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    Samstag, 29. April 2017 | 11:30

    Roulot / Hénaff: Das Testament des Captain Crown, Band 2: Das Gold der Verdammten

    14.06.2012

    »Zehn kleine Negerlein«

    Roulot und Hénaff bringen ihren Piratenthriller im zweiten Band ebenso radikal zu Ende, wie sie ihn begonnen haben. BORIS KUNZ war Zeuge des Gemetzels.

     

    Im ersten Band von Das Testament des Captain Crown versammelten sich die fünf Sprösslinge des martialischen Piratenkapitäns Crown, um gemeinsam ihren Vater zu beerben. Im zweiten Band sind sie auf der Insel Paco Verde gelandet, wo sich das sagenumwobene Schiff »Perla de Oro« in seinem Versteck befinden soll. Vor dieser Kulisse nun wird das Spiel aus dem ersten Album in die umgekehrte Richtung gespielt: Ging es bisher darum, die Protagonisten einen nach dem anderen vorzustellen, geht es nun darum, einen nach dem anderen wieder zu liquidieren.

     

    Nervenkitzel, Schadenfreude, aber keine Tränen

    Der Comic bleibt dem Tempo des ersten Bandes treu: Ohne große Verschnaufpausen folgen wir einer Schar von Protagonisten, von denen fast jeder entweder von Geldgier oder von Rachsucht getrieben ist. Letztlich läuft es auf ein ziemlich unbarmherziges Katz- und Mausspiel hinaus, bei dem jeder jeden zum Feind hat: Weder die fünf Erben Crowns noch die Piraten, die ihnen auf den Fersen sind, können den Mitgliedern ihrer eigenen Truppe wirklich vertrauen. Und dem Leser, dem ohnehin wenig Gelegenheit gegeben wurde, für die Mitspieler wirkliche Empathie zu empfinden, bleibt das Vergnügen, dieses blutige Spiel aus der sicheren Distanz zu beobachten. Es wäre auch unklug, sein Herz an irgendjemanden zu hängen, denn die meisten der sich rasant abwechselnden Plotwendungen gehen mit dem Tode einer der Figuren einher.

     

    Auch hier liegt natürlich der Vergleich zu den Fluch der Karibik-Filmen nahe. Doch während dort in den Fortsetzungen die zahlreichen Seitenwechsel und Verstrickungen der Geschichte viel Raum und den Figuren viel Glaubwürdigkeit genommen haben, verliert man hier niemals den Überblick. Obwohl den einzelnen Figuren wenig Raum zur Verfügung steht, können Autor Roulot und Zeichner Hénaff ihr Ensemble einprägsam und dessen Charakterzüge simpel genug gestalten, um ihre clever konstruierte Story niemals unübersichtlich werden zu lassen.

     

    Doch das hohe Erzähltempo ist nicht nur die Stärke, sondern auch die Schwäche des Albums: Man spürt hier noch stärker als im ersten Teil, dass es Momente gibt, in denen man den Figuren vielleicht gerne näher wäre, um beispielsweise angesichts ihres Todes auch dessen Tragik erfassen zu können oder um in dem religiösen Wahn, in den der Mönch Jonah am Ende verfällt, tatsächlich eine nachvollziehbare Charakterwandlung zu sehen.

     

    Auch grafisch ist der zweite Band ein wenig ärmer an beeindruckenden, monumentalen Momenten, obwohl Patrick Hénaff grundsätzlich das Niveau hält. So wird Das Testament des Captain Crown durchaus zu einem würdigen Abschluss gebracht. Dennoch bleibt einem die Lektüre des zweiten Bandes nicht ganz so nachhaltig im Gedächtnis wie die des ersten. Das mag einfach daran liegen, dass Band eins mit einem Cliffhanger endete, während man hier bald merkt, auf was für ein Finale alles zusteuert. Und da es unter den Kindern Crowns und ihren Gegnern keine wahren Sympathieträger gibt, kann das Ende zwar als gut konstruiert, aber kaum als mitreißend bezeichnet werden.

     

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