeitern aufbauen. Die Macher von MogaMobo und Epidermophytie hätten die Aktion vor einem halben Jahr angeboten, und das sei "dankbar angenommen" worden, sagte Hartung.

     

    "Eine großartige Aktion"

    Ob es auch auf dem Comic-Salon 2014 einen Comic-Clash geben wird, beantwortete er dennoch zurückhaltend. Fürs Erste war er geschafft: Die Vorbereitungen seien eine Herkulesarbeit gewesen – allein die Kommunikation mit Vertretern von 20 Comic-Magazinen. Es sei viel Geld in den Clash geflossen, „das wir nie zurückbekommen“. Immerhin dürften die Heftverkäufe zufriedenstellend sein, davon müssen einige Prozente für die Unkosten der Aktion beigesteuert werden. Allerdings habe das Wettbewerbsprogramm auch vom Heftverkauf vor Ort abgehalten, bemängelte Hartung.

     

    „Wir werden uns irgendwann zur Manöverkritik zusammensetzen, und es ist nicht unrealistisch, dass wir weitermachen“, gestand er schließlich zu. Das würde übrigens auch von etablierten Verlagen begrüßt. In der Abschluss-Pressekonferenz betonte jedenfalls Ehapa-Redakteurin Alexandra Germann, der Comic-Clash sei eine großartige Aktion gewesen und müsse vom Salon auch finanziell gefördert werden. Sie weiß, dass kreative Impulse für den deutschsprachigen Comic-Markt vorwiegend aus dieser Szene kommen.

     

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    Kommentar:
    Wie bitte? "Wer den Gesamtsieg errungen hatte, war dann auch letztlich nicht so wichtig." Wir müssen doch bitten! ;)
    | von oh Magazin, 19.06.2012

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