Hin und her
Mit diesem Anti-Roman, der alles anspricht und nichts zu Ende ausführt, hat sich der britische Zeichner Martin Rowson einen harten Tobak vorgenommen. Rowson, der vor allem für seine politischen Cartoons in englischen Tageszeitungen bekannt ist, weiß jedoch, wie er mit einem derart sprunghaften Stoff umzugehen hat – eben mit der nötigen Sprunghaftigkeit. Wo Stringenz keine Rolle spielt und Spannungsbögen über unzählige Ecken aufgezogen werden, ist Experimentierfreude angesagt. Und Rowson hat diesbezüglich in die Vollen gegriffen.
Es ist erstaunlich, mit welch bizarren Einfällen Rowson der Geschichte, die vom Hundertste ins Tausendste geht, Herr wird. Während er sich von Kapitel zu Kapitel hangelt und die gewaltige Ansammlung an Gedankenmüll abarbeitet, erhebt er den Vorgang des Geschichtenerzählens selbst zum Thema. Er tritt als Autor der Adaption auf, bringt seinen Hund, der vom ziellosen Schwadronieren sichtlich genervt ist, mit ins Geschehen hinter dem Geschehen ein und lässt den eigentlichen Ich-Erzähler auch mal Stellung zum Erzählten nehmen: »LAUFT NICHT davon, sondern, indes wir so dahinzuckeln, lacht mit mir und über mich oder, kurzum, tut, was ihr wollt. – Nur verliert nicht die Beherrschung!!«
Die Gefahr, die Beherrschung zu verlieren, ist im übrigen gar nicht mal so klein. Man muss sich zugegebenermaßen ein Stück weit durch den mäandernden Stoff hindurchquälen – vor allem anfangs, solange man sich noch fragt, was das alles soll. Wer aber durchhält und sich nach und nach an den eigenwilligen Erzählstil gewöhnt, wird immer wieder mit Momenten grotesker, abwegiger Komik und wirklich gelungenen Einfällen auf der graphischen Seite überrascht.