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David Lapham / Kyle Baker: Deadpool Max: Lust & Liebe

25.04.2012

Böse Buben, irre Helden

Wenn es hart auf hart kommt, ist Deadpool der richtige Mann. Panini hat von dieser Marvel-Serie nun den Max-Ableger Lust & Liebe  herausgebracht. CHRISTIAN NEUBERT hat sich die dort versammelten sechs Episoden um den maskierten Antihelden vorgenommen.

 

Wade Wilson heißt der Mann, der im roten Ninja-Anzug als Deadpool für Unordnung unter Rechtlosen sorgt. Er ist eine jener Figuren aus dem Marvel´schen Superheldenkosmos, die eher für ein Kopf-durch-die-Wand-Vorgehen bekannt ist als für streng moralisch fundiertes Agieren; Deadpool ist ein verhaltensgestörter Söldner mit gespaltener Persönlichkeit, der nicht als Saubermann taugt. Nun hat Marvel den fragwürdigen Hitman in seinem Sub-Label Max untergebracht, um ihn aus dem Fortlauf seiner bestehenden Serie herausholen zu können – eine gängige Methode, um den Autoren und Zeichnern ein weiteres Spektrum an Möglichkeiten im Umgang mit den etablierten Figuren zukommen zu lassen. In den Max-Bänden geht es dabei gern ein wenig härter zu als in den regulären Reihen.

 

Deadpool, der Mann fürs Grobe

Wilson alias Deadpool glaubt an eine Verschwörung, hinter der eine Geheimorganisation namens Hydra steckt. Ein Umstand, der von seinem Vorgesetzten Bob genutzt wird, um Deadpool für die einzelnen Missionen zu motivieren, für die er ihn einsetzen will. So soll Deadpool den Mafiaboss Hammerhead ausschalten, dazu den Rassisten Helmut Emmerich Zemo, der sich an einer Endlösung versuchen will. Und auch Jihadisten.

 

Jede der sechs Episoden von Deadpool Max: Lust & Liebe handelt von je einer Mission des wahnsinnigen Söldners. Diese bieten neben Einfallsreichtum im Umgang mit stereotypen Feindbildern interessante Einblicke in die Vergangenheit des zwiespältigen Recken. Garniert mit jugendfreiem Sex und ein paar Witzen, die über die Kalauergrenze hinausragen, ergibt das eine deftige Mischung, die schnell konsumierbaren Spaß verspricht. Weniger gut stehen den einzelnen Episoden allerdings der über lange Strecken eher plumpe Humor, der an einen Garth Ennis erinnern lässt, der bereits all sein Pulver verschossen hat und daher nur noch auf Effekthascherei und Schockwirkung setzt.

 

Aber sei´s drum: Fans von US-Heftchenserien bekommen hier auf alle Fälle geboten, was sie erwarten. Zwar werden in diesem Spin-Off die ausgetretenen Pfade gängiger Superheldenreihen kaum verlassen, und auch auf den Einsatz von Deadpools Fähigkeit, die vierte Dimension zu durchbrechen (was ihm eine direkte Leseransprache ermöglicht), wird verzichtet. Dafür glänzt das gebotene Haudrauf-Spektakel in dem Licht, in dem Kyle Baker es erstrahlen lässt.­

 

Viele Techniken, wie aus einem Guss

Der vielfach prämierte Zeichner macht in dieser Max-Reihe ein Riesenfass an stilistischer Vielfalt auf, um der kruden Story ein originelles, enorm spielerisches Outfit anzulegen. Überlebensgroße Superheldenstilisierung trifft hier auf Zeichnungen im Stil von bunter Pop-Art, bearbeitete Fotomontagen schmiegen sich nahtlos an monochrome Hintergründe. Glücklicherweise versteht es Baker, dass sich die Vielfalt seiner Farbpalette nicht gegenseitig im Weg steht. Im Gegenteil: Alles fügt sich hier, obwohl manchmal in starkem Kontrast stehend, sehr gelungen aneinander.

 

Bakers wahnwitzige Illustrationen schaffen es, der sich auf ihr Gewaltpotential verlassenden Reihe ein Augenzwinkern zu verleihen. Sie machen Spaß und dadurch einige Abstriche auf der narrativen Ebene wieder wett. Aus dem Mittelmaß hieven sie den Band dennoch leider nicht heraus.

 

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