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    Donnerstag, 27. Juli 2017 | 16:13

    Lewis Trondheim: Ralph Azham 1: Belügt man jene, die man liebt?

    14.11.2012

    Der Held aus dem Schweinekoben

    Lewis Trondheim, Schöpfer des ausufernden Donjon-Universums, wird nicht müde, sich für seine nächste Serie schon wieder ein neues Fantasy-Universum einfallen zu lassen. Braucht es das? BORIS KUNZ hat den ersten Band gelesen und findet: Ja!

     

    Es beginnt wieder mit einer Ente. Ralph Azham, mit blauem Schnabel und blauer Mähne, ist erneut so ein typische Trondheim-Figur, von der man nicht weiß, ob man sie als Held oder Antiheld bezeichnen soll: Ein schnoddriger Typ, der sich so durchlaviert im Leben und eigentlich am liebsten in Ruhe gelassen werden möchte, aber immer wieder den Zorn der Obrigkeit seines kleinen Dorfes auf sich zieht. Nicht weil er wirklich etwas anstellt, sondern nur, weil er im entscheidenden Augenblick die Klappe nicht halten kann.

     

    Doch das war einst anders: Als er klein war, sah es eine Weile so aus, als könnte Ralph der prophezeite Erwählte sein, der die Welt endlich von dem finsteren Herrn vom Syrus und sein Dorf vor den Überfällen durch dessen Horde befreien kann. Doch bald stellt sich heraus, dass die einzige übernatürliche Gabe, die sich bei Ralph einstellt, die Fähigkeit ist, anderen anzusehen, wie viele Schwangerschaften sie bereits hatten und wie viele Kinder sie noch bekommen werden.

     

    Vom Orakel abgelehnt, lebt Ralph als die personifizierte große Enttäuschung des Dorfes unter Gestalten, die ihn eigentlich verachten. Doch was wäre das für eine Fantasy-Geschichte, wenn es nicht letztlich darauf hinausliefe, dass das Leben all dieser Hinterwäldler am Ende doch in Ralphs Händen liegt?

     

    Die schräge Welt der Archetypen

    Natürlich ist Ralph Azham verdammt nah an Donjon: Eine von schrägen Vögeln bevölkerte Fantasywelt, Verknüpfung von absurdem Humor mit durchdachten, originellen Geschichten, diese ganz eigene, ungreifbare Tonlage zwischen Parodie, Hommage und eigenständigem Werk.

     

    Und doch gibt es feine Unterschiede: Dieses Album hat Trondheim, von der sehr gelungenen Farbgestaltung abgesehen, wieder komplett selbst geschrieben und gezeichnet. Man merkt das Fehlen der Einflüsse von Donjon-Coautor Joann Sfar – was keinerlei Abwertung bedeuten soll. Die Geschichte konzentriert sich etwas stärker auf die Protagonisten als auf kuriose Einfälle.

     

    Der Plot, so aberwitzig er sich in einer Zusammenfassung auch anhören mag, ist im Prinzip uralter Märchengrundstoff: Der von seinen Mitmenschen verkannte und verstoßene Held, der in einen Schweinepferch verdammt wird, entpuppt sich als Retter, als das Dorf von einer Horde finsterer Krieger heimgesucht wird, gegen die sich zu erheben sonst niemand den Mumm hat. In diesen Motiven lassen Grimms Märchen oder Ottfried Preußlers Starker Wanja grüßen.

     

    Und auch wenn der Autor natürlich den humoristischen Aspekt solcher Motive deutlich in den Vordergrund stellt, macht er sich doch niemals in diffamierender Weise über sie lustig, im Gegenteil: Hinter den mit simpelstem, krakeligem Strich gezeichneten Tiergestalten mit ihrer modernen, schnoddrigen Sprache, hinter all den absurden Einfällen, schlummert eine wahrhaftige und gut gebaute Geschichte mit ausdifferenzierten Figuren, die mit so viel Tempo und so viel Augenzwinkern erzählt ist, dass ihre wahre Klasse erst so nach und nach aufscheint.

     

    Ralph Azham vereint die Qualitäten von Donjon und Herr Hase und bringt noch ein neues Element mit dazu: Trondheim ist nicht nur ein Spaßvogel, er ist auch ein ernsthafter Geschichtenerzähler. Hoffentlich wird er dessen noch lange nicht müde.

     

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