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Dienstag, 28. März 2017 | 17:52

John Layman u. Rob Guillory: Chew - Bulle mit Biss: Eiskalt serviert

08.08.2012

Kopfschüsse mit Ausblick und Fricken aus der Dose

Im dritten Band von Chew – Bulle mit Biss mit dem Titel »Eiskalt serviert«, gibt es wieder viel zu sehen und zu kombinieren. John Layman und Rob Guillory bitten zum Desert. PETER KLEMENT beißt sich auf die Zunge wegen Spoilern und macht einen Exkurs zum Money Shot.

 

Auch wenn es langsam gebetsmühlenartige Züge annimmt: Chew gibt sich mit Dingen wie einer stringenten und nicht vollkommen abgefahrenen Handlung gar nicht erst ab. Daher sollte es den inzwischen geschulten Leser nicht verwundern, dass die Graphic Novel schon auf der zweiten Seite einen kleinen Sprung 20.000 Jahre in die Vergangenheit macht. Gurtpflicht herrscht also auf den kompletten 128 Seiten.

 

In Eiskalt serviert findet das Ermittlerteam den grausam ermordeten Sohn des toten Senators aus dem ersten Band Leichenschmaus. Die Art der Hinrichtung und eine mysteriöse Einladungskarte, die der Verstorbene Amelia Mintz zugeschickt hat, führt Chu auf die Spur eines schrägen Feinschmeckerclubs, der bevorzugt seltene oder sogar ausgestorbene Tiere auf die Speisekarte setzt – daher auch der kleine Zeitsprung von 20.000 Jahren. Danach überschlagen sich die Ereignisse und Plotelemente und Figuren aus dem den vorherigen beiden Bänden geben sich mit einer Geschwindigkeit die Klinke in die Hand, dass die Tür aus den Angeln zu springen droht. Wobei der Erzähler wieder sein bestens tut noch ein bisschen an der strukturellen Integrität der Geschichte zu rütteln: Der dritte Band vollführt Zeitsprünge, die selbst bei abgebrühten Zeitreisenden zu Schwindelgefühlen führen dürfte. Doch so langsam nervt das in Reif für die Insel noch unterhaltsame Spiel mit Vor- und Rückgriffen.

 

Blam! Money Shot!

Der Money Shot hat das zweifelhafte Vergnügen in regulären Filmproduktionen für den Teil des Films zu stehen, der besonders teuer ist und/oder den Film verkaufen soll und in Pornoproduktionen für die Einstellung, in der Ejakulat durch die Gegend fliegt. In allen Bänden von Chew lassen sich solche Panels finden, die zwischen Porno und Unterhaltung balancieren, weil Körperflüssigkeiten durch die Gegend fliegen, aber eben nur die nicht zur Fortpflanzung geeigneten. In Leichenschmaus kassiert der grinsende Chu mit einem entrückten Grinsen und schwebenden Herzchen einen Schwall Erbrochenes. In Reif für die Insel ist es ein großer dampfender Haufen, der in einem Banktresor auf Chu zur Verkostung wartet.

 

Eiskalt serviert bekommen die LeserInnen im aktuellen Band zwei Löcher in einem Schädel mit Ausblick auf den Verursacher Tony Chu – inklusive einer vielversprechenden Einladung von Mrs. Mintz zum zweiten Date, während ihr noch Blut und vielleicht ein bisschen Hirn vom Kinn tropft. John Layman und Rob Guillory ziehen wirklich alle Register zwischen Ekel und Entertainment. Diese Art Humor muss man mögen, zumal neben dem Panoramablick durch einen Schädel noch massakrierte Hühner und interessante Kreuzungen zwischen Geflügel und Amphibien aufwarten, die selbstverständlich auch massakriert und dann eingedost werden.

 

Tick, Tick, Tick

Bereits im zweiten Band zeichnet sich ab, dass es in Chew seinem Finale entgegen geht, das Erzähltempo hat sich im Vergleich zum zweiten Band nochmals erhöht und den beiden Autoren scheinen noch eine Menge Überraschungen für die nächsten Bände in petto zu haben, einige davon sogar von galaktischen Ausmaßen. Die Explosion aus Häufen, Kotzstrahlen, Gaumenzäpfchen, Hirnmasse, Hühnern und Herzchen rückt mit einem unerbittlichen Ticken näher. Freunde des körperflüssigkeitsgestützten Humors begeben sich in Money-Shot-Erwartungshaltung, der Rest hechtet am besten in Deckung. Es wird ein Feuerwerk geben …

 

Mehr kann der Rezensent nicht dazu sagen … Spoiler, Sie verzeihen.

 

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