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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 23. Juni 2017 | 22:37

    Interview mit Laura Zuccheri

    14.06.2012

    Der Traum von fremden Welten

    Die Italienerin Laura Zuccheri, die sich das Zeichnen und Malen ohne Ausbildung selbst beigebracht hat, hat in ihrer Heimat lange Zeit für den großen Verlag Sergio Bonelli Editore gearbeitet, wo zunächst die Westernserie Ken Parker und dann die Krimialreihe Julia über eine hübsche Verbrechensbekämpferin zu ihrem Portfolio gehörten. Dass sie mit dieser schwarz-weißen Meterware nicht auf Dauer glücklich werden konnte, erschließt sich schon, wenn man sie am Stand des Splitter Verlages beim Anfertigen ihrer wunderschönen und sehr detaillierten Aquarellkolorierung beobachtet. Sie nimmt sich viel Zeit für jeden ihrer Fans und jedes ihrer Bilder. Schließlich hat sie sich auch noch Zeit für BORIS KUNZ genommen, um ihm zu erzählen, warum sie so große Freude an der französischen Reihe Die gläsernen Schwerter hat, deren zweiter Band gerade bei Splitter erschienen ist.

     

    Können Sie ein bisschen erzählen, wie Die gläsernen Schwerter zustande gekommen ist? Wie haben Sie und die Autorin Sylviane Corgiat sich kennengelernt?

     

    Ich habe lange Zeit auf dem italienischen Comicmarkt für Bonelli gearbeitet, für Serien wie Tex und Dylan Dog, aber mein Traum war es eigentlich, etwas Eigenes zu erschaffen. Ich liebe Western, aber noch mehr liebe ich Fantasygeschichten, und mein Traum war es, ein neues Fantasyuniversum zu erschaffen, die Umwelt, die Figuren, die Burgen, die gesamte Architektur… Also habe ich einige meiner Zeichnungen Les Humanoides Associés gezeigt, einem französischen Comicverlag, der solche Sachen macht.

     

    Ich hatte sogar ein konkretes Projekt vorgeschlagen, für das es einen anderen Autor gegeben hätte, aber die haben mir dann erst einmal eines ihrer Projekte vorgeschlagen. Das war Alef Thau, eine französische Serie, der der Verlag nach einigen Jahren Pause einen Neustart gönnen wollte. Dafür habe ich dann versucht ein paar Seiten zu erstellen, das hat nicht so ganz hingehauen, und ich habe ihnen noch einmal den Vorschlag gemacht, eine komplett neue Fantasyreihe zu starten. Also haben sie mir Sylviane Corgiat vorgestellt und wir haben angefangen, zusammenzuarbeiten. Und das hat mit jedem Tag besser funktioniert und wir haben gemeinsam eine schöne Geschichte gefunden.

     

    Haben Sie denn dann auch Einfluss auf die Figuren und die Geschichte?

     

    Am Anfang haben wir das Projekt gemeinsam entwickelt und seither habe ich ein ganz gutes Verhältnis mit der Autorin. Sie hat einige meiner Ideen für die Geschichte aufgegriffen und ich einige ihrer Ideen für die Umsetzung der Zeichnungen. Es ist eine sehr glückliche, fast schon magische Zusammenarbeit.

     

    Wie lange haben sie gebraucht, um diese neue Welt zu erschaffen?

     

    Bis der erste Band fertig war, habe ich ein Jahr und acht Monate gearbeitet. Für eine Seite brauche ich sechs bis zehn Tage. Ich kann also im Monat ungefähr drei kolorierte Seiten abliefern, nicht mehr. Es ist sehr viel Arbeit, weil ich über alles nachdenken muss, nicht nur über die Geschichte, und wie ich die Sequenzen erzählerisch umsetze, sondern auch über die Landschaften, die Architektur und alles. Also brauche ich lange für eine Seite – vor allen Dingen die Kolorierung dauert noch einmal vier bis fünf Tage.

     

    Auf Ihrer Homepage habe ich gelesen, es wäre für Sie sehr wichtig, keine Computerkoloration zu verwenden.

     

    Ja, es ist mir sehr wichtig, das alles mit der Hand zu machen. Jeder kann den Computer benutzen, ich mache das aber lieber anders: mit Wasserfarben. Das ist lebendiger. Und es gibt noch einen zweiten Effekt, der nicht unwichtig ist: Auf diese Weise entsteht eine schöne, farbige Originalseite, die ich verkaufen kann. Es gibt sehr viele Sammler, die solche Originale kaufen, für die das eine Form von Kunst ist. Meine Arbeit ist auch für mich nicht einfach nur ein Job, es hat etwas mit Kunst zu tun, und da ist es mir wichtig, ein reales Original zu haben, das man auch anfassen kann.

     

    Sie malen ja auch Landschaftsbilder, die auf ihre Fantasywelt einen großen Einfluss haben. Gibt es in den Comics irgendwas, was allein in ihrem Kopf entstanden ist, oder suchen Sie sich für alles Vorbilder aus der Wirklichkeit?

     

    Ich liebe es, mir meine Inspiration aus der Wirklichkeit zu holen, und dann von da aus etwas Neues ins Spiel zu bringen, aber der Punkt, von dem aus ich meine Bilder beginne, ist immer ein reales Vorbild. Ich habe einen Hintergrund als Malerin und als ich für den italienischen Comic gearbeitet habe, habe ich mich immer in realen Settings bewegt. Ich habe also eine sehr klassische Arbeitsmethode. Wenn ich zum Beispiel eine Stadt erfinden muss, hole ich mir Inspirationen von echten Städten und mache dann einige entscheidende Änderungen. Ich liebe es, verschiedenste Einflüsse und Vorbilder miteinander zu kombinieren. Ich benutze alles.

     

    Um den ersten Band von Die Gläsernen Schwerter zu beschreiben, habe ich mir den Begriff bourgeonesk einfallen lassen, weil mich Ihre originäre Bilderwelt sehr an Cyann von Francois Bourgeon erinnert hat. War er ein Vorbild?

     

    Meine Arbeit wird sonst oft mit der Serie Aldebaran von Leo verglichen, aber diesen Bourgeon kenne ich bisher gar nicht. Das hört sich jetzt sicher komisch an, aber ich lese eigentlich gar nicht so gerne Comics. Ich bin eher ein Fan vom Kino, von bildender Kunst oder Design, gar nicht so sehr von Comics. Nur ganz wenige Comic-Schöpfer sind mir ein Begriff, Alex Toth oder Alex Raymond aus den USA und natürlich Moebius, aber nicht viele mehr.

     

    Fühlen Sie sich dann auf so einer Comic-Messe nicht wie ein einer komplett fremden Welt?

     

    Es ist sehr interessant. Es ist eine schöne Sache, dass Comics so viele Leser finden und sich dadurch auch Leute für meine Arbeit interessieren. Ich kann vom Comic-Zeichnen leben, weil sich Comic-Fans meine Alben kaufen, also bin ich auch sehr froh, an einem Ort zu sein, wo so viele von ihnen zusammenkommen.

     

    Dann gefällt es Ihnen in Erlangen?

     

    Es ist ein bisschen wie in Angouleme in Frankreich oder Lucca in Italien: eine schöne kleine Stadt, nette Leute und sehr gut organisiert. Es gefällt mir.

     

    Geheimnisse

    Wenn Sie sagen, Sie sind keine große Comic-Leserin, gibt es denn andere Inspirationsquellen? Oder versuchen sie ohnehin, dass ihre Welt gerade nicht so aussieht wie beispielsweise Herr der Ringe?

     

    Ich liebe natürlich Herr der Ringe, aber ich will etwas Eigenständiges erschaffen, so wie Tolkien eben auch damals etwas ganz Eigenständiges erschaffen hat. Das soll also eher aus meiner Fantasie als aus der eines Vorbildes kommen. Das hängt aber natürlich auch von meinem jeweiligen Autoren ab. Ich kann zwar visuell kreativ sein, aber ich brauche eine schöne Geschichte als Vorlage, das ist sehr wichtig für mich.

     

    Wenn Sie jetzt so eine neue Welt entwerfen, gehen Sie dann eher nach visuellen Kriterien vor oder erschaffen Sie richtige Backstorys für die verschiedenen Kulturen und Geschöpfe?

     

    Normalerweise habe ich die komplette Welt im Kopf, in der die Figuren sich bewegen. Ich mag das sehr, sich Konzepte für neue Welten zu überlegen, das ist eigentlich die größte Freude, die ich an dieser Arbeit habe. Zivilisationen erfinden, Städte kreieren, das ist hoffentlich auch künftig meine Arbeit, das liebe ich über alles.

     

    Das heißt also, Sie wissen viel mehr über die Welt der Gläsernen Schwerter, als dem Leser in der Geschichte erzählt wird.

     

    Ja, absolut. Und ich hoffe, dass die Autorin mir erlauben wird, noch viel mehr von dieser Welt zu zeichnen, denn da gibt es viele verschiedene Kulturen, nicht nur die der Menschen, sondern auch noch die ganz anderer Gestalten. Ich bin gerade dabei, den dritten Band zu beenden und hoffe, dass ich im vierten oder fünften Band die Gelegenheit bekomme, noch viel mehr von diesen Welten zu zeigen, von anderen Städten und Zivilisationen. Das hängt aber von der Autorin ab.

     

    Sie wissen aber schon, wie die Geschichte weiter verlaufen wird?

     

    Tut mir leid, aber das weiß ich nicht. Meine Autorin hält das geheim. Sie schreibt gerade das vierte Album, aber sie verrät mir nichts.

     

    Aber wenn Sie das fertige Skript bekommen, haben Sie dann noch die Möglichkeit, etwas zu ändern?

     

    An der Geschichte ändere ich eigentlich nichts. Ich habe höchstens die Möglichkeit, an der Struktur der Erzählung etwas zu verändern. Dafür bin ich aber auch sehr frei in meiner visuellen Umsetzung, da kann ich eigentlich tun, was ich will. Ich bekomme die Geschichte und den Dialog und kann das auf die Weise umsetzen, die mir am besten gefällt, ohne Einschränkungen.

     

    Wie viele Alben soll es denn geben?

     

    Fünf. Wenn die Verkaufszahlen noch besser werden, gibt es vielleicht auch Fortsetzungen, aber vielleicht wechsele ich auch zu einer neuen Serie. Das weiß ich noch nicht.

     

    Ausblicke

    Können Sie sich auch vorstellen, Entwürfe für andere Medien zu machen, etwa für einen Film?

     

    Ja, mein Traum wäre tatsächlich, für das Kino zu arbeiten. Ich weiß natürlich nicht, ob der Job wirklich so schön ist, wie ich mir das vorstelle, aber ich würde es wirklich gern versuchen. Moebius hat ja auch z.B. für Alien die Kostüme entworfen. So etwas wäre mein Traum.

     

    Wie würden Sie denn den Unterschied zwischen dem italienischen und dem französischen Comic-Markt beschreiben?

     

    Die sind völlig verschieden. Die italienischen Comics sind fast alle Massenware. Monatliches Erscheinen, alles in Schwarz/Weiß. Die Kultur, die hinter den italienischen Publikationen steht, ist eine völlig andere und hat viel mehr mit Populärkultur zu tun als mit Kunst, wie in Frankreich. Der französische Markt ist mir lieber, da habe ich mehr Möglichkeiten, mich selbst auszudrücken. In Italien kann man eigentlich nur für Serien zeichnen, die bereits existieren. Und da ist man dann nur ein Angestellter, nicht viel mehr.

     

    Arbeiten sie denn noch für den italienischen Markt?

     

    Nein, damit ich habe aufgehört, letzten Dezember. Das wurde mir zu anstrengend, für zwei Verlage gleichzeitig zu arbeiten. Ich brauche auch noch freie Zeit, die ich der Malerei und dem Experimentieren widmen kann. Ich möchte auch weiterhin verschiedene Techniken und Stile ausprobieren und nicht so viele Arbeiten mit irgendeiner Deadline bedienen müssen. Ich habe jetzt immer eine Deadline für das neue Album der Gläsernen Schwerter und die reicht mir dann auch.

     

    Wird Die gläsernen Schwerter denn auch in Italien veröffentlicht?

     

    Ja, nächsten November wird das dritte Album gleichzeitig in Frankreich und Italien erscheinen.

     

    Dann sind wir in Deutschland natürlich auch sehr gespannt darauf. Vielen Dank für das Gespräch.

     

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    Wow, sie kennt Bourgeon nicht. Das erklärt, warum ihre Comics zwar wunderschöne Kunstwerke sind, aber eben als Comics nicht gut funktionieren. Da fehlt einfach technisches Know-How, wie man mit Bildern effektiv erzählt. Und das bekommt man nur von anderen Zeichnern. Bourgeon ist in dieser Hinsicht einer der Meister.
    | von MS, 18.06.2012

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