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    TITEL kulturmagazin
    Samstag, 29. April 2017 | 11:23

    Ángel de la Calle: Modotti

    19.06.2012

    Kommunismus für Romantiker

    Fotokünstlerin, kommunistische Aktivistin und leidenschaftliche Geliebte – das alles war Tina Modotti. Ángel de la Calle begibt sich in seiner Comic-Biografie auf die Spuren einer Frau, deren Leben von der Suche nach ihrem Platz in der Künstlerszene und ihrer Bestimmung in der Partei geprägt war. Er sucht Originalschauplätze auf und nähert sich während seiner Recherche zaghaft dem Menschen Tina. FRANZISKA BECHTOLD begab sich in die Welt von Modotti und fragt sich: »Was haben Batman und Superman dort zu suchen?«

     

    Tina Modotti – die mit bürgerlichem Namen Assunta Adelaide Luigia Modotti Mondini hieß – reiste als junge Frau von Italien nach Amerika, wo sie bald schon in Mexiko künstlerisch und politisch aktiv wurde. Nach dem Mord an ihrem Geliebten Mella und dem Verbot der kommunistischen Partei in Mexiko zog sie zusammen mit dem befreundeten Vidali nach Europa.

     

    Ihr künstlerisches Wirken musste der Arbeit für den Kommunismus und die Internationale Rote Hilfe weichen. Ihr Leben in Berlin, Moskau, Wien, Paris oder Madrid zu Zeiten des Spanischen Bürgerkrieges war geprägt von gefährlichem Aktionismus. Endlich in Mexiko zurück, musste sie die zunehmende Amerikanisierung ihres geliebten Landes mit ansehen und starb schließlich 1946 in einem Taxi an einem Herzinfarkt.

     

    Zusammengehalten wird die stellenweise schwierige und nicht immer gleichmäßig mitreißende Graphic Novel von Calles Erfahrungen und Gedanken während seiner Nachforschungen. Dabei lässt er den Leser teilhaben an seinen Überlegungen zu Tinas Umfeld und den ungeklärten Wahrheiten hinter so manchem Verbrechen.

     

    Vollkommen absurd sind Calles regelmäßige Begegnungen mit den Rentnerversionen von Superman und Batman, die wohl lediglich zur Demonstration der alkoholgetränkten Wahnvorstellungen des Zeichners und zum Auflockern der Stimmung zu taugen scheinen. Trotzdem sind sie auf bizarre Weise amüsant und vielleicht gerade wegen ihrer Thematik wunderbar passend zum Gesamtbild.

     

    Klare Strukturen, feine Züge

    Grafisch ist die in Schwarz und Weiß gehaltene Comic-Biografie klar strukturiert und linear, die Panels reißen nur selten aus ihren geordneten drei Reihen aus. Wenn sie es tun, hat dies allerdings meistens eine tiefere Bedeutung; so werden etwa Tinas erste Erfahrungen in Amerika in einer doppelseitigen, komplett konturlosen Panelreihe erzählt.

     

    Callas Stil wirkt schnell und karikaturhaft, ist aber auf den zweiten Blick trotz der groben Striche und Struktur stark charakterisierend und lebendig. Während die Männer in Tinas Umfeld oft starke, maskuline Typen sind, ist Modotti selbst eine zierliche, schöne und ruhige Person, die durch ihren häufig getrübten Blick immer ein wenig Traurigkeit ausstrahlt. Calle schafft es, mit sehr wenigen Strichen den Wandel ihrer Gefühle zu zeigen; ein kurzes Lächeln oder gesenkte Augen reichen hierfür vollkommen aus.

     

    Calle & Modotti

    Die Graphic Novel ist leidenschaftlich recherchiert und hingebungsvoll aufgearbeitet. Vom Höhepunkt ihres künstlerischen Schaffens bis zum erbitterten Kampf während des Spanischen Bürgerkrieges begleitet Calle seine Protagonistin und nimmt den Zuschauer in zweifelhaften Momenten und undurchsichtigen Wendungen an die Hand. Trotzdem stellt sich der Ehrgeiz nach Vollständigkeit hier manchmal selbst ein Bein, wird doch die Personenkonstellation und die Einordnung der Episoden in das Gesamtbild ab und an durch zu viele Eindrücke, Namen und Daten erschwert.

    Schlussendlich ist Modotti die liebevoll erzählte Geschichte einer Frau, die die Welt verändern wollte und dafür fast alles geopfert hat. Ángel de la Calle hat eindeutig eine Leidenschaft für Tina entwickelt, die sich an jeder Stelle seiner Biografie widerspiegelt und trotz des wenigen Materials, welches ihm zur Verfügung stand, interpretiert er nicht nur Fakten, sondern haucht diesen Leben ein. Diese Biografie ist Geschichtsstunde und Lebenskunde in einem.

     

     



     

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    Kommentar:
    Franciska, vielen Dank für Ihre Bewertung.
    | von angel de la calle, 17.07.2012

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