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    Mittwoch, 24. Mai 2017 | 15:27

    Craig Thompson: Tagebuch einer Reise

    30.05.2012

    Craig Thompson zu Gast bei der Welt

    Ein Tagebuch wird normalerweise sorgfältig versteckt oder durch ein Schloss vor neugierige Augen geschützt, doch Craig Thompson macht es seinen Lesern einfach und gewährt ihnen private Einblicke.  LARISSA SCHEUERLEIN über die Neuauflage von Tagebuch einer Reise.

     

    Während der Promotion-Tour durch Europa für seine Graphic Novel Blankets und bei seinem Aufenthalt in Marokko hält der amerikanische Comic-Zeichner auf eindrucksvolle Art und Weise die Menschen, die ihm begegnen, und die verschiedenartige Umgebung fest und erzählt von seinen Erfahrungen. Der Leser erhält einen Einblick in fremde Kulturen, der Autor von Tagebuch einer Reise führt aber auch mit einer überraschenden Offenheit seine innerliche Befindlichkeit vor Augen.

     

    »Ein simples Reisetagebuch«

    Wer Blankets kennt, hat große Ansprüche an Craig Thompson. Doch gleich zu Beginn macht der Autor den Lesern mit seinem Hinweis klar, dass es sich bei dem vorliegenden Comic »nur« um ein einfaches Reisetagebuch handelt. Ebenfalls äußert er Zweifel, ob die Veröffentlichung überhaupt angebracht sei. Eine Art Entschuldigung, dass er den Vorstellungen seiner Fans nicht gerecht werden könnte?

     

    Chronologisch berichtet der Amerikaner von seinen Erlebnissen in den drei Monaten. Im Verlauf des Comics taucht immer wieder ein niedliches, kleines Wesen auf, durch das der Autor zu sprechen scheint und mit dessen Hilfe er seine Gedanken und Handlungen auf selbstironische Weise kommentiert.

    An Lebendigkeit gewinnt der Comic durch die aussagekräftigen Porträts von Menschen und die detailreiche Darstellung von Landschaft und berühmter Architektur (z.B. die Kathedrale der Sagrada Familia in Barcelona & viele andere Bauwerke). Collagen, einzelne Comic-Sequenzen, Skizzen befreundeter Comiczeichner und Anekdoten runden den Comic ab.

     

    Im Kontrast zu dem realistischen Zeichenstil stehen die surrealen Einschübe, die die innere Gefühlslage des Autors veranschaulichen.  Es fällt zudem auf, dass in dem Tagebuch kaum Frames verwendet werden. Dies verdeutlicht noch einmal, dass es sich um gesammelte Eindrücke handelt und nicht um eine Geschichte. Vor allem bei den Landschaftsporträts impliziert der fehlende Bilderrahmen ein Gefühl der Weite.

     

    Kulturelle Unterschiede

    Einmal kommt eine bunte Mischung von Menschen aus der ganzen Welt zusammen: Amerika, Frankreich, Spanien, Marokko, Schweden, Japan. Das bedeutet verschiedene Essensgewohnheiten, Sprachen, Mentalitäten, Familien- und Wertvorstellungen. Doch genau hier kann es zu Missverständnissen kommen. Speziell zwischen der arabischen und der amerikanischen Kultur gibt es unterschiedliche Auffassungen, z.B. was die Stellung der Frau in der Gesellschaft, was Heirat und Familie angeht. Thompson führt den Leser in eine fremde Kultur und zeigt ihm deren Vorzüge, aber auch die Schwierigkeiten beim Zusammenprall von verschiedensten Kulturen.

     

    »Banal, magisch, heilig«

    Sicherlich, die Reise ist kein Zuckerschlecken für den Comic-Zeichner. Signierstunden über Signierstunden, ein Interview nach dem anderen, Krankheit, Bänderriss im Fuß, Arthritis in der Zeichenhand und zudem die Sehnsucht nach der Ex-Freundin. Durchgehend macht Craig Thompson einen unzufriedenen und unglücklichen Eindruck. Das Zeichnen einer Katze in Marokko und die Liaison mit der schönen Hillevi lassen ihn kurz seinen Kummer vergessen. Doch glücklich ist er nicht. Mit seinen eigenen Worten ausgedrückt: »Unser Leben ist so dumm & banal & magisch & heilig! Ich bin glücklich& traurig &naiv & verwirrt & unsicher & egozentrisch!«

     

    Die Darstellung der Ex-Freundin erinnert stark an die von Raina, der weiblichen Hauptfigur in Blankets. Es stellt sich die Frage, ob es sich dabei um dieselbe Person handelt. Der Traum von Raina könnte darauf hinweisen, denn Raina war seine erste große Liebe. Doch der Autor vermeidet es, den Namen der Verflossenen zu nennen.

     

    Das Reisetagebuch endet abrupt, da der vom Verleger festgelegte Abgabetermin droht und auch der Seitenzahl ein Limit gesetzt wurde. Am Ende reflektiert der Autor über die für ihn wichtigsten Erfahrungen, die er auf der Reise erlebt hat: Hillevi, die Katze und die Sehnsucht nach seiner Ex-Freundin. Merkwürdig, dass er genau diese Personen bzw. Lebewesen liebt, von denen er sich trennen muss…

     

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